Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

LITERATUR: Kat. 1931, Nr. 2070; Bregenz 1968, S. 54; Irwin 1968, S. 534; Baumstark 1979, S. 62-65, Nr. 21; 
Baumstark 1980, Nr. 139 
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Lucas Cranach der Altere 
Deutschland, 1472-1553 
DER HEILIGE EUSTACHIUS 
Öl auf Holz; 86,5 x 32,5 cm 
Liechtenstein Inv. Nr. 1036 
Lucas Cranachs früheste bekannte Werke stammen aus den Jahren nach 1500. Um 1501-1503 legte 
er mit seinem gefühlsbetonten Stil, der in seinen erstaunlich naturalistischen Landschaftsbildern 
wiederzufinden ist, den Grundstein für das, was später als Donauschule bekannt wurde. Nach 1505, 
als Hofmaler des sächsischen Kurfürsten zu Wittenberg, in dessen Diensten er bis zu seinem 
Lebensende blieb, wurde Cranachs Stil lockerer und seine Bilder eleganter und stilisierter. 
Es gibt keinen Grund zu bezweifeln, daß das vorliegende Bild in den Jahren 1515-1520 entstanden 
ist, wie es Friedländer und Rosenberg (1932, S. 48, Nr. 95) vorgeschlagen haben. Die naturalistische 
Konzeption der Landschaft und der Bäume ähnelt derjenigen, die der Maler in Wien entwickelte und 
stimmt mit dem überein, was in datierten Werken dieses Zeitraums, so zum Beispiel in den 
Wassernymphen (Museum der Bildenden Künste, Leipzig), zu finden ist. Eine Zeichnung von 
Cranach (Museum of Fine Arts, Boston, Nr. 53.5), der dasselbe Thema wie dem hier gezeigten Bild 
zugrunde liegt, deren Komposition aber spiegelverkehrt dargestellt ist und auf der sich die Personen 
in einem weiten, viel offeneren Raum befinden, entstand zehn bis fünfzehn Jahre später. 
Die Komposition des vorliegenden Gemäldes wie_auch verschiedene Details, so der Berg mit den 
Burgen oben links und die Art und Weise, wie einige der Whippets dargestellt sind, sind Albrecht 
Dürers berühmtem Kupferstich des heiligen Eustachius aus der Zeit um 1501 nachempfunden. Es 
wurde zwar oft behauptet, der Druck stelle den heiligen Hubertus dar, jedoch schreibt Dürer selbst in 
seinem Notizbuch, daß das Thema des Bildes, von dem er mehrere Kopien während seiner Reise in 
den Niederlanden verschenkt hätte, das des heiligen Eustachius sei. Von dem Heiligen in Cranachs 
Gemälde dachte man ebenfalls lange Zeit, daß es sich um Hubertus handele, bis Rosenberg (1954, S. 
282) ihn aufgrund des Kupferstichs von Dürer als heiligen Eustachius identifizierte. 
Die Legenden dieser beiden Heiligen sind zum Teil identisch, die des Eustachius ist jedoch die ältere. 
Sowohl Eustachius als auch Hubertus werden zum christlichen Glauben bekehrt, als ihnen auf der 
Jagd ein Hirsch mit einem Kreuz im Geweih erscheint. Eustachius war ein Römer im zweiten 
Jahrhundert, der bei seiner Taufe seinen ursprünglichen Namen Placidus ablegte. Er starb später 
unter Hadrian den Märtyrertod. Eustachius wird vor allem in Deutschland verehrt, als einer der 
vierzehn Nothelfer (Vierzehnheiligen). Hubertus, zunächst Bischof von Lüttich, lebte im achten 
Jahrhundert und stammt der Legende nach aus einer adligen Familie. Er wird vor allem als 
Schutzpatron der Jäger verehrt und wegen der Assoziation mit Jagdhunden wird er bei Tollwut um 
Hilfe angerufen. Um das Jahr 1000 verdrängte der Kult des teutonischen Heiligen den des 
italienischen in Nordeuropa. 
Die leicht aggressive Art, wie der Hund links hinter Eustachius drohend die Zähne vor dem heiligen 
Hirsch in Cranachs Bild zeigt, könnte ein Hinweis darauf sein, daß es sich hier doch um eine 
Darstellung des Hubertus handelt, was auch von der aristokratischen Kleidung des Heiligen gestützt 
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