Volltext: Die Schlossabmachungen vom September 1920

auch 1918 feststellen. Es liegt auf der Hand, dass die veränderungswilligere 
Gruppe tendenziell stärker auf einen organisatorischen Zusammenschluss 
hinarbeitete. Seit 1914 war dieser Zusammenschluss de facto gegeben, und es 
wurde von «Gruppenbildung» gesprochen, «auch gegen den Widerstand einiger 
Herren», wie die O. N. áusserten.? Mit «diesen Herren» waren die Gleichge- 
sinnten um Albert Schádler und den Volksblattredaktor Meinrad Ospelt, 1917 
durch Eugen Nipp abgelóst, gemeint. 
Man stritt sich um die Frage, ob Parteien in Liechtenstein vonnóten seien oder 
nicht. Die Konservativen sahen in den Parteien eine Einengung, da die Parteimit- 
glieder an die Leitsätze gebunden seien.“ Als Beweis führte man an, dass gerade 
die vergangenen vier Jahre dies gezeigt hátten. Beck habe die «Partei der Vier» 
als «Diktator» gelenkt. Auf einen Wink von ihm als «Parteigewaltigem» hátten 
sich Abgeordnete des Volkes still verhalten oder er habe ihnen weitergeholfen, 
wenn sie nicht mehr weitergewusst hatten.* 
Von den Parteigegnern wurde — speziell auf Liechtenstein bezogen — die Auf- 
spaltung des Landtages in Parteien als ein Luxus betrachtet, den Liechtenstein 
sich nicht leisten könne.“ Dass diese Entwicklung aber nicht mehr zu bremsen 
war, zeigten die angelaufenen Aktivitáten. Gegenseitige Vorwürfe in den Zei- 
tungen wegen Wahlvorbereitungen wurden erhoben. Die Beck-Gruppe habe in 
Triesen (im «Scháfli») und in Vaduz náchtliche Zusammenkünfte abgehalten, 
behauptete das Volksblatt. Die O. N. ihrerseits wetterten über «Geheimsitzun- 
gen», die am 5. Februar 1918 im Lôwen in Vaduz abgehalten worden seien. Ziel 
dieser Zusammenkunft sei es, gegen die Partei Dr. Becks in den Wahlkampf zu 
treten und dessen Anhang zu «sprengen und zu zersplittern».* 
In zahlreichen Stellungnahmen, Wahlvorschlágen und Kommentaren dazu mani- 
festierte sich der voll ausgebrochene Wahlkampf. Seitenweise wurden «Einge- 
41 LVobl. 8/1918. 43 O.N. 7/1918. 
42 LVobl. 8/1918. 
39 0.N. 35/1914. 
40 LVobl. 10/1918. 
© 
     
ohnbe- 
vólkerung 
Liechten- 
steins: 8034. 
Volksab- 
stimmung über den Verbleib 
Josef Peers im Amt, die 
zugunsten Peers ausgeht 
(28.3.), der jedoch auf das 
Amt verzichtet. 
Josef Ospelt wird Landes- 
verweser (4.4.). 
Zustimmung des Landtages zum 
Entwurf der neuen Verfassung 
(24.8.). 
Erster Katholikentag (8.9.). 
Prinz Karl von Liechtenstein 
unterzeichnet im Namen des 
Fürsten Johann Il. die neue 
Verfassung des Fürstentums 
Liechtenstein (5.10.). 
  
          
        
       
    
     
    
     
    
   
   
   
    
   
   
  
  
  
  
    
   
  
  
     
   
    
Demonstration vom 26. Februar 
1921 vor dem Regierungsgebäude. 
  
  
 
	        

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