Volltext: Vor Vätterlischual zum Kindergarta

  
  
Gutachiliche Ausserungen vom hygienischen, bzw. 
sanitären Standpunkle aus betrachtet, betreffend 
Neubau der Kleinkinderschule in Triesen. 
Die ärztliche Erfahrung hat wiederholt gelehrt, 
dass Kindergärten, wenn diese den hygienischen 
Anforderungen nicht ent- | 
sprechend, geeignet sind, 
Infektionskrankheiten und 
Parasiten auf gesunde 
reinliche Kinder zu über- 
tragen. Je kleiner der Auf- 
enthalt, bzw. der Spiel- 
raum der Kinder ist, um so 
‚grösser ist die genannte Ge- 
fahr. Anderseits darf der ge- 
sunde Bewegungsdrang 
der Kinder keinesfalls ein- 
geschränkt werden, um die 
körperliche Entwicklung 
nicht zu hemmen. Es gilt 
als hygienischer Grundsatz, 
die diesbezüglichen Anfor- 
derungen noch strenger zu 
stellen als an die Schulen 
selbst. 
Was nun der Plan der neu 
zu erbauenden Kleinkin- 
derschule in Triesen betrifft, so lässt er nicht nur 
jedwelchen sanitären Fortschritt vermissen, Son- 
dern erfüllt nicht einmal die Mindestanforderun- 
gen, die an eine neubauliche laut Gesetz gestellt 
werden müssen. 
1. Als Minimum an Platzfläche ist pro Kind 1 bis 
1.5 Quadratmeter und an Luftraum 4 bis 6 
Raummeter zu fordern. Da heute mit einer 
durchschnittlichen Frequenz von 65 Kindern zu 
rechnen ist, wáre demnach mit einer Bodenfläche 
von mindestens 75 Quadratmeter zu rechnen 
und um den notwendigen Luftraum zu erhalten, 
  
Knabe. Aufnahme von Kanonikus Anton Frommelt 
zwischen 1922 und 1933. 
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müsste auch die Höhe des Schulzimmers auf 4 m 
angesetzt werden. 
2. Eine Heizung oder deren Anlage ist aus dem 
Plane nicht ersichtlich. 
3. Als absolute Notwendigkeit ist eine Wasserlei- 
tung anzufordern zwecks 
Trinkwasserversorgung und 
Waschgelegenbeil. Es wäre 
demnach auf einen Brun- 
nen und auf eine, wenn 
auch kleine Waschmöglich- 
keit (Seharate), um verun- 
reinigle Kinder zu ordnen, 
Bedacht zu nehmen. 
4, Für die Kinder sind zwei 
Aborte vorgesehen, was den 
Bedürfnissen entsprechen 
würde. Für die Schulschwe- 
ster jedoch muss unbedingt 
ein separater Abort ange- 
fordert werden, da dieser 
nicht zugemutet werden 
kann, den Abort der Klein- 
kinder benützen zu müÜs- 
sen. Laut Landesgesetzblatt 
Nr. 3 von 1890 1. dürfen 
uu Schulgebäude nur Solche 
Räume enthalten, welche den Zwecken der Schule 
dienen. Die Errichtung eines Kirchenabortes im 
Gebäude der Kleinkinderschule ist unzulässig 
und aus sanilären Gründen unbedingt abzuleh- 
nen, da die Reinhaltung öffentlich benützter 
Aborte meist sehr zu wünschen übrig lässt und zu 
widerlicher Gas- und Geruchsentwicklung Anlass 
gibt. 
Um die Reinbaltung der Aborte zu gewährleisten 
und um die Geruchsentwicklung zu vermeiden 
wire in diesem Falle eine Wasserspülung ange- 
zeigt. 
 
	        

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