Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

SS 
Pierre Courteys 
Frankreich, tätig 1544-1581, gest. vor 1591 
DIE ENTFÜHRUNG DER HELENA 
Frankreich (Limoges), Mitte des 16. Jahrhunderts 
Email, teilweise vergoldet, auf Kupfer; 43 x 54 cm 
Signiert (in Gold, unten rechts): P CORTEYS 
Liechtenstein Inv. Nr. 221 
Es gibt mehrere Versionen der Entführung der Helena, jedoch nach Dares dem Phryger, dessen Fall 
von Troja, Eine Geschichte im Europa des Mittelalters besser bekannt war als die Version Homers 
vom Krieg zwischen den Griechen und den Trojanern, segelte Paris als Befehlshaber der königlich- 
trojanischen Flotte zur griechischen Insel Kythera. Dort begegnete er Helena, die aus Sparta 
gekommen war, um den Tempel von Diana und Apollo im Seehafen von Helaea zu besuchen. An 
jenem Abend ergriffen die Trojaner Helena im Tempel und entführten sie, nach einem Kampf mit den 
Bewohnern Kytheras, mitsamt den Tempelschätzen. Die gebirgige Küste auf diesem Email stellt 
möglicherweise Kythera dar; bei der Schlacht könnte es sich demnach um diejenige zwischen 
Kithiranern und Trojanern handeln. Die unglückliche Frau im Vordergrund ist zweifellos Helena, die 
zu einem kleinen Boot geschleppt wird, das sie zu den trojanischen Schiffen bringen wird, die vor der 
Küste ankern. 
Wie das Urteil des Paris basiert die Entführung der Helena auf einer Radierung der Schule von 
Fontainebleau von Jean Mignon (Herbet 1900, Pkt. 4, S. 335, Nr. 12; Bartsch, Bd. 16, Pkt. 2 
[1876], S. 393, Nr. 42, oder 7he Illustrated Bartsch, Bd. 33 [1979], S. 318) nach einer Zeichnung 
von Luca Penni. Das Thema erscheint ebenfalls auf einem besser bekannten Kupferstich von 
Marcantonio Raimondi (Bartsch, Bd. 14, Pkt. 1 [1867], S. 170, Nr. 209, oder The Illustrated 
Bartsch, Bd. 26 [1978], S. 208), wo jedoch eine ganze Reihe von Veränderungen in der 
Komposition vorgenommen wurden. Die Penni-Mignon Entführung der Helena konzentriert sich 
stärker auf Helena und die Gruppe von Trojanern, die sie entführen. Der Tempel von Diana und 
Apollo der Version von Marcantonio wurde durch eine romantisch anmutende Ruine ersetzt. Man 
war lange Zeit der Meinung, daß Marcantonios Kupferstich auf einer verschollenen Zeichnung von 
Raffael basierte, es gibt jedoch eine Tuschzeichnung derselben Komposition, die für eine runde 
Platte, die Giulio Romano zugeschrieben wird (Northampton, Massachusetts, 1941, Nr. 49), 
angefertigt wurde. 
Courteys’ Email ist eine fast exakte Kopie des Mignon-Drucks, auch wenn ein paar Einzelheiten 
verändert wurden, um der unterschiedlichen Form Rechnung zu tragen. Zu den Farben blau, grün, 
braun und grau gesellt sich das Weiß der Figuren, in Fleischtönen modelliert und mit kräftiger, 
dunkelbrauner Farbe umrissen. Die leuchtenden Farben und der häufige Gebrauch von 
Goldverzierungen, um Details der Rüstungen, Schiffe, Gewänder und besonders Helenas Haar 
hervorzuheben, erreichen eine dekorative Wirkung ähnlich der von gemalten Miniaturen. 
Wahrscheinlich gebrauchte Courteys die Penni-Mignon Radierung als Modell für die große runde 
Tafel in der Revoil-Sammlung im Louvre in Paris (Laborde 1852, Bd. 1, S. 246, Nr. 376, wo sie als 
Pierre Courteys nach Primaticcio beschrieben wird). 
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