Volltext: Vaduzer Wein

  
Im Durchschnitt 90 Öchslegrad 
Für die Vaduzer Weinbauern war auch das heurige 
Jahr wiederum ein Glücksfall. Die Witterungsverhält- 
nisse in den Sommermonaten und ersten Herbst- 
tagen waren optimal, und der Föhn setzte gerade zur 
rechten Zeit ein. Dadurch reiften die Trauben in 
"Windeseile". Die Winzer dürfen mit dem heurigen 
Ergebnis mehr als zufrieden sein: Auf einer Fläche 
von rund 2 bis 3 ha fiel ein Rekordertrag von mehr 
als 20’000 kg Blauburgunder-Trauben an. In den 
letzten Tagen sind auch die Öchslegrade geradezu 
in die Hóhe geschnellt. Die Winzergenossenschaft 
hat schon vorher einen Durchschnittswert festgelegt: 
wenn der Ochslewert die 80 Grad-Marke erreicht hat, 
soll der Termin für die ^Wimmelte" fixiert werden. 
Vergangene Woche war es soweit. Eigentlich hátte mit 
der Wimmelte ja schon am Mittwoch begonnen wer- 
den sollen. Doch an diesem Tag regnete es in Stró- 
men. “Wir müssen auf besseres Wetter warten" sagte 
Kellermeister Gerry Büchel scherzhaft, als der Ter- 
min verschoben wurde, “denn schliesslich wollen wir 
1” 
kein Wasser im Wein! 
Zahltag in bar 
Die Winzergenossenschaft Vaduz ist eine reine 
Verwertungsgenossenschaft. Alljährlich werden rund 
90 Prozent des Ertrages der fürstlichen Domäne ver- 
kauft. Die Mitglieder können dann entweder einen 
Rückbehalt anmelden oder später den Beerli günstig 
einkaufen. Ansonsten erhalten die Winzer von der 
fürstlichen Domäne eine Entschädigung. Die beträgt 
gegenwärtig 6 bis 7 Franken pro Liter und einem 
Durchschnittswert von 80 Öchslegrad. Liegt der Wert 
höher, gibt es pro Grad und Liter mehr: umgekehrt 
erfolgt ein Abzug. Der Zahltag wird jeweils am 
8. Dezember in bar ausgehändigt. 
Hektische Betriebsamkeit 
Während Stunden herrschte am Donnerstag an der 
Annahmestelle der fürstlichen Domäne eine hekti- 
sche Betriebsamkeit. Rufe, Gelächter und zwischen- 
durch immer wieder die Aufforderung, da und dort 
Hand anzulegen. Mittels Laufkatze werden die 
Bottiche aus Aluminium von den Fahrzeugen geho- 
ben. Bevor das Traubengut in die Abbeermaschine 
zur Weiterverarbeitung kommt, entnimmt eine Fach- 
kraft der Hofkellerei mit einer Metallsonde aus 
Chromstahl eine Probe und bestimmt anschliessend 
die Öchslegrade: Jeder Winzer erfährt so individuell 
seinen eigenen Wert. Der Öchsle-Durchschnittswert 
des “Vaduzer Beerli Jahrgang 1992” wird kurze Zeit 
später von Kellermeister Gerry Büchel ermittelt. Er 
beläuft sich heuer auf 88 und 90 Grad. 
Innerhalb von wenigen Stunden ist das Trauben- 
gut der Freizeitwinzer angeliefert. Halt, auch Berufs- 
winzer sind dabei. Karl Verling und sein Sohn Markus 
gehören ebenfalls zur Genossenschaft. Sie steuern 
aus ihren Rebbergen einen Anteil von 600 kg bei. 
“Ich kann mich nicht erinnern”, sagt ein älterer 
Genossenschafter, "je eine so grosse Schlange von 
Traktoren, Jeeps und Autos mit Anhängern gleichzei- 
tig vor der Hofkellerei gesehen zu haben." Das ist 
auch kein Wunder: Es steht ja auch nur ein Tag zur 
Verfügung. Die Zeit ist knapp. Rechtzeitig am frühen 
Abend ist die Maische aber in den Tanks. Zufrieden 
fachsimpeln die zahlreichen Hobbywinzer bei einem 
guten Schluck "91er Beerli”, wie der "92er" wohl wer- 
den wird.553 
1993 30. Juni 1993 
Erinnerungen an den “Suuser-Sunntig” 
Die Interessengemeinschaft “Hoi Vadoz” und die 
Winzergenossenschaft luden ihre Mitglieder am 
Donnerstag, 30. Juni, um 20.00 Uhr in die Hofkellerei 
ein. Zweck der gut besuchten Zusammenkunft war 
die Vorführung eines Films, der letztes Jahr vom 
Umzug gemacht wurde. Die schönen Gespanne und 
  
9:9 Ospelt, Bernhard: Weinbau: Der Berg hat einen Igel geboren. 
In: LVaterland, 8. August 1992, Nr. 176. 
550 Details s. LVolksblatt, 21. September 1992, Nr. 210. 
551 GAV, Signatur Nr. 725. 
552 I Volksblatt, 7. Oktober 1992, Nr. 224. 
553 I Volksblatt, 14. Oktober 1992, Nr. 230. 
 
	        

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