Volltext: Europäischer Wirtschafts-Raum

Liechtenstein — Ein Kleinstaat im Herzen Europas Seite 47 
  
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Markus Büchel: "Wir sind durchaus bereit, mit der Schweiz zu diskutie- 
ren, werden aber darauf beharren, dass gewisse Differenzen auch hier 
bestehen dürfen !" 
In einem Mitte März geführten Interview mit dem Schweizer Wirtschaftsmagazin BI- 
LANZ erklärte der zukünftige Regierungschef, dass die Liechtensteiner am 13.12.1992 
(EWR-Abstimmung) einen mutigen Entscheid gefállt haben. Nicht nur der EWR-Beitritt 
sei nun voranzutreiben, sondern auch die Klärung des Verhältnisses zu der Schweiz. 
Markus Büchel ist davon überzeugt, dass die Schweiz ihre derzeitige Haltung zu Europa 
auf mittlere bis längere Frist ändern wird. Eine intensivere Verbindung zu Österreich 
hält der künftige Regierungschef für möglich, glaubt jedoch, dass die Zeit dafür noch 
nicht reif ist. Der EWR stelle zwar noch keinen Binnenmarkt dar, bringe jedoch im Ver- 
gleich zum derzeit für Liechtenstein noch gültigen Freihandelsabkommen von 1972 eini- 
ge wesentliche Verbesserungen, wie z.B. weniger komplizierte Ursprungsregeln, einfa- 
chere Produktenormen, modifizierte Amtshilfe in Zollsachen usw.. Angesprochen auf 
den Finanzdienstleistungssektor erklärte Herr Büchel weiter, dass der EWR auf jeden 
Fall Veränderungen bewirken werde, wobei die wesentlichsten Rahmenbedingungen da- 
bei wohl kaum tangiert werden. Man müsse auf den EWR jedoch innovativ reagieren, 
d.h., Aufbau neuer Finanzdienstleistungen, z.B. im Bereich Versicherungen. Im übrigen 
glaubt er, dass die Harmonisierung im EWR mit dem europäischen Recht im Bereich 
der Finanzdienstleistungen das Image Liechtensteins durchaus noch verbessern wird. 
England macht die Zustimmung zu "Maastricht" von der Entscheidung 
Dänemarks vom 18.5.1993 abhängig 
Am 24.3.1993 hat die britische Regierung das Tauziehen um "Maastricht" mit den Eu- 
ropa-Kritikern gewonnen. Mit nur gerade 17 Stimmen mehr wurde entschieden, eine 
weitere Nachsitzung über Detailfragen des Vertrages von Maastricht anzusetzen. Seit 
Januar 1993 wird dieser Vertrag nümlich Zeile für Zeile diskutiert. Premierminister 
John Major hofft nach wie vor noch, dass der Vertrag letztlich ohne Anderung geneh- 
migt und damit auch ratifiziert werden kann. Die Ratifikation selbst wird jedoch vom 
Ausgang der dänischen Abstimmung vom 18.5.1993 abhängig gemacht. 
Trotz Anzeichen von konjunktureller Erholung erwarten verschiedene 
Personen schwerwiegende Konsequenzen aus dem EWR-Nein der Schweiz 
Es ist kaum zu glauben, fast fünf Monate nach dem schweizerischen Nein zum Abkom- 
men über den Europäischen Wirtschaftsraum zeichnen verschiedene Personen, welche 
zum Teil als Wirtschafts-Experten benannt werden, immer wieder neue schwarze Wol- 
ken an den schweizerischen Wirtschafts-Himmel. Der SKA-Chefökonom Alois Bischof- 
berger glaubt z.B., dass 40% der schweizerischen Industriebetriebe nur infolge des 
EWR-Neins beabsichtigen, Arbeitsplätze abzubauen. Im weiteren glaubt er, dass die 
Arbeitslosigkeit bei einem Wiederaufschwung nicht zurückgehen, sondern noch viele 
Jahre andauern wird. Obwohl der EWR, wenn überhaupt, erst am 1.7.1993 eröffnet 
wird, glaubt Bischofberger, dass alleine schon die psychologische Wirkung des EWR- 
Neins auf die Unternehmen enorm gross und wohl doch etwas unterschätzt worden sei. 
Die Schweiz sei nun in Europa endgültig ein Aussenseiter. Anlässlich einer Umfrage 
bei den grösseren Industriebetrieben in der Schweiz erklärte Hans Widmer, VR-Präsi- 
dent der Oerlikon-Bührle (=Stammhaus der BALZERS AG): "Ich befürchte, dass das 
EWR-Nein für viele Unternehmer zur Ausrede für schwache Leistungen wird !" Adolf 
 
	        

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