Volltext: Die Beziehungen zwischen der Republik Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein auf dem Gebiet der Musik

Musicologica Austriaca 16 (1997) 
Eine Zusammenstellung aus dem Jahr 1807 über die vorhandenen und verwen- 
deten Musikalien gibt einen guten Eindruck vom Theater- und Konzertbetrieb am 
Fürstenhof. Es werden rund fünfzig Opern mit Partitur, Solo- und Orchesterstim- 
men aufgezählt, darunter Mozarts Die Entführung aus dem Serail, Die Zauberflöte 
und Figaros Hochzeit, außerdem Glucks Die Pilger von Mekka, Cherubinis Gülna- 
re, eine „Opera buffa“ von Dittersdorf, Salieris Der Rauchfangkehrer und Caldaras 
Festa teatrale La Clemenza di Tito, um nur einige zu nennen. Unter den aufgezähl- 
ten Symphonien und Kammermusikwerken dominieren die Kompositionen von 
Joseph Haydn, Mozart, Winter, Gyrowetz, Went, Boccherini und Triebensee. Obo- 
en- und Klarinettenkonzerte waren von Went, Stamitz, Boccherini und Pleyel vor- 
handen, daneben eine Vielzahl von Märschen, Tänzen, kleinen Solostücken, Sere- 
naden und Chören. 
Neben der Harmoniemusik hat Fürst Alois I. 1791 auch eine „türkische Banda“ 
in seine ständigen Dienste genommen. Diese war in erster Linie der in Feldsberg 
bestehenden fürstlichen Grenadierkompanie zugeordnet. Sie hatte folgende Beset- 
zung: 2 Oboen, 2 Klarinetten, 2 Hörner, 2 Fagotte, zwei „Pfeifer“ (von denen der 
eine auch Querflöte, der andere Trompete spielte) und je ein Musiker für Tambou- 
rin, Triangel und Trommel. Die Banda hatte sowohl militärische als auch gesell- 
schaftliche Aufgaben zu erfüllen. Sie spielte bei Defilees, beim Exerzieren und bei 
Straßenmärschen, hatte die Kommandos zu blasen und daneben ähnliche Aufgaben 
wie die Harmoniemusik zu erfüllen. 
Die liechtensteinische Harmoniemusik erwarb unter der Leitung von Joseph 
Triebensee bald den Ruf, eine der besten Kapellen in Wien zu sein. Ihre Mitglieder 
wurden häufig auch zu anderen Konzerten „ausgeliehen“. Als Dienstort war sie für 
Musiker im Vergleich mit alternativen Berufsmöglichkeiten auch deswegen attrak- 
tiv, weil er neben Prestige auch eine gewisse materielle Sicherheit bot. Dies mag 
der Grund gewesen sein, daß sich 1799 auch der berühmte Carl Stamitz (1745— 
1801) unter Vorlage von Kompositionen um die Stelle als Leiter der Fürstlichen 
Harmoniemusik beworben hat. '* 
Fürst Alois I. und seine musikbegeisterte Gattin Fürstin Karoline waren jedoch 
nicht nur auf die standesgemäße musikalische Repräsentation in den eigenen Palais 
bedacht, sondern gehörten dem kleinen Kreis kunstbegeisterter adeliger Mäzene an, 
die regelmäßig Opernpremieren und Uraufführungen finanzierten. So war Fürst 
Alois I. 1798 einer der Geldgeber für die Uraufführung der Schöpfung von Joseph 
Haydn im Palais Schwarzenberg und 1801 auch der Uraufführung der Jahreszeiten, 
die am 27. April ebenfalls im Palais Schwarzenberg stattfand. Die erste öffentliche 
Aufführung folgte am 29. Mai 1801 im Redoutensaal. 
Auch andere Mitglieder des Hauses Liechtenstein zeichneten sich in dieser Zeit 
durch die Förderung bedeutender Komponisten aus. Die hervorragenste Vertreterin 
war die Tochter von Fürst Franz Josef I. (1726-1781) und der Fürstin Marie Leo- 
poldine geb. Gräfin von Sternberg, Prinzessin Maria Josepha Hermengilda von 
'° H. Stekl (wie Anmerkung 9). 
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