Volltext: "Götter wandelten einst..."

   
nen beiden Söhnen Antiphas und Thymbraios im Laufschritt heraneilt, 
warnte eindringlich mit den Worten: «Ihr Narren, trauet niemals einem 
Griechen, selbst wenn er Gaben bringt!» und schleuderte seine Lanze tief in 
das Holz des Pferdes. Als er und seine Söhne nur wenig später von riesigen 
Seeschlangen getötet wurden (siehe Nr. 39), deutete Priamos dies erst recht 
im Sinne der eigenen Anweisungen und besiegelte somit den Untergang 
seiner Stadt. 
37 Die Einnahme Trojas 
Courteys’ sechste Tafel zeigt die Zerstörung Trojas, das nun von 
innen wie von außen, sowohl aus dem Bauch des Pferdes heraus, als auch 
durch das niedergerissene Stadttor, von griechischen Soldaten erobert 
werden konnte. In der Mitte der Darstellung ist wiederum König Priamos 
erkennbar, der mit seiner Familie Schutz im Athenatempel sucht — zu Fü- 
Ben des Palladiums, des Kultbildes der mit Helm, Schild und Lanze ausgestat- 
teten Pallas Athene (siehe Nr. 20). Rettung aber ist gerade von dieser 
Göttin nicht zu erwarten, dachte sie doch schon nach dem Urteil des Paris 
an Rache gegen Troja. Ihr Tempel steht in Flammen und zahlreiche Männer 
versuchen, das noch verschlossene Tor mit Rammbock und Axt gewaltsam 
aufzubrechen. Links im Mittelgrund, von Kolonnaden überschnitten, steht 
das hölzerne Pferd, mit geöffneter Luke, durch welche die listigen Griechen 
des nachts ihr Versteck verließen. Leichtes Spiel hatten sie mit den Trojanern; 
die den vermeintlichen Abzug der Feinde so ausgelassen feierten, daß sie an- 
schließend in einen «abgrundtiefen» Schlaf fielen. 
38 Die Flucht des Aeneas aus dem brennenden Troja 
Der griechische Feldzug gegen Troja war überaus langwierig 
und verlustreich, letztlich aber von Erfolg gekrönt. Nicht nur die Stadt 
konnte zerstört und ihre Einwohner vernichtet werden. Auch der eigentli- 
che Zweck des Krieges, die Rückführung Helenas nach Sparta, erfüllte sich. 
Courteys’ letzte Szene des siebenteiligen Zyklus zeigt das brennende 
Troja in der Ferne, mit Flüchtenden, die ihr letztes Hab und Gut zu retten 
suchen. Den Vordergrund beherrschen zwei nackte, junge Männer, die 
jeweils eine ältere Frau und einen älteren Mann, die gleichfalls unbeklei- 
det sind, davontragen, vielleicht zu einem am Ufer des Meeres wartenden 
Schiff, das sie einer neuen Heimat zuführen wird. Stets ist das Paar im 
Zentrum der Tafel als Aeneas — welcher ein entfernter Verwandter des Paris 
war — mit seinem Vater Anchises gedeutet worden.! Da Aeneas die Heraus- 
gabe Helenas sowie einen gerechten Frieden zwischen den verfeindeten 
Parteien gefordert hatte, wurde seine Familie von den Griechen verschont. 
«Als Agamemnon sah, wie er den ehrbaren Anchises auf seine Schulter hob 
und ihn, ohne sich umzusehen, zum Dardanischen Tor trug, gab er den 
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Pierre Courteys (ca. 1520—1591) 
Die Einnahme Trojas 
(Limoges, 2. Hälfte 16. Jh.) 
Email auf Kupfer; 42,8x54 cm 
Bezeichnet in Gold unten rechts: 
PCORTEYS. 
Inv. Nr. S 225 
Erworben: vermutlich zwischen 
1738 und 1740 durch Fürst 
Joseph Wenzel 
38 
Pierre Courteys (ca. 1520—1591) 
Die Flucht des Aeneas aus dem 
brennenden Troja 
(Limoges, 2. Hälfte 16. Jh.) 
Email auf Kupfer; 41,8x 53,5 cm 
Bezeichnet in Gold unten links: 
PCOURTEYS. 
Inv. Nr. S 226 
Erworben: vermutlich zwischen 
1738 und 1740 durch Fürst 
Joseph Wenzel 
 
	        

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