Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

Jahrhunderts deutlich zum Ausdruck kommt. Sein späteres Werk lehnte sich eng an die 
neapolitanische Malerei an. Auch hier verdienen zwei französische Künstler, Simon Vouet und 
Francois de Nome (Monsü Desiderio genannt), erwähnt zu werden. Während ersterer 
Schönfelds Gebrauch von Licht und Schatten bei der Darstellung von Figuren beeinflußte, so 
trug letzterer zu dessen phantastischen architekturalen Ansichten bei (London 1982, Nr. 89 
und 164). Der wichtigste italienische Maler in Neapel war wahrscheinlich Domenico Gargiulo 
(genannt Micco Spadaro), den Callots Drucke sehr beeindruckt hatten. Spadaros Meister, 
Aniello Falcone, dessen Partner Salvator Rosa und andere junge Künstler in Neapel, wie 
Domenico Cavallino, trugen alle zu Schönfelds Stil und Metaphorik bei (siehe London 1982 zu 
diesen Malern und zu Schönfeld), teilweise reagierten sie sogar darauf. Seine Art der 
Ausführung wurde während dieser Zeit kühner und "malerischer", seine Kompositionen 
lockerer, seine Farben intensiver. 
Die Liechtensteinische Sammlung enthält eine große Anzahl von Bildern Schönfelds, 
einschließlich der drei hier ausgestellten und der Gegenstücke, König Salomons Götzendienst 
und Die Königin von Saba vor Salomon aus der Zeit um 1665-1666 (Pee 1971, Nr. 104 und 
105). Alle fünf Bilder wurden von Fürst Karl Eusebius in den Jahren 1677-1681 erworben. 
Das Hannibal-Thema, wie auch die Geschichte Salomons, eigneten sich hervorragend für einen 
Künstler, der mit Vorliebe exotische Szenerien und Accessoires malte. Eine frühere 
Behandlung des Themas, eine große Leinwand für den Bürgermeister von Augsburg aus dem 
Jahre 1660, befindet sich heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg (Pee 1971, Nr. 
93). Das vorliegende Bild stammt aus der Zeit um 1670 und gibt die dynamische und 
exzentrische Anordnung der Nürnberger Komposition zugunsten einer symmetrischen und 
monumentaleren Gestaltung auf. Der Eindruck von dramatischer Bedeutung, von erhabener 
Feierlichkeit und Obsession wird in dieser merkwürdig stillen Szene, in der der junge Hannibal 
(geb. 247 v. Chr.), vor der gespenstischen Gestalt eines Hohepriesters, Rom ewigen Haß 
schwört (Livius, Ab urbe condita 21.1), verstärkt. Die Überquerung der Alpen mit seiner 
Armee aus Karthago (im Jahre 218 v. Chr.), die Besetzung von Teilen Italiens während der 
folgenden sechzehn Jahre sowie seine politische Karriere von 202 v. Chr. bis zu seinem 
Selbstmord im Jahre 183 oder 182 v. Chr. (als Antwort auf einen römischen 
Auslieferungsbefehl) zeugen von Hannibals unnachgiebiger Haltung. 
Werke von Künstlern wie unter anderem Callot, Cavallino und Raffael wurden in Verbindung 
mit dieser Komposition zitiert (Pee 1971, S. 184-185). Ebenfalls erwähnen könnte man 
Veronese bezüglich der Architektur und die niederländischen Manieristen hinsichtlich der 
Figurengruppen. Wie der zeitgenössische Biograph Joachim Sandrart jedoch bemerkt, bediente 
sich Schönfeld der Ideen anderer so sicher "als ob sie seiner eigenen Vorstellungskraft 
entsprungen wären" (Zitat in Pee 1971, S. 26). 
Walter Liedtke 
LITERATUR: Fleischer 1910, S. 55; Voss 1964, S. 21 und 34; Adriani 1965, S. 370; Ulm 1969, Nr. 77; Pee 
1971, S. 57, Nr. 118; Baumstark 1979, Nr. 15; Baumstark 1980, Nr. 132. 
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