Volltext: "Götter wandelten einst..."

   
gefällt wurde. Mit seinem Sieg über Pan aber sicherte sich Apollon über- 
haupt erst den Rang eines Gottes der Musik. Nun unterstanden alle unge- 
zügelten, wilden und triebhaften Schöpferkräfte, welche in Pegasus, den 
Musen und Pan wirksam waren, dem Gott des Maßes, das er dem Univer- 
sum durch den Rhythmus und die Harmonie seiner Musik mitteilte. 
Das ungewöhnliche Format der Tafel, deren Kolorit sich auf Schwarz- 
und Braunnuancen beschränkt, hat Anlaß zu unterschiedlichen Interpreta- 
tionen hinsichtlich ihrer ursprünglichen Funktion gegeben. Sicher liegt hier 
kein Tafelbild im traditionellen Sinne vor, auch wenn es mit einer weiteren 
Tafel ein Paar bildet, der Allegorie der Musik? welche die inhaltliche Aussage 
der Apollon- Tafel verstärkt. Alle bislang geäußerten Vermutungen aber (So- 
praporte, Teil eines Tasteninstrumentes) konnten durch zeitgenössische Ver- 
gleichsbeispiele nicht bekräftigt werden. 
17/18 Tethys/Apollon 
Wenn der Bildhauer Robert Le Lorrain die Meeresgöttin Tethys und 
den Gott der Weissagekunst, der Musik und der Heilkunst Apollon als Paar 
zueinander führt, so ist dies nur deshalb möglich, weil Apollon mit dem Son- 
nengott Sol (griech. Helios) identifiziert wurde, obgleich sie ursprünglich 
zwei verschiedene Gestalten waren. Beiden eignete der griechische Beiname 
«Phoebus», der Strahlende, und es war vermutlich im fünften vorchristlichen 
Jahrhundert, daß Helios in der Gestalt des Apollon aufging und doch immer 
auch wieder von diesem unterschieden wurde. Ovid beispielsweise, auf des- 
sen Erzählung die Verbindung von Tethys und Apollon zurückgeführt wird,' 
hilt den Sonnengott und Apollon sorgfiltig auseinander. Bei ihm spricht Sol 
zu seinem Sohn Phaéton, der sich aus Krinkung und Selbstüberschätzung 
vom Vater für die Dauer eines Tages die Führung des Sonnenwagens erbit- 
tet, die beschwórenden Worte: «Steil ist der Weg zunáchst, daD ihn kaum am 
Morgen die frischen Pferde erklimmen. Er führt in des Himmels Mitte am 
hóchsten. Oft wird mir selbst es zum Graun, von dort auf das Meer und die 
Erde niederzusehen, und es bebt in Bangen das Herz in der Brust mir. Ab- 
schüssig fillt er am End und entbehrt eines sicheren Anhalts. Tethys selbst, 
die dort mich empfángt im Scho ihrer Wellen, pflegt zu sorgen, es stürze 
kopfüber mich jih in die Tiefe.» Phaéton lieB sich durch die väterlichen 
Mahnungen von seinem Vorhaben, das Sol wegen eines vorausgegangenen 
Versprechens nicht verhindern konnte, keineswegs abhalten. Erwartungs- 
gemäß endete das leichtsinnige Unterfangen in einer Katastrophe, denn der 
Knabe, welcher der Aufgabe nicht gewachsen war, verlor die Gewalt über 
den Sonnenwagen und verursachte ein Feuer, das die ganze Welt in Brand 
steckte. 
Wo statt Sol nun Apollon zum Sonnengott wird, da interessiert nicht 
die Geschichte des Phaeton, sondern das Verhältnis des Gottes zur Göttin, 
des Apollon zu Tethys, welche den herrlichen Lenker des Sonnenwagens, 
wenn es Nacht wird, «im Schoß ihrer Wellen empfängt» und ihn erst wie- 
der entläßt, wenn ein neuer Tag beginnt. Wer war diese Göttin, die am 
50 
17 
Robert Le Lorrain (1666—1743) 
Tethys 
(Paris, ca. 1710-1720) 
Bronze; Hohe: 43 cm 
Inv. Nr. S 904 
Erworben: 1986 durch Fürst 
Franz Josef II. 
18 
Robert Le Lorrain (1666—1743) 
Apollon 
(Paris; ca-1710—1720) 
Bronze; Hóhe: 38 cm 
Inv. Nr. S 903 
Erworben: 1986 durch Fürst 
Franz Josef II. 
  
 
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.