Volltext: Die Beziehungen zwischen der Republik Österreich und dem Fürstentum Liechtenstein auf dem Gebiet der Musik

1 Musicologica Austriaca 16 (1997) 
Freundlichkeiten sagen. Es fiel ihm aber nichts anderes ein als: Aber lieber Beet- 
hoven, was haben Sie denn da wieder gemacht? Beethoven reiste wutentbrannt 
noch am gleichen Tag von Eisenstadt ab und machte die Widmung an Fürst Ester- 
häzy rückgängig. Später hat er die Messe Fürst Ferdinand Kinsky gewidmet. 
Fürstin Maria Josepha Hermengilda Esterhäzy blieb die große Gönnerin 
Haydns, auch als er den Dienst bei Fürst Esterhäzy aufgrund seines angegriffenen 
Gesundheitszustandes aufgeben mußte. Sie besuchte den schwer kranken Haydn 
regelmäßig in seinem Haus in der Wiener Vorstadt Gumpendorf, das er seit 1797 
bewohnte, stellte ihm ständig eine Equipage zur Verfügung, sorgte für das Weinde- 
putat (Tokajer zur Herzstärkung) wie auch für Geldzuwendungen. 
Noch bevor die glänzende Zeit fürstlicher Musikrepräsentation in Wien zu Ende 
ging, kam Franz Schubert in Berührung mit dem Fürstenhaus. Er war 1797 in der 
Wiener Vorstadt Liechtenthal geboren, also in jenem musterhaften Stadtteil, der 
1694 von Fürst Johann Adam Andreas von Liechtenstein samt der Liechtenthaler 
Kirche erbaut worden war. Diese Kirche stand neben dem Elternhaus bestimmend 
am Anfang der musikalischen Laufbahn von Franz Schubert. Mit 17 Jahren vollen- 
dete er sein erstes großes geistliches Musikwerk, die Messe in F, die in diesem 
Gotteshaus erstmals öffentlich aufgeführt wurde. Auch weitere Werke Schuberts 
waren für die Gottesdienste in jener Kirche komponiert, wo er bei zahlreichen 
Aufführungen als Dirigent oder Komponist mitgewirkt haben dürfte. 
Leider finden sich in den fürstlichen Archiven keinerlei Hinweise von Zuwen- 
dungen an das junge „Genie“ Schubert, aber da die Liechtenthaler Kirche die 
Hauskirche der fürstlichen Familie war, in der sie den Sonntagsgottesdienst zu be- 
suchen pflegte, kann der Aufmerksamkeit der musikliebenden Familienmitglieder 
der hochbegabte junge Komponist nicht völlig entgangen sein. So könnte auch sein, 
daß Franz Schubert von Fürst Johann I. gelegentlich finanziell unterstützt wurde. 
Franz Schubert besuchte das Akademische Gymnasium im k.k. Stadtkonvikt, 
wo auch ein großer Liechtensteiner, der spätere Historiker und Politiker Peter 
Kaiser, studierte. Es darf angenommen werden, daß Schubert dort mit dem nur vier 
Jahre älteren Peter Kaiser zusammentraf und somit auch einen bürgerlichen jungen 
Liechtensteiner kennenlernte. 
Ob in der Tat das Forellenquintett 1823 erstmals im Gartenpalais Liechtenstein, 
im heutigen 9. Wiener Stadtbezirk, aufgeführt worden ist, ebenso später dort auch 
der Liederzyklus Schwanengesang‘*, steht in Frage. Am gleichen Ort wurde am 19 
November 1828 eine Komposition für zwei Klaviere uraufgeführt. Im Palais befan- 
den sich nämlich zwei Flügel.‘ 
14 So Walter Diggelmann, Franz Schubert und Liechtenstein, in: Begleitheft der Briefmarken-Ausgabe vom 
3. März 1997 (Schubert-Gedenkmarke), hg. v. der Postwertzeichenstelle der Liechtensteinischen Regierung, 
Vaduz 1997, S. 5. 
'> Dies läßt sich anhand der erhaltenen Rechnungsbücher feststellen. — Vermutlich handelt es sich bei der 
erwähnten „Komposition für zwei Klaviere“ um das Rondo in A-Dur für Klavier zu vier Händen op. 107, 
D 951. Denkbar ist, daß das Vorhandensein von zwei Flügeln im Palais Liechtenstein dazu ausgenützt 
wurde, um den vierhändigen Klavierpart auf zwei Instrumenten zu spielen. 
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