Volltext: Die Schlossabmachungen vom September 1920

Nr. 6: Drei Seiten handschriftliche, stenographische Ergánzungen; übertragen 
durch Silvio Schádler, den Sohn Prof. Gustav Schádlers. 
Ergänzungen zum Protokoll 
1) Kabinettsrat Martin setzte ihm auseinander, dass der Fürst und seine Um- 
gebung wenn erst móglich zu einem friedlichen Ausgleiche die Hand bieten 
wolle. Dr. Beck klárte in verschiedenen Sachen auf, machte auf den Ernst der 
Situation mit Rücksicht auf die Verschleppungen und unwahren Verspre- 
chungen aufmerksam. 
2) Kabinettsrat Martin befrug Dr. Beck, auf welchem Wege man am besten zu 
einer Verständigung gelangen könne. Dr. Beck schlug nach langem Hin- 
und Herraten dem Herrn Kabinettsrat Martin vor, dass die Forderung des 
Volkes nach einer Motion und neuen Verfassung und Verwaltung, wie sie 
ungefähr die Volkspartei aufgestellt habe, in einer Proklamation des Fürsten 
an das Volk als fürstlicher Wille zu einer Verständigung kundgetan werde. 
Einmal würde eine Kundgebung einen vorzüglichen Eindruck nicht nur im 
Inlande sondern auch im Auslande bewirken und sodann würde vor allem 
das Liechtensteiner Volk selbst sehen, dass es der alte Fürst mit ihm gut 
meine und der Kernpunkt des Streites tatsächlich mehr auf einzelnen 
Persönlichkeiten liege. Kabinettsrat Martin wiederholte mehrmals und 
eindringlich, dass er nur infolge seines Unfalles nicht im Frühjahr her- 
kommen könne (siehe Beilage), dass er sonst gleich die Sache an die Hand 
genommen habe. Die Auskostung der Verfassung sei unumgänglich 
notwendig. Er sagte, man staune in Wien und begreife es heute gar nicht, 
dass man im September 1918 nicht auf die wenigen gerechten For- 
derungen eingetreten sei und man habe es selbst verschuldet, wenn heute 
die Volkspartei und viele andere viel mehr verlangen. Das Volk hätte ganz 
recht. 
«D» 
  
  
Regierungschef Dr. Mario Frick 
(I.) am 24. Oktober 1995 (50 Jah- 
re UNO) mit dem amerikanischen 
Präsidenten Bill Clinton, zusam- 
men mit Hillary Rodham Clinton 
und Andrea Frick (r.). 
  
Der Landtag beschliesst die Teil- 
nahme Liechtensteins am Euro- 
paischen Wirtschaftsraum (8.3.). 
Ein Sonderparteitag der Vater- 
landischen Union spricht sich fiir 
einen Beitritt Liechtensteins 
zum EWR aus (27.3.). 
Das liechtensteinische Stimm- 
volk befürwortet den Beitritt 
Liechtensteins zum EWR mit 
56% JA-Stimmen (7./9.4.). 
Zur Umsetzung des Vertrages 
werden zahlreiche Gesetze und 
Verordnungen geschaffen und 
aktualisiert. 
Der Thronfolger Josef Wenzel von 
Liechtenstein wird geboren (24.5.). 
Die Regierung beschliesst die 
Schaffung einer Stabsstelle für 
die Gleichberechtigung von Mann 
und Frau (27.6.). 
  
  
 
	        

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