Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

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Pierre Courteys 
Frankreich, tätig 1544-1581, gest. vor 1591 
KAMPFSZENE 
Frankreich (Limoges), Mitte des 16. Jahrhunderts 
Email, teilweise vergoldet, auf Kupfer; 43 x 54 cm 
Signiert (in Gold, unten links auf Felsen): P/CORTE / YS 
Liechtenstein Inv. Nr. 222 
Im Kampfgetümmel vor den Mauern Trojas sind unten links die Beine eines Kriegers zu sehen, der 
mit den Füßen, die am Schwanz eines Pferdes (Vordergrund Mitte) festgebunden sind, über das 
Schlachtfeld gezogen wird. Dies könnte eine Anspielung auf den Tod Hektors nach der 
Beschreibung in Buch XXII der Illias von Homer sein. Dort tötet Achilles den trojanischen Helden 
während eines Gefechts, bindet seinen Körper an einen Wagen und schleift ihn an den Fersen dreimal 
um die Stadtmauern Trojas, während die Trojaner hinter den Mauern entsetzt zusehen. 
Lange Zeit dachte man, daß der Stich, nach dessen Vorlage dieses Email angefertigt wurde, von 
einer Luca Penni zugeschriebenen Zeichnung stammte. Herbet, Autor des ersten Spezialkatalogs von 
Drucken der Schule von Fontainebleau, schloß sich jedoch der Meinung H. A. G. Destailleurs an, der 
den Druck Meister L. D. zuschrieb (Herbet 1900, Pkt. 1, S. 85, Nr. 75) und erst in der neueren Zeit 
identifizierte Zerner das Bild als Teil von Jean Mignons Zyklus des Trojanischen Krieges (1969, S 
27. Abb. J.M. 42). 
Obwohl es sich dabei keineswegs um exakte Kopien handelt, ähneln bestimmte Figuren der Penni- 
Mignon Komposition - insbesondere der Krieger auf dem Pferd, an dessen Schwanz die Füße 
Hektors festgebunden sind, und das tote Pferd rechts im Vordergrund -, denen eines anderen Stichs 
von Marcantonio Raimondi, den Bartsch den “Kampf mit einem Entermesser” nannte (Bartsch, Bd. 
14, Pkt. 1 [1867], S. 171, Nr. 211, oder Z7he Illustrated Bartsch, Bd. 26 [1978], S. 210). Der Druck, 
der heute unter dem Titel “Triumph des Scipio” bekannt ist, basiert wahrscheinlich auf einer 
Zeichnung von Giulio Romano (1499-1546) oder Luca Pennis Bruder Giovanni Francesco Penni 
(1496-1528) für eine Reihe von Wandteppichen mit Illustrationen der Schlachten und Triumphe des 
römischen Generals Scipio Africanus (237-183 v. Chr;),-die zwischen 1532 und 1535 für den 
französischen König Franz I. gewebt wurden (Jestaz und Bacou 1978, S. 5-24, 94-97). Bacou ist der 
Meinung, daß es sich bei einer Zeichnung, die 1871 vernichtet wurde und die nur von einer 
Photographie bekannt ist, um das Original dieses Themas handelt (S. 21-22, 95). Sie bespricht und 
illustriert jedoch auch zwei Zeichnungen derselben Thematik (S. 96-97), beide im Cabinet des 
Dessins im Louvre (Inv. Nr. 3717-3718), von denen eine zu unterschiedlichen Zeiten Giulio 
Romano, Giovanni Francesco Penni oder einfach der Raffael-Schule zugeschrieben wurde. Bacou 
erwähnt auch noch eine weitere Zeichnung des Themas in der Albertina in Wien (Inv. Nr. 14198). 
Die beiden Zeichnungen im Louvre enthalten ähnliche Figuren eines Kriegers auf einem Pferd sowie 
das tote Pferd im rechten Vordergrund des Druckes. 
Die Penni-Mignon Kampfszene könnte sich an Marcantonios Triumph des Scipio anlehnen oder an 
die Darstellung der Schlacht bei Zama auf dem Gobelin in der Sammlung von König Franz I., in 
dessen Diensten sowohl Penni als auch Mignon standen, oder aber an eine der Zeichnungen 
anknüpfen. Die zentrale Figur des Kriegers auf dem Pferd in der Penni-Mignon-Version ist jedoch 
Raffael viel näher als alle anderen Versionen. Dies gilt insbesondere für die Figur rechts im 
Vordergrund der Zurückschlagung Attilas, eine der Freskomalereien in der Stanza d’Eliodoro im 
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