Volltext: Vaduzer Wein

keit schenken. Wenn wir jedes vierte Jahr mit ziemlich 
Mist kommen, so dürfte das für Stickstoff genügen. 
Dann wäre aber jedes Jahr, in dem kein Mist gegeben 
wird, eine kleine Gabe Kunstdünger zu empfehlen, 
und zwar etwa 25 Kilo, also ein halbes Säckchen auf 
100 Klafter. Als sehr gut bewährte sich der Mischdün- 
ger Pf. U.K. 6:2:5. Dann lohnt sich aber auch Super- 
phosphat oder Kalisalz. Für mageres Holz wáre auch 
schwefelsaures Ammoniak zu empfehlen, 5-6 Kilo 
far 100 Klafter, nicht mehr. Besonders jene Reben 
und Boden, die zu Gelbsucht neigen, waren wie bei 
unsern Kalkbóden mit sauerreagierendem Kunstdün- 
ger — also den genannten — und mit Kali zu düngen. 
Bei starker Gelbsucht empfiehlt sich ein Bestreuen 
des Bodens mit Eisenvitriol. Alles dies soll im Friih- 
jahr geschehen.!77 
19. Mai 1928 
Weinbau 
Unsere Reben haben dieses Jahr unter Frost ziemlich 
stark gelitten, mehr als seit einer làángern Reihe von 
Jahren. Immerhin aber sind wir bis jetzt noch bedeu- 
tend besser davon gekommen als sogar benachbarte 
oder fernere Weingebiete der Schweiz und in Süd- 
deutschland. 
Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir die Frost- 
perioden annehmen: Der erste grosse Schaden er- 
folgte in den Tagen vom 17. bis 20. Dezember 1927. 
Da litten sowohl in den niederen als auch höheren 
Lagen besonders die zwei- bis fünfjährigen Reben. 
Die kalte Witterung gegen Ende April tat das Ihre, 
um die schwachen Austriebe dieser Reben ganz oder 
zum Teil zu vernichten. Stark geschadet hat denn 
auch der Reif vom 11. Mai. Da die unteren Lagen 
durch Nebel besser geschützt waren, litten ausnahms- 
weise die der oberen Lagen stärker. 
Immerhin ist im allgemeinen noch kein Grund 
vorhanden, die Ernte als verloren zu betrachten, be- 
sonders da dieses Jahr ein sehr guter Traubenschutz 
zu verzeichnen ist. So werden eben die nicht oder nur 
schwach geschädigten Stöcke den Ausgleich bringen. 
Anstatt nun, durch den Schaden verbittert, den 
Mut zu verlieren, handelt es sich darum, mit vermehr- 
ter Energie daranzugehen. Und da ist mehr als sonst 
4 Punkten Aufmerksamkeit zu schenken: Freihalten 
des Bodens von Unkraut, Düngung, richtiges Ver- 
zwicken und gründliches Spritzen. 
Die Arbeit des Falgens ist in vollem Gange und so- 
mit das Unkraut für einige Zeit entfernt, falls die Ar- 
beit gründlich gemacht wird und die Sonne sich end- 
lich bald wacker blicken lässt. Die durch Frost 
geschädigten Reben sollten mit schnell wirkendem 
Dünger, also mit Chilesalpeter oder Kalisalz oder (da 
dies am leichtesten erhältlich) mit Superphosphat ge- 
düngt werden, aber nur mässig; besonders bei Chile- 
salpeter wenig nehmen, dafür lieber etwa zweimal da- 
mit kommen während des Sommers; die Blätter 
dürfen damit aber nicht berührt werden, da sonst 
Verbrennungserscheinungen sich zeigen. 
Drittens sollen dann die geschädigten Reben rich- 
tig verbrochen werden, was ja noch Zeit hat. Dabei 
lässt man natürlich etwaige Triebe mit Trauben ste- 
hen, von den andern, manchmal in grosser Zahl 
nachschiessenden, werden nur zwei aufgebunden, 
die andern entfernt oder einige kurz verzwickt. 
Viertens ist wichtig das Spritzen, das nun die nách- 
sten Tage zum erstenmale vorgenommen werden 
sollte. Das erstemal nur 1'^ Prozent Bordeauxbrühe, 
später zweiprozentige! Wer das Zubereiten der Brühe 
nicht versteht, frage Erfahrene um Rat. Wer nur 
wenig Reben zu spritzen hat, tut leichter mit Kukaka, 
dem eine Gebrauchsanweisung beiliegt und das z. B. 
erhältlich ist bei der Verkaufsstelle der Vaduzer Win- 
zergenossenschaft. 
Kaum waren diese Zeilen geschrieben, stellte sich 
heute am 18. Mai, genau eine Woche nach dem vori- 
gen Reif, ein neuer ein, der hoffentlich Obst-, Wein- 
und Gartenbau nicht alle Hoffnung raubte. Mit fri- 
schem Mute voran, der Herrgott hilft dem Unver- 
zagten!!178 
172 L Volksblatt, 25. Juli 1927, Nr. 66; s. auch LVolksblatt, 19. Juli 
1927, Nr. 62 u. 23. Juli 1927, Nr. 64. 
75 LVolksblatt, 11. Oktober 1927, Nr. 97. 
174 [Volksblatt, 15. Oktober 1927, Nr. 99. 
15 [Volksblatt, 15. Oktober 1927, Nr. 99. 
176 GAV, Signatur Nr. 725. 
17 [Volksblatt, 11. April 1928, Nr. 43. 
178 LVolksblatt, 19. Mai 1928, Nr. 58. 
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