Volltext: Vor Vätterlischual zum Kindergarta

Dolly Gross-Kindle 
Schwester Anna - 
Unvergessen in Triesen 
Wohl kaum eine andere aus dem Orden der Barm- 
herzigen Schwestern war für eine so lange Zeit als 
Kindergärtnerin im Einsatz, wie Schwester Anna 
Neher in Triesen: Von 1941 bis 1956 und von 1958 
bis 1976, insgesamt also 33 
Jahre. Gar manche Kinder 
besuchten bei ihr die Välter- 
lischual, deren Väter und 
Mütter Schwester Anna be- 
reits unterrichtet hatte. Sie 
stammt aus Vandans/Vorarl- 
berg, ist am 4. September 
1914 geboren und hiess mit 
bürgerlichem Namen Pauli- 
na. Die Gemeinde Triesen 
verlieh ihr am 11. Juni 1976 
das Ehrenbürgerrecht. Nach- 
dem sie als Kindergärtnerin 
zurücktreten musste, betreu- 
te sie noch bis im Juli 1982 
die Pensionäre im damali- 
gen Bürgerheim, bevor sie 
ins  HerzJesu-Heim in 
Lochau am Bodensee über- 
siedelte. 
An ihre Zeit in Triesen und an «ihre Kinder» erinnert 
sich Schwester Anna auch im hohen Alter noch leb- 
haft. Wenn sie darüber berichten kann - das bestäti- 
gen auch ihre Mitschwestern - ist sie ganz und gar in 
ihrem Element und es kommt deutlich zum Aus- 
druck, mit welcher Liebe und Hingabe sie in all den 
Jahren bei «ihren Kindern» war: 
«Zuerst dachte ich, ich wüsste nichts mehr über die 
hl. 
  
Mai 1993. 
  
Schwester Anna (Jahrgang 1914) aufgenommen im 
43 
Kindergartenzeit. Ich bin schon ein bisschen /Zppat 
und vergesse viel. Dann ist mir aber wieder einiges 
eingefallen. Angefangen habe ich ja in Vaduz, im 
Kindergarten Ebenholz; da war ich eineinhalb Jahre. 
Vormittags war ich bis elf Uhr im Kindergarten. 
Dann musste ich pressieren zum Mittagessen ins 
Bürgerheim, eine gute halbe Stunde zu Fuss. Um 
eins ging's wieder los im Ebenholz. Das Gschprüng 
muss man sich vorstellen! Das hat mir gar nicht ge- 
fallen. Aber die Mütter waren so lieb zu mir und die 
Kinder hatte ich halt unend- 
lich gern. Dann hatte ich mit 
der Schwester Oberin Krach 
und sie hat mich an einem 
Sonntag-Nachmittag nach 
Triesen geliefert. Das war 
1941. Dort lôste ich im Tries- 
ner Kindergarten Schwester 
Lidwina ab und sie musste 
ins Ebenholz, durch meine 
Schuld. Sie hatte so Heim- 
weh nach Triesen. Mein 
Golt, sie hot mi scho ver- 
barmat! Auch Schwester 
Ivolina, die vorher im Tries- 
ner Kindergarten war, hatte 
später sehr Heimweh. Früher 
kamen schon ganz kleine 
Kinder in die Vätterlischual. 
Sobald sie «sauber» waren, 
durften sie kommen. Wenn 
sie zum Einschreiben kamen, stellte ich oft fest: Mein 
Gott, jetzt sind es schon wieder über 50! Es war nicht 
viel Platz in unserem Kindergarten unter der Kirche, 
der einzige, den es lange Jahre gab. Im oberen Stock 
war noch der Gemeindekassier, der Gustav Barbier. 
Mit ihm kam ich so gut aus. Wenn ich etwas nicht 
wusste oder mich bei etwas nicht auskannte, dann 
musste ich nur klopfen - und der Gustav kam. 
  
 
	        

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