Volltext: Vaduzer Wein

lich auf den weissen Reben, das Bild der Verwüstungs- 
kraft in den hochgradigen Schäden an der Fechsung, 
an den verdorbenen Trauben zur Genüge kennen 
zu lernen die Gelegenheit hatten. Diese Krankheit 
verbreitet sich — namentlich an Stellen, wo das Jahr 
vorher schon die Schäden durch Oidium sichtbar wa- 
ren — sehr rasch. 
Der wahre Mehltau erscheint dem blossen Auge als 
ein grauweisser, mehl- oder aschenstaubartiger An- 
flug, bzw. Überzug an Blättern, Trieben und Trauben; 
ganz besonders aber sind es die kaum nach der Blüte 
in vollster Entwicklung begriffenen Traubenbeeren 
und Rispen, welche am raschesten von dem Schma- 
rotzer-Pilz, angegriffen werden. Wird die Trauben- 
beere frühzeitig befallen, wo sie noch schwach oder 
halbentwickelt im besten Wachstum ist, so springt die- 
selbe auf, so zwar, dass später die Traubenkerne aus 
der Sprungöffnung herausragen. Die aufgesprunge- 
nen Beeren sind zu jeder weitern Entwicklung un- 
fähig. Wird der Traubenhang in einem mehr vorge- 
schrittenen Entwicklungsstadium, besonders schon 
nahe dem Reifebeginn der Trauben befallen, so ist 
die Einwirkung des Pilzes keine so tiefgreifend schäd- 
liche mehr. 
Im einjährigen Rebenholze werden die Keime der 
Krankheit überdauert. - Sind demnach laue Winter 
vorherrschend, wie der letzte, so ist allem Anscheine 
nach die Überwinterung begünstigt und die Ausbrei- 
tung der Krankheit in dem darauffolgenden Sommer 
im verstärkten Masse zu gewärtigen. 
Eine Temperatur von 25—30 Grad Celsius im Som- 
mer fördert die Entwicklung des Oidium am meisten, 
unter 10 Grand Celsius geht die Entwicklung schwer. 
Ein zu dichter Stand der Rebstöcke ist von sehr 
schlimmem Einfluss. 
Als Mittel zur erfolgreichen Bekämpfung dieser 
Rebenkrankheit ist das Bestäuben mittels Schwefel- 
blüte oder fein gemahlenen Schwefels, welcher 
ebenso sorgfältig als zeitgemäss vor und nach der 
Traubenblüte angewendet werden muss. Im Falle der 
Notwendigkeit soll auch ein drittes und viertes Mal 
mit Schwefel bestäubt werden. 
Trocken-warmes, windstilles, sonniges Wetter be- 
günstigt das Bestäuben am meisten; niemals bestäube 
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man, wenn das Laub der Reben durch Tau oder 
Regen befeuchtet oder gar nass ist. 
Fein gemahlener Schwefel, pro Kilo 70 Rappen, 
kann vom Verband ostschweiz. landwirt. Genossen- 
schaften in Winterthur bezogen werden. Gemeinsa- 
mer Bezug ist zu empfehlen. 
29. September 1921 
Weinernte 
In Vaduz begann die diesjáhrige Weinernte Donners- 
tag, den 29. September. Man rechnet mit einer schwa- 
chen Mittelernte, da der echte Mehltau besonders die 
weissen Trauben grósstenteils vernichtete; auch ein 
Teil der roten hat stark gelitten. Die Qualitàt jedoch 
ist vorzüglich. Andernorts, besonders in Schaan und 
Triesen, soll die Krankheit bei weitem nicht so stark 
aufgetreten sein. — Betreffs Preis hórten wir von 2 Fr. 
pro Liter Roten.‘ 
5. Oktober 1921 
Rebenkrankheit 
Der echte Mehltau, der dieses Jahr besonders die 
Weinberge von Vaduz heimsuchte, sollte die Wein- 
bauern nicht abhalten, auszuharren und gegen die- 
sen Feind anzukämpfen. Dies muss beizeiten gesche- 
hen. So wären z. B. die faulen und die Wintertrauben 
jetzt schon abzuschneiden und zu verbrennen, damit 
nicht neue Krankheits-Herde fürs kommende Jahr ge- 
schaffen werden. Der Behandlung durch flüssigen, 
kolloidalen Schwefel sollte erhöhtes Augenmerk ge- 
schenkt werden.!!6 
16. November 1921 
Weinbau 
Schon vor längerer Zeit machten wir, angeregt durch 
einen Freund des Weinbaues, auf die Bekämpfung 
des echten Mehltaus durch kolloidalen Schwefel auf- 
merksam. Aus einem uns vom gleichen Herrn zur 
Verfügung gestellten Brief der deutschen Obstbau- 
gesellschaft in Eisenach, entnehmen wir, dass nur ein 
ganz ernstes und radikales Vorgehen uns von diesem 
  
 
	        

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