Volltext: 125 Jahre Eisenbahn in Liechtenstein

16 Kilometer weiter auf ihrem eigenen Bahnnetz fest- 
halten und zudem einen beachtlichen Zuwachs des 
Personenverkehrs für die jetzige Vorarlberger Bahn 
(Feldkirch-Bregenz) erreichen könne. 
Die topographische Situation weise entschieden auf 
den natürlich gegebenen Knotenpunkt Sargans hin. 
Aber auch diesmal hatte Liechtenstein kein Glück, da 
die Verlegung der Bahnlinie aus Rentabilitätsgründen 
abgelehnt wurde. 
Der letzte Versuch, Liechtenstein dem Eisenbahn- 
verkehr zuzuführen, wurde am Anfang des 20. Jahr- 
hunderts unternommen. In diesem Projekt sollte die 
Rhätische Bahn von Landquart über Bad Ragaz-Mai- 
enfeld-Balzers-Triesen nach Schaan geführt werden 
und den Anschluss an die Arlbergbahn herstellen. 
Obwohl der Verkehr durch Liechtenstein mit Grau- 
bünden eine lange Tradition hatte — bereits die alte 
Rómerstrasse Chur-Augsburg führte durch das heuti- 
ge liechtensteinische Gebiet — konnte das Projekt 
nicht verwirklicht werden, da die SBB befürchteten, 
dass mit einer zusátzlichen Bahnlinie die Schweize- 
rische Bahn in ihren Interessen geschádigt werde. 
Von der wirtschaftlichen Not nach dem ersten 
Weltkrieg war auch Liechtenstein stark betroffen. Zur 
Verbesserung der damaligen Situation kündigte das 
Fürstentum den mit Österreich seit 1852 bestehenden 
Zollvertrag und schloss ab 1. Januar 1924 eine Zoll- 
und Währungsunion mit der Schweiz. Den starken 
Kaufkraftverlust der Österreichischen Währung 
bekamen auch die Bahnbediensteten im Fürstentum 
Liechtenstein zu spüren. Sie verlangten einen Teue- 
rungszuschlag, der ihnen erst nach einem kurzen 
Streik gewährt wurde. Um diesen Zuschlag zu kompen- 
sieren, wurde für die liechtensteinische Strecke ein 
«Frankenzuschlag» eingeführt. 
  
  
—L 
pe FE A 
Amtliches 
Elektrischer Etjenbadn- Betrieb 
Seitir-Buds 
Aın 12. Dezember 1926 wird die 15,000 Volt Fahr- und 
Berftärkungs = Leitung ber ôfterreidifden Bundesbahnen in der 
Strede Feldfird - Buds unter Spannung gefegt und Künftig 
fländig unter Spannung fleben. 
Es wird biemit ausdriidlidh auf die Gefabren einer mittel- 
baren ober unmittelbaren Berührung ber unter Spannung 
fiehenden Leitungsteile aufmerkffam gemadt. 
Vaduz, am 4. Dezember 1926. 
  
  
  
1522 
Fürftlide Regierung. 
- ges. Sadler. 
  
Kundmachung in den Liechtensteiner Nachrichten vom 
8. Dezember 1926 
Zu den bedeutendsten technischen Verbesserungen 
gehörte auch die Aufnahme des elektrischen Bahnbe- 
triebes auf der Arlberg- und Vorarlberger Bahn. Im 
Streckenabschnitt Feldkirch-Buchs/SG konnte der 
elektrische Bahnbetrieb bereits am 12.Dezember 1926 
aufgenommen werden. Ergänzend sei erwähnt, dass 
die Schweizer Rheintalbahn Rorschach-Buchs 1934 
und Buchs-Sargans 1927 elektrifiziert wurden. 
In der zweiten Hälfte der 20er-Jahre war Liechten- 
stein von einer grossen Rheinnot betroffen. Die über 
dem Bündnerland am 25. September 1927 niederge- 
henden sintflutartigen Regenfälle führten zu einem 
Rheinhochwasser, das gegen Abend seinen Höchst- 
stand erreichte. Dadurch, dass die Eisenbahnbrücke | 
dem Wasserdruck standhielt, brach oberhalb dieses | 
Bauwerkes der Rheindamm. Da die Flusssohle über 
der Talsohle lag, überfluteten die Wassermassen des 
hochwasserführenden Rheins (rund 2500 n? pro Se- 
kunde) das Land bis in den Raum Feldkirch. Der quer | 
zum Rheintal verlaufende Bahndamm wurde bei der | 
Katastrophe auf einer Länge von 250 m ebenfalls zer- | 
stört. 
Bis zur Errichtung von Hilfsbrücken war der Zugver- 
kehr - die internationalen Züge wurden über St. Mar- 
grethen umgeleitet — 53 Tage unterbrochen. Da sich 
die Flusssohle infolge von Schotterablagerungen an- 
hob, musste die Eisenbahnbrücke in regelmässigen 
Abständen angehoben werden, damit das Rheinhoch- 
wasser unbehindert abfliessen konnte. Die alte, noch 
aus der Zeit der Vorarlberger Bahn stammende Brücke 
wurde 1935 durch eine neue Stahlkonstruktionsbrücke 
ersetzt. 
 
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.