Volltext: Historiographie im Fürstentum Liechtenstein

   
    
Mann fordert. Neben den Sachartikeln enthält das Buch vier Porträts, die für 
typische Lebenswelten von Frauen des 19. und der 1. Hälfte des 20. Jahrhun- 
derts stehen. 
Aus historiographischer Sicht scheint mir diese Publikation als erste Bestandes- 
aufnahme von Frauenforschung in Liechtenstein von zentraler Bedeutung. Sie 
ermöglicht eine schnelle Information über den Problemstand und verschafft 
einen guten Überblick über Quellenlage und Literatur. 
Die Forschungsarbeiten zur Inventur sowie die Publikation selbst wurden 
zum grössten Teil von der öffentlichen Hand finanziert. Die Forschungsstelle 
musste nach erfolgter Publikation des Buches aufgelöst werden, da keine wei- 
teren finanziellen Mittel zur Verfügung standen. Zur Zeit ist meines Wissens 
kein historisches Frauenprojekt in Arbeit. Soviel zum momentanen Stand der 
historischen Frauenforschung in Liechtenstein. 
Ich möchte im folgenden kurz auf die Entstehung und Entwicklung der histo- 
rischen Frauenforschung eingehen und anschliessend ein liechtensteinisches 
Lehrmittel aus frauenspezifischer Sicht beleuchten. 
Das Interesse an der Geschichte der Frauen ging Ende der 60er Jahre von der 
neuen Frauenbewegung aus und führte in den 70er Jahren zur Institutionali- 
sierung von «women’s studies» an Hochschulen und Universitäten vornehm- 
lich im englischsprachigen Raum. Die Schweiz reagierte auf diese Entwick- 
lung mit grosser zeitlicher Verzögerung. Das erste Seminar zu frauenge- 
schichtlichen Themen fand 1978 in Zürich statt unter dem bezeichnenderwei- 
se englischen Titel: To suffer and be still. Trotz der bis heute in der Schweiz 
fehlenden institutionellen Absicherung wurde das Konzept Frauenforschung/ 
gender studies in den letzten Jahren in verschiedene teils nationale Projekte 
aufgenommen. So in das Nationalfonds-Projekt für eine Schweizer Geschich- 
te des 20. Jahrhunderts sowie in das Projekt fiir eine Baselbieter Geschichte.’ 
Die Institutionalisierung von Frauenforschung, als «interdisziplinärer Schwer- 
punkt von gesamtschweizerischer Bedeutung» anerkannt, wird seit 1994 auch 
von der Schweizerischen Hochschulkonferenz gefordert.? 
Mitte der 80er Jahre wurde der Begriff «gender»/«Geschlecht» als Grundkate- 
gorie in den wissenschaftstheoretischen Diskurs eingeführt und damit das 
Konzept Frauengeschichte zum umfassenden Projekt der Geschlechtergeschichte. 
Geschlechtergeschichte begnügt sich nicht mehr damit, berühmten Männern 
berühmte Frauen zur Seite zu Stellen oder den Beitrag der Frauen zur Ge- 
schichte in sámtlichen Lebensbereichen zu dokumentieren. Die Kategorie 
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