Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

BIBLIOGRAPHIE: Flechsig 1900, S. 118; Kat. 1931, Nr. 1036; Friedländer und Rosenberg 1978, S. 91, Nr. 108; 
Posse 1942, S. 56, Nr. 39; Luzern 1948, Nr. 71; Kat. 1971, Nr. 5; Koepplin und Falk 1974, S. 247; Kat. 1979, Nr. 5. 
Monogrammist AG 
Deutschland, tätig im zweiten Viertel des 16. Jahrhunderts 
PORTRÄT EINES JUNGEN MANNES VOR EINER WEITEN LANDSCHAFT 
Öl auf Holz; 59 x 51,2 cm 
Signiert und datiert (links auf Tafel): AG/1540 
Liechtenstein Inv. Nr. 699 
Das Gemälde, das seit 1805 im Besitz der Fürstlichen Sammlung ist, zeigt einen jungen Mann, 
dessen Identität bislang nicht mit Sicherheit festgestellt werden konnte. Den Attributen nach zu 
urteilen - dem Falken und den Utensilien für die Falkenjagd rechts oben im Baum -, ist er 
aristokratischer Herkunft, denn die Falkenjagd war eine beliebte Freizeitbeschäftigung des Adels. In 
der rechten Hand hält er eine Nelke - in nordeuropäischen Porträts des fünfzehnten und sechzehnten 
Jahrhunderts allgemein ein Zeichen der Verlobung -, in seiner linken eine frühe Form eines 
Rosenkranzes aus der Zeit, bevor die Form standardisiert wurde. Seine Gestalt, groß im 
Vordergrund, ragt vor der panoramischen Darstellung einer Landschaft auf, die durch ihre kühlen 
grau-grünen und blauen Töne die Gestalt im Vordergrund noch stärker betont. 
Obwohl es als eines der beeindruckendsten deutschen Porträts aus der Mitte des sechzehnten 
Jahrhunderts gilt, konnte die Frage nach der Identität des Malers bis heute nicht geklärt werden. Die 
Überschrift für den Meister, dem es zugeschrieben wird, leitet sich aus dem Monogramm AG und 
der Datierung 1540 auf der Tafel links oben im Bild ab. Noch bis 1931 dachte man, Heinrich 
Aldegrever (1502- gest. 1555/61), ein bekannter Kupferstecher, sei der Maler des Porträts, da er, in 
Anlehnung an Dürer, seine Werke mit einem Monogramm, ähnlich dem hier gezeigten, signierte. Als 
Maler war Aldegrever weniger bekannt. In der frühen-Literatur zu diesem Thema wurde dieses 
Porträt immer zusammen mit zwei anderen Porträts aufgeführt, die ähnliche Monogramme 
enthielten. Eines davon, datiert 1551, befand sich in Berlin, ein weiteres, früher in Breslau, wurde 
zunächst auf das Jahr 1535 geschätzt. Es stellte sich jedoch heraus, daß sowohl Monogramm als 
auch Datum des ersten Porträts gefälscht waren. Heute ist man sich sicher, daß Bartholomäus Bruyn 
der Ältere der Maler des Bildes (Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin-Dahlem) ist. Bei 
dem zweiten Bild, einem Porträt des Grafen Philipp III. zu Waldeck (Fürst zu Waldeck und Pyrmont 
Sammlung, Arolsen, Deutschland) handelt es sich tatsächlich um ein 1537 entstandenes Werk 
Aldegrevers. Es gibt nicht die geringste stilistische Ähnlichkeit zwischen diesem und dem 
vorliegenden Gemälde. Die einzige Gemeinsamkeit ist die, daß das Liechtensteinische Bild von einem 
zeitgenössischen Künstler gemalt wurde, der dasselbe Monogramm benutzte. 
In der Tat gab es mehrere deutsche Künstler im sechzehnten Jahrhundert, die ihre Werke mit diesem 
Monogramm signierten. Da das vorliegende Bild in sehr enge Beziehung zu Werken von Meistern 
aus Augsburg gebracht wird, bezieht Benesch (1933, S. 252-253) Andreas Giliünger, einen Künstler 
aus dieser Stadt (siehe Nagler 1858, Bd. 1, Nr. 584), in den Kreis der möglichen Maler des Werkes 
mit ein. Da Giltinger erst 1563 seine Handelsrechte erhielt, muß diese Möglichkeit jedoch wieder 
ausgeschlossen werden. 
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