Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

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Johann Heinrich Schönfeld 
Deutschland, 1609-1684 
SCHWUR DES HANNIBAL 
Öl auf Leinwand; 107,5 x 183,5 cm 
Signiert (unten links): Schönfeldt Fecit 
Liechtenstein Inv. Nr. 1264 
Johann Heinrich Schönfeld kam in Deutschland uneingeschränkte Bewunderung zu, sowohl zu 
seinen Lebzeiten als auch im anschließenden achtzehnten Jahrhundert. Außer Adam Elsheimer 
sind heute nur noch wenige Künstler des siebzehnten Jahrhunderts bekannt, aber sowohl 
Schönfeld als auch Johann Liss waren Thema von Ausstellungen und wissenschaftlicher 
Literatur Anfang der achtziger Jahre dieses Jahrhunderts. 
Während der Wirren des Dreißigjährigen Krieges (1616-1648) boten sich den Malern der 
kleinen deutschen Einzelstaaten nicht annähernd so vielversprechende Aussichten wie den 
Künstlern im restlichen Europa. Kein bedeutender deutscher Künstler konnte es sich erlauben, 
nicht wenigstens ein paar Jahre seiner Ausbildung im Ausland zu verbringen. Schönfeld, Sohn 
eines Goldschmieds, der auch Bürgermeister von Biberach an der Riß bei Ulm in 
Oberschwaben war, ging um ca. 1633 nach Rom (Pee 1971, S. 12). Dort war er während der 
ersten und letzten Jahre seiner achtzehnjährigen italienischen Schaffensperiode tätig. Von 1637 
bis ca. 1648 wirkte er in Neapel. Im Mai 1651 stellte ihn Fürst Paolo Giordano II. Orsini, Graf 
von Bracciano, von seinen Verpflichtungen in Rom frei, damit er nach Deutschland gehen 
konnte, um einige persönliche Angelegenheiten zu regeln. Schönfeld ließ sich in Augsburg 
nieder und heiratete dort im Juli 1652. 
Mitte der fünfziger Jahre des siebzehnten Jahrhunderts war der Künstler sehr erfolgreich in 
Deutschland. Er malte religiöse Bilder sowie historische und mythologische Themen in 
Augsburg (wo er viele Aufträge in den sechziger und siebziger Jahren hatte), Regensburg, 
Salzburg und wahrscheinlich Wien. In den Jahren 1666-1667 führte er die heute nicht mehr 
existierenden Deckengemälde für die Münchner Residenz aus (Pee 1971, Nr. 109). 
Man könnte Schönfeld als einen jener Barockmaler zwischen dem späten Manierismus und 
dem frühen Rokoko bezeichnen. Seine ländliche Herkunft und seine Neigung zu eher eleganten 
als schweren Ideen machten ihn in seinen frühen Jahren offen für eine Fülle von Quellen, aus 
denen er schöpfen konnte. Von ihnen waren die Radierungen von Jean Callot, was Schönfelds 
Figurenstil und seine phantasievolle Architekturmalerei (Voss 1964, S. 11 und 14; Pee 1971, S. 
19) betrifft, sicherlich am bedeutsamsten. Dem Interesse des Schwaben an der französischen 
Kunst dürfte größere Aufmerksamkeit entgegengebracht werden, als es bislang der Fall 
gewesen ist. Schönfelds lebhafte Figuren, in den Raum hinein kleiner werdend, ihre 
ballettartigen Bewegungen, die phantastischen Charaktere und die flachen Räume, die wie 
Bühnendekorationen aussehen, erinnern nicht nur an Callot und Abraham Bosse, sondern auch 
an Jacques Bellange und sogar Francesco Primaticcio und Niccolö dell'Abate. Eine solche - 
"abendländische" - Orientierung würde auch die Begeisterung des Malers für die Künstler um 
Hendrik Goltzius in Haarlem sowie für Nicolas Poussin und Cornelis van Poelenburgh in Rom 
erklären. 
Schönfeld hat den römischen Künstlern, vor allem aber den Franzosen Poussin und Claude 
Lorrain, viel zu verdanken, was in seinen Bildern aus dem dritter. Jahrzehnt des siebzehnten
	        

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