Volltext: Die Schlossabmachungen vom September 1920

   
Einen taktischen Erfolg konnten Beck und seine Anhänger in der Sitzung vom 30. 
Dezember 1916 erzielen, als es ihnen gelang, einen Kommissionsantrag, nämlich 
den Landesangestellten eine Teuerungszulage auszubezahlen, zu Fall zu bringen. 
Gegen den Willen des Regierungskommissärs und des Landtagspräsidenten 
wurde der Antrag mit 7:6 Stimmen verworfen. 
Eine entscheidende Etappe bezüglich der Parteigründung und ein wichtiges An- 
liegen Becks stellte 1917 die Einführung des direkten Wahlrechtes dar. Landes- 
verweser v. Imhof kam diesmal Beck zuvor und regte in der Landtagssitzung 
vom 30. Oktober 1917 an, das bestehende indirekte Wahlrecht in ein direktes 
und geheimes umzuformen.?* Beck ergriff die Gelegenheit sofort und gratulierte 
dem Landesverweser. Dem Landtag gegenüber bemerkte er, es sei beschámend, 
dass dieser Antrag nicht aus seiner Mitte gekommen sei. Beck scheint sich 
selbst am meisten geárgert zu haben. Auch bei diesem Gesetz kam es über 
Detailfragen zu hitzigen Diskussionen.?' In der Sitzung vom 31. Dezember 1917 
aber wurde das Gesetz betreffend die Abánderung der Landtagswahlordnung 
einstimmig angenommen.* Paragraph 1 des neuen Gesetzes bestimmte, dass 
drei der Landtagsmitglieder weiterhin vom Landesfürsten aus der wahlfáhi- 
gen Bevölkerung ernannt, «die übrigen aus derselben vom Volke gewählt» 
würden. 
Wie ist die Landtagsperiode von 1914 — 1918 historisch einzuordnen? Es ist fest- 
zuhalten, dass sich ab 1914 eine Veränderung in mehrfacher Hinsicht ergab: 
— Erstens hielt eine Gruppe Einzug ins Parlament, die den verfassungsrechtlich 
gegebenen Freiraum voll ausnützte und eine aktivere und kontradiktorische 
Behandlung der anliegenden Fragen bewirkte. 
36 O.N. 44/1917. 
37 In der Frage, ob bei den Wahlen amtliche Stimmzettel zu verwenden seien oder nicht, stand Beck 
allein gegen die übrigen Landtagsabgeordneten. 
38 Siehe dazu Landtagsprotokoll vom 31. Dezember 1917. Das «Gesetz vom 21. Jänner 1918 betreffend 
die Abänderung der Landtagswahlordnung» ist publiziert in LGBI. 4/1918, ausgegeben am 5. Februar 
1978. 
DD 
Demonstration von etwa 
1000 Personen gegen Landes- 
verweser Peer (10.5.). 
Die Bank in Liechtenstein erhält 
eine Konzession (30.8.). 
Die für die Verfassung von 1921 
entscheidenden «Schlossab- 
machungen» werden zwischen 
Vertretern der Volkspartei 
(Willhelm Beck, Gustav Schádler, 
Anton Walser) und Vertretern des 
Fürsten (Josef Martin, Josef 
Peer) ausgehandelt (15. —20. 9.). 
      
    
     
    
    
    
     
   
   
   
  
Das bei Schloss Vaduz gelegene 
Absteigequartier war Ort der Ver- 
handlungen zwischen der Volks- 
partei und fürstlichen Abgeord- 
neten. Diese Verhandlungen führ- 
ten zu den sogenannten Schloss- 
abmachungen vom September 
1920. 
  
    
   
   
  
    
  
    
    
   
   
   
    
   
  
   
   
 
	        

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