Volltext: Historiographie im Fürstentum Liechtenstein

chen Orte in erster Linie aufgrund ihrer historischen Funktion und histori- 
schen Bedeutung erfasst werden. Bei Burgen und Schlössern interessiert in 
erster Linie ihre herrschaftliche Funktion, bei Kirchen und Kapellen ihre 
Funktion z. B. als Wallfahrtsziel oder ihr architektur- und kunsthistorischer 
Rang, Naturdenkmäler sind auch wegen alpinistischen, touristischen oder 
mythologischen Aspekten erfasst. Jeder Ortsartikel ist, um die historischen 
Zusammenhänge erklären und den Ort bzw. seine Bedeutung in Relation zur 
unmittelbaren Umgebung zu setzen, in ein Umfeld von anderen grösseren und 
kleineren Artikeln eingebettet. 
Wagnis und Chance 
Als Kleinstaat ohne Universität, die eine gewisse Kontinuität wissenschaftli- 
cher geschichtlicher Forschung gewährleistet, mit einer kleinen Anzahl im 
Ausland geschulter Historikern/innen, die zudem wegen beruflicher Ausla- 
stung und mangels Möglichkeit in den wenigsten Fällen wissenschaftlich tätig 
sind, kann Liechtenstein keine breite historische Forschung aufweisen, die 
wissenschaftlichen Ansprüchen genügt. Weite Gebiete etwa der Sozial-, Kul- 
tur-, Alltags- und Mentalitätsgeschichte, oder auch der Mikrohistorie als der 
«Schwester der Alltagsgeschichte» (Hans Medick) sind kaum oder höchst 
unzulänglich erforscht, zahlreiche Schriften sind überholt, aber nicht ersetzt, 
moderne Ansätze und Fragestellungen sind wenig auszumachen. In einer 
solchen Landschaft ein historisches Lexikon schaffen zu wollen, ist Wagnis 
und Chance zugleich. 
Es stehen verschiedene Fragezeichen im Raum, angefangen von der relativen 
Isolation der Einmann-Redaktion (was eine an sich notwendige und dauernde 
sachliche Auseinandersetzung und Diskussion verunmöglicht) bis hin zur 
Frage, ob genügend fachlich ausgewiesene Autoren und Autorinnen gerade 
für Artikel über neue und unerforschte Bereiche der Liechtensteiner Ge- 
schichte rekrutiert werden können. Die Schaffung des Lexikons wird eine 
gemeinsame Anstrengung aller Beteiligten erfordern, die uneigennützige Mit- 
arbeit aller Historiker/innen im Land, die tatkräftige Unterstützung durch die 
Trägerschaft und die wissenschaftlichen Gremien sowie die staatspolitisch 
weitsichtige Förderung durch verantwortungsbewusste politische Behörden, 
durch Landtag und Regierung. 
 
	        

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