Volltext: "Götter wandelten einst..."

lich und allmächtig betrachtet; der Begriff Vaterschaft war noch nicht in die religiöse Gedan- 
kenwelt aufgenommen worden ... Das Urmysterium war die Mutterschaft ... Sobald aber der 
Zusammenhang zwischen Beilager und Schwangerschaft offiziell zugegeben wurde, verbes- 
serte sich auch die religiöse Stellung des Mannes. Nicht länger wurde Winden und Flüssen die 
Schwängerung der Frauen zugeschrieben. Die Stammesnymphe oder Königin wählte aus ih- 
rem Gefolge junger Männer den Liebhaber für ein Jahr, um ihn dann, bei Jahresende, zu op- 
fern (R.v.R..-G., S. 13/14) ... Die Umstinde seines rituellen Todes änderten sich vielfach. Aber 
sterben mußte er. Ein neuer Abschnitt war erreicht, als an Stelle der Knaben Tiere zum Op- 
feraltar geführt wurden und die Kónige sich nach ihrer verlängerten Regierungszeit zu ster- 
ben weigerten ... Die frühgriechische Mythologie beschäftigte sich vor allem mit der Bezie- 
hung zwischen der Königin und ihren Liebhabern. Sie beginnt mit deren Jährlicher oder 
halbjährlicher Opferung und endet mit der Zeit, in der die Ilias geschrieben wurde und die 
Könige sich rühmten: «Wir sind weit besser als unsere Váterb, und mit der vollständigen Ver- 
dunkelung des Kóniginnentums durch eine totale männliche Monarchie» (R.v.R.-G., S. 15). 
Nr. 51 
! Robert von Ranke-Graves (siehe Nr. 7, Anm. 2), S. 46, 14.c. Der Name Dionysos wurde auch 
als Atoc vuoog als Zeussohn gedeutet (siehe Marion Giebel, Das Geheimnis der Mysterien. 
Antike Kulte in Greichenland, Rom und Ágypten, Zürich/München 1990, S. 56). 
? Roberto Calasso (siehe Nr. 12, Anm. 5), S. 43. 
? Friedrich Nietzsche (siehe Nr. 11, Anm. 1), S. 47. 
* Roberto Calasso (siehe Anm. 2), S. 161. 
? Euripides, Die Bakchen, 298—301. 
* Michelangelo hatte die Skulptur im Jahre 1496 für Kardinal Raffaello Sansoni-Riario in Rom 
geschaffen. «Der Auftrag war durch eine für die Aura des Künstlers bezeichnende Begebenheit 
zustande gekommen: Der Kardinal, ein passionierter Antikensammler, hatte ein Werk Michel- 
angelos als «echte Antike erworben, den dafür erhobenen hohen Preis bereitwillig gezahlt und 
die Statue seiner Sammlung eingegliedert. Später mußte er erfahren, daß er einem Täuschungs- 
manöver Lorenzo Medicis aufgesessen war, der mit diesem Trick den Römern die Kunstfer- 
tigkeit seines Günstlings unter Beweis stellen wollte. Er hatte nämlich Michelangelo einen 
schlafenden Amor meißeln und anschließend in der Erde vergraben lassen, um so eine antike 
Oberfläche zu suggerieren. Auch einem Connaisseur wie Riario gelang es nun nicht mehr, 
diese neuzeitliche Arbeit von einem Werk der Antike zu unterscheiden, womit er eingestehen 
mußte, daß keine objektiv meßbaren Qualitätsunterschiede bestanden. Der Kardinal forderte 
zwar sein Geld zurück, zeigte sich aber begeistert von Michelangelos Talent und rief den jun- 
gen Künstler nach Rom, um ihn mit einer Statue für den Hof des Palazzo della Cancelleria zu 
beauftragen. So entstand der Bacchus, den Riario jedoch aus nicht rekonstruierbaren Gründen 
umgehend an Jacopo Galli weiterverkaufte» (Sabine Schulze, 1986, S. 125/126). 
7 Edgar Wind (siehe Nr. 24, Anm. 2), Ein bacchisches Mysterium Michelangelos, S. 216. 
Edgar Wind schreibt: «... es läßt sich, wie ich glaube, zeigen, daß die plumpe, schwere Schale, 
% 
die seiner Geste etwas offenkundig Vulgäres verleiht, eine ungeschickte Restauration ist... Der 
Originalzustand, wenn man ihn denn so nennen kann, ist auf mehreren Zeichnungen des 16. 
Jahrhunderts erhalten, auf denen die Statue ohne rechte Hand zu sehen ist ... Man hat bislang 
keine Reproduktion oder Beschreibung der Statue mit Hand und Schale gefunden, die sich 
vor 1551-52, als diese mißlungene Restauration bereits erfolgt war, datieren ließe ... Daß er 
(Bacchus) ursprünglich eine Schale hielt, scheint mir sicher, doch war die Ausführung zweifel- 
? Ebd., S. 212f. 
0 Ebd.,S. 210: 
1. Ebd,, S. 206. 
? Klaus Lankheit, 1962, S. 335, Nr. 673. 
Nr. 52 
Roberto Calasso (siehe Nr. 12, Anm. 5), S. 44/45. 
Ebd., S. 46. 
Entstanden in den Jahren 408/407 v. Chr. und im Jahre 405, vermutlich anläßlich der Diony- 
sien, aufgeführt. Als «Gesang der Böcke» wurzelt die literarische Gattung der Tragödie im Dio- 
nysoskult. Ihre Vorform ist das dionysische Oratorium des Dithyrambus, eine chorische Auf- 
M mm 
führung zu Ehren des Dionysos. 
Euripides, Die Bakchen, 860/861. 
Ebd., 772-774. 
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