Volltext: Europäischer Wirtschafts-Raum

   
Seite 20 Liechtenstein — Ein Kleinstaat im Herzen Europas 
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zub) Jeder Treuhànder in Liechtenstein ist um einiges stärker in das bestehende 
Rechtssystem eingebunden als dies z.B. in der Schweiz der Fall ist. Mit einer 
entsprechenden Erklárung gehen sie gegenüber dem Staate Liechtenstein die Ver- 
pflichtung ein, die jeweilige Identitàt eines Klienten nicht nur festzustellen und 
zu überprüfen, sondern falls notwendig auch bekannt zu geben. 
zuc) Immer wieder wird gesagt, dass die typisch liechtensteinischen Gesellschaftsfor- 
men "Anstalt" und "Stiftung" lediglich deshalb geschaffen wurden, um àuslándi- 
schen Steuerpflichtigen die Möglichkeit zu geben, Steuern zu hinterziehen. Si- 
cherlich, es kann nicht bestritten werden, dass diese Gesellschaftsform von aus- 
lándischen Klienten auch zur "Steueroptimierung" eingesetzt wird. Wenn man 
jedoch bedenkt, dass in gewissen Staaten Europas jeder Franken infolge Steuer- 
abgaben nicht einmal mehr die Hälfte Wert ist, so kann man verstehen, dass es 
Leute gibt, welche diese überhóhten Steuerbelastungen mit Gesellschaften in 
Liechtenstein zu reduzieren versuchen. Wer lebt schon gerne freiwillig in einer 
"Steuerwüste" ? Zurückkommend auf die liechtensteinischen Gesellschafsformen 
"Anstalt" und "Stiftung" muss jedoch festgehalten werden, dass diese zur Ver- 
waltung des eigenen Vermógens dienen sowie für eine vereinfachte Nachlass-Re- 
gelung eingesetzt werden sollten. 
zud) Zur Wahrung der Anonymität ist es selbstverstindlich erforderlich, dass das Für- 
stentum Liechtenstein in Steuerangelegenheiten grundsátzlich keinerlei Rechts- 
hilfe leistet. Dies ist in Buropa sicherlich keine Besonderheit, denn selbst inner- 
halb der EG wird dies so gehandhabt. 
  
Erste Aussagen zu den angelaufenen Zollvertragsverhandlungen 
Die Experten, welche am Dienstag in Bern tagten, gehen davon aus, dass das Fürsten- 
tum Liechtenstein auch in Zukunft Teil des schweizerischen Zollgebietes bleiben kónne. 
Ein radikaler Wechsel in den Beziehungen zwischen den beiden Nachbarstaaten sei nicht 
erforderlich und auch nicht zu erwarten. Jedoch müsse eine für die übrigen Partner (— 5 
EFTA und 12 EG-Staaten) überzeugende Lósung gefunden werden, welche 100%-ig Ge- 
wáhr dafür biete, dass einerseits das Fürstentum Liechtenstein seine Verpflichtungen aus 
dem EWR-Vertrag vollumfänglich erfüllen könne und andererseits die Schweiz nicht 
durch ein "liechtensteinisches Hintertürchen" am EWR teilnehmen könne. Der Einbau 
entsprechender Kontrollmechanismen sollte nach Ansicht der schweizerischen Verhand- 
lungsteilnehmer eigentlich móglich sein. Im weiteren äusserte man sich dahingehend, 
dass nicht ganz ausgeschlossen werden kónne, dass das Fürstentum Liechtenstein zum 
Zwecke des Erhaltes des Zollvertrages mit der Schweiz auf gewisse EWR-Regelungen 
verzichten müsse. Welche Gebiete dies im einzelnen betreffen wird, kónne jedoch heute 
noch nicht mit Sicherheit gesagt werden. Nach einhelliger Ansicht besteht jedoch ein 
grosser Anpassungsbedarf und zwar auf beiden Seiten. 
  
  
Erste Aussagen von S.D. Prinz Nikolaus zum Verlauf der Zollvertragsver- 
handlungen 
Kurz vor Weihnachten áusserte sich S.D. Prinz Nikolaus in einem Zeitungsinterview da- 
hingehend, dass die ersten Gespráche auf Beamtenebene als erfolgreich gewertet werden 
kónnten. Die nun nach dem Ausscheiden der Schweiz erforderliche Anpassung des 
EWR-Abkommens brauche erneut die Zustimmung der noch verbliebenen EWR-Partner. 
Man hoffe, dass die liechtensteinischen Anliegen in Bezug auf die Schweiz in Brüssel 
  
  
  
	        

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