Volltext: Vaduzer Wein

  
Der Torkelmost 
Für ihre Arbeit bezogen die Torkelmeister neben 
dem jährlichen Wartgeld und dem Taglohn während 
des Wimmelns und Torkelns nach “alt hergebrachter 
Landes-Übung und Torkel-Gebrauch die gebührende 
Betreffniss des sogenannten Torkelmostes".!6? Dieser 
Naturalbezug wird 1772 so umschrieben: Dem Wein- 
gartenmeister wird “der samentlich abfallende 
Trester, nachdeme selbiger das 3te Mahl auf dem 
Torggel-Beth wohl ausgetrugt worden seyn wird, zu 
seinem Genuss, jedoch so überlassen, dass er durch- 
aus 2 Theil, der zugegebene Torggelmeister hingegen 
den %tel hiervon zu beziehen haben solle”. Früher 
hatte der Weingartenmeister auch “den Trester oder 
dickhe Brühe, welche die Mutter und Nahrung des in 
die Kellerey eingelegten Weins ware, aus der Rinn- 
Büthe zu seinem Nutzen unter den Trester genom- 
men”. Diese Übung war aber vom Oberamt abge- 
schafft und dem Torkelmeister befohlen worden, 
“dass wo der Weinmost die letzte aus der Rinnbüthe 
zum Verkauf, Competenz oder sonst vor gnädigste 
Herrschaft ausgemessen wird, solcher Satz, nachdem 
selbiger bey Zeiten umgerührt worden, vermischt mit 
dem Weinmost abgegeben werden solle”. Gemäss 
Rechnungsbelegen des 19. Jahrhunderts wurde der 
Torkelmost-Abzug mit zwei Mass (2,58 Liter) pro 
Ohm berechnet.!‘** Wenn das Ohm als Masseinheit 
auf fünf Viertel (51,45 Liter) festgesetzt werden 
könnte, würde dies mit dem später mit fünf Prozent 
berechneten Torkelmost-Abzug übereinstimmen. !6® 
Das Ausmessen des Weinmostes hatte genau nach der 
alten Torkelordnung zu geschehen.!66 
"Sonderbare Manipulation mit dem Wein? 
Hofrat Hauer beschreibt die Weinbereitung, wie er 
sie 1808 in Vaduz angetroffen hat, als “sonderbare 
Manipulation" wie folgt: *Wehrend der Lóse wird der 
Masch im Torklgebáud in Bodungen gegeben, dort 
8 Wochen - da er schon ganz Essig sauer ist, belassen, 
die Bodungen selbst sind einige Zoll stark mit 
Weinstein überzogen und gleich Essiggefássen einge- 
EA 
säuert; erst nach so gearteter Vorbereitung wird der 
Masch gepresst, dann in die Vässer des Burgkellers 
verfüllt, die meisten Geschirre nicht voll gemacht, 
und in Boden eine Menge Zapfen angebracht, hier- 
aus dann gezogen, so oft der Fall des Bedarfs eintritt, 
wodurch es geschieht, dass in jedem Vass ein Hand 
dicker Kamm sich bildet, und das Verderbnis des 
Weines bewirket, um so mehr als man hier keinen 
Einschlag kennet, also das Geschirr nicht einge- 
brannt zu werden pflegt. Ob bei diesem Verfahren 
die Weine gut und haltbar seyn kónnen, ist leicht zu 
abstrahiren, und eben darum ist man hier von der 
Überzeugung, dass die Weine sich nur durch 1 Jahr 
asserviren lassen."!?7 Hauer schildert hier offensicht- 
lich die Erzeugung von Ablass. Er empfiehlt sodann, 
"den Versuch zum Pressen der hiesigen Trauben, 
besonders beim weissen Wein, zu machen", also 
“Kretzer” zu erzeugen.!6 
Schlechte Haltbarkeit des Vaduzers 
Auch Landvogt Schuppler erwähnt, dass der hiesige 
Wein nicht haltbar sei und oft schon im zweiten Jahr 
“abstehe”.! Aus den Rentrechnungen des 18. und 
19. Jahrhunderts ist immerhin zu ersehen, dass jedes 
Jahr vier bis sechs verschiedene Jahrgänge Bocker- 
weins verkauft wurden. Die Preise für den gleichen 
Jahrgang stiegen in der Regel von Jahr zu Jahr. 
Landschreiber Fritz erwähnt dann auch, dass sich der 
hiesige Wein “hôchstens vier Jahre mit Nutzen aufbe- 
19! LLA RA 9/1/1, Instruktion für die herrschaftlichen Weingar- 
ten- und Torkelmeister, 15. März 1803. 
162 A.a.0. 
18 LLA RA 9/1/1, Bestandskontrakt für den Bockwingert, 
13. März 1790. 
164 LLA RC 102/182, Berechnung des Durchschnittsertrages der 
obrigkeitlichen Weingüter, 1832-1841. 
155 Fünf Prozent Torkelmost-Abzug sind erwihnt in der Abrech- 
nung der Winzergenossenschaft aus dem Jahr 1903 (FamARh) 
und bei Ernst Ospelt (vgl. unten S. 52). 
166 LLA RA 9/1/1, Eid für den Weingartenmeister Andreas Strub, 
6. Februar 1772. 
167 LB Hauer (1808), S. 86£.; Ospelt, Wirtschaftsgeschichte, S. 173f. 
168 LB Hauer (1808), S. 87. 
16 LB Schuppler (1815), S. 237. 
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