Volltext: Historiographie im Fürstentum Liechtenstein

Liechtenstein die beiden Territorien 1699 bzw. 1712 erworben hatte, blieb das 
Interesse in Innsbruck an den Gebieten aufrecht: am 11. August 1716 liess der 
Gubernator von Tirol, Erzherzog Carl Philipp, bei der oberösterreichischen 
Regierung nachfragen, ob die Erben und Nachfolger des Fürsten Adam von 
Liechtenstein die beiden Herrschaften Vaduz und Schellenberg zu veräussern 
gedachten. 
Ein wesentlicher Teil des Materials in den Kanzleibüchern der Regierung und 
der Kammer bezieht sich auf die Bestellung der Vaduzischen Landesherrn und 
ihrer Familienangehörigen in verschiedene Ämter durch die Tiroler Landes- 
fürsten. So etwa wurde Rudolf zu Sulz am 7. August 1523 zum Statthalter des 
Hofrates der oberösterreichischen Lande bestimmt, nachdem er bereits am 
8. Mai desselben Jahres zum Diener und Rat Ferdinand I. ernannt worden war. 
Graf Alwig zu Sulz wurde 1563 die Vogtei Bregenz übertragen und aufgrund 
des Bestallungsbriefes Ferdinand II. vom 12. September 1568 zum Obristen- 
Hauptmann und Landvogt im Elsass gemacht. Vom 22. März 1620 stammt ein 
Bestallungsbrief von Leopold V. für Graf Hannibal zu Hohenems für die 
Vogtei und Herrschaft Neuburg am Rhein. 1646 wurde Carl Friedrich Graf zu 
Hohenems, der Sohn des 1646 verstorbenen Grafen Hannibal, zum Vogt von 
Neuburg am Rhein und Feldkirch eingesetzt. 
Weiters kann man in diesem Bestand die Korrespondenz im Zusammenhang 
mit der Vertreibung der Juden aus dem hohenemsischen Territorium im Jahr 1676, 
ihrer Niederlassung in Vorarlberg und den sich daraus ergebenden Konflikten 
nachlesen. 1681 finden wir einen Bericht der oberösterreichischen Regierung 
über Beschwerden des «Pfarrherrn zu Trisä», Valentin von Kriss, gegen die 
Grafen zu Vaduz, die mit ihrer rücksichtslosen Hexenjagd Menschen von Hab 
und Gut vertrieben und ins Elend stürzten. 1766 scheint eine Verordnung an 
das oberösterreichische Gubernium auf, in der zum ersten Mal die Absicht der 
Errichtung eines Postweges von Kempten bis Vaduz und von Vaduz bis Chur 
geäussert wurde. Was das 18. Jahrhundert betrifft, finden wir bei Durchsicht 
dieser Bestände zahlreiche Hinweise auf den Widerstand von seiten der um- 
liegenden Gebiete auf eine Reihe von Neuerungen, die von den Fürstlich 
Liechtensteinischen Beamten eingeführt wurden bzw. eingeführt werden soll- 
ten. So gab es zum Beispiel laute Proteste der Stände in Feldkirch gegen die 
Absicht der Beamten in Vaduz, Wochenmärkte und fünf Jahrmärkte abzuhal- 
ten, da damit — in den Augen der Stände — der Marktgerechtigkeit zu Feldkirch 
und dem landesfürstlichen Zoll viel Schaden zugefügt würde. 
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