Volltext: Vor Vätterlischual zum Kindergarta

Dolly Gross-Kindle 
Zahlrahmen, 
Holzpuppen, 
Hosenknopfe... 
Einwohnerinnen und Einwohner von Triesen stan- 
den Red und Antwort auf die Frage, was sie aus ihrer 
Vitterlischual- bzw. Kindergartenzeit noch zu erzählen 
wüssten. Interessant war festzustellen, dass sich die 
ältere Generation besser an Einzelheiten erinnert, als 
die jüngere. 
Einige Kostproben: 
Theres (Jg. 1903): Sie ist nicht gerne hingegangen. 
Es war eine gruusige Bretterbude beim Pfarrhaus. 
Aus dem Abort kamen grauslige Diifte: «dis héit gsch- 
tunka wia Péscht». Gespielt wurde mit bemalten 
Holzpuppen. Eines Tages sagte die Schwester, man 
würde die Kinder am Nachmittag abneh. Das The- 
resli hatte keine Ahnung, was dies bedeuten sollte 
und versteckte sich voller Angst in der Schmiede 
beim Bach. Dort wurde sie aber von ihrer Bäsi ent- 
deckt. Sie steckte das Mädchen in das Sonntagskleid 
und schleppte es zur Véitterlischual, wo das Abneh 
bzw. das Fotografieren dann schmerzlos vor sich 
ging. 
Engelbert (Jg. 1905) sieht noch die grosse Schaukel 
vor sich, so eine Art Schefflischaukla, worin ungefähr 
acht Kinder Platz fanden. 
Luzia (Jg. 1907) ging bereits als ganz kleines 
Mädchen mit dem grösseren Bruder in die VZ/erli- 
schual. Dieser hat einmal Theater gespielt, bei dem 
sie zuschauen durfte. Der Bruder hat dabei aber so 
komisch gesprochen, ganz fremd. Er sagte zum Bei- 
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spiel «zoblen mit Schtoana» (zahlen mit Steinen), 
gemäss dem Dialekt der Vätterlischualschwester, was 
halt nicht triesnerisch klang. 
Flori (Jg. 1907) hat sich mehr für den Gemeindeker- 
ker interessiert, der da beim Kindergarten war, als für 
letzteren selbst. Das war ein vergittertes Verlies, eine 
Etage tiefer. Hin und wieder befand sich ein «Gast» 
drin, vermutlich zur Ausnüchterung oder infolge 
Streunens, wie dies damals so hiess. Das faszinierte 
den Flori. Frauen von der Bsetzi brachten dem Ge- 
fangenen dann gelegentlich Esswaren, die sie durch 
das Gitter schoben. 
Dem Kätherli (Jg. 1910) war der Schatz das Wichtig- 
ste. Er hiess Gottfried Völlmi und war «a ganz freis 
Büabli». Sie hat ihn später nie mehr gesehen. 
Das Tschugmella Lisili (Jg. 1911) hat bis heute die 
«Rechenmaschine» nicht vergessen, an der sich höl- 
zerne Kugeln befanden, die man mit einem Stecken 
hin- und hergeschoben hat. Auch sie erinnert sich an 
den Käfig mit dem Eisenkreuzgitter im selben Haus, 
an die Kastanienbäume im Hof und vor allem an die 
Belargonienstöcke auf der Fensterbank. Die Blüten 
hatten Gesichtchen, die das Lisili ansahen, was ihm 
bis heute unvergessen blieb. 
Marilis (Jg. 1914) schönste Erinnerung hängt mit 
dem Tag zusammen, an dem es von seinem Vater per 
Ochsengespann zum Kindergarten geführt wurde. Es 
ging gerne hin, fand die Schwester Suitberta a Freii. 
Negativ im Gedächtnis blieb ihm jedoch der Raum, 
in welchem die Kinder untergebracht waren und wo 
es schwarze Rohre gab, über welche das Marili ein- 
mal gefallen ist und sich sehr weh getan hat. 
Katharina (Jg. 1915) nennt den Kindergarten 
Pfätterlihuus. Sie erzählt vom Spiel mit Scheesa 
 
	        

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