Volltext: Historiographie im Fürstentum Liechtenstein

etwa in Form der «Heimattreuen Vereinigung», zurückhaltend in der Presse, 
angriffig bei den Pfadfindern, deutlich auf den Kirchenkanzeln und manifest 
in Symbolen. Die Grenze zur Gewaltanwendung wurde immer wieder über- 
schritten. 
Die Aussenpolitik im Zweiten Weltkrieg war von Anlehnung an die Schweiz 
und freundlich-nichtprovokativer Diplomatie gegenüber Hitlerdeutschland 
geprägt. Im Herbst 1940, nach dem deutschen Sieg im Westen, bestand im 
Lande eine über die «Volksdeutschen» hinausreichende Versuchung, sich dem 
«neuen Europa» nicht mehr zu verweigern. Andererseits konnten absichernde 
Beziehungen zu den Alliierten erfasst werden. 
Ein besonderes Kapitel ist der Nachrichtendienst im Krieg. Es gelang, zahlrei- 
che in Liechtenstein bestehende und durch das Land hindurch laufende Ver- 
bindungen verbotenen militárischen, politischen und wirtschaftlichen Nach- 
richtendienstes aufzuspüren, vorab die zugunsten Deutschlands tátigen, bis in 
den Regierungsapparat reichenden, aber auch einige alliierte. Für Deutsch- 
land gegen die Schweiz tátig war auch ein dann in der Schweiz wegen Landes- 
verrats erschossener Liechtensteiner. 
Flüchtlinge gab Liechtenstein in der Regel an die Schweiz weiter. Doch fan- 
den während des Krieges rund 100 jüdische und andere Zuflucht suchende 
Personen im Fürstentum Aufenthalt, ebenso an die 30 deutsche «Refraktäre», 
Wehrdienstverweigerer. 
Zur letzten Kriegsphase galt es den Konflikt zwischen dem Fürsten einerseits 
und Regierung, Landtag und Parteien andererseits um die Wiedereröffnung 
der Gesandtschaft in der Schweiz auszuleuchten, ebenso die Evakuierung der 
fürstlichen Familie aus der «Ostmark» und der fürstlichen Kunstgüter nach 
Vaduz, welche nur dank Regierungsintervention in Berlin und Tricks möglich 
wurde. Die letzten hektischen Kriegstage mit schweizerischer Grenzwacht- 
verstärkung, Flüchtlingsandrang, Evakuierungsvorbereitungen und Holmstons 
Wehrmachtrussen-Einmarsch leiteten über zur «Säuberung», indem die Funk- 
tionäre der seit 1933 geduldeten «Ortsgruppe Liechtenstein» der deutschen 
NSDAP-Auslandorganisation ausgewiesen wurden und sich die Frage erhob, 
wie mit den eigenen Kräften im Lande zu verfahren sei. Zu untersuchen war 
der Prozess gegen die NS-Putschisten, die Behandlung der Hitlerkriegsheimkehrer 
und der einheimischen Aktivisten der «Volksdeutschen Bewegung» sowie die 
Bewältigung der sich nach Kriegsende enthüllenden nachrichtendienstlichen 
Verstrickungen. 1945 wechselte der Fürst auch die ganze Kriegsregierung 
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