Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

verkürzter Form, auf einer Tazza in der Walters Art Gallery in Baltimore (Verdier 1967, S. 267-268, 
Nr. 148). 
Über Courteys’ Leben weiß man recht wenig, es wurde jedoch mehrfach darauf hingewiesen, daß er 
möglicherweise in Reymonds Werkstatt ausgebildet wurde. Man ist sich jedoch keinesfalls einig 
darüber, ob er tatsächlich “Pierre Courteys, le petit” war, der in einem Limoger Dokument aus dem 
Jahre 1529 erwähnt wird. Das erste bekannte Werk Courteys ist eine signierte Tasse im Herzog- 
Anton-Ulrich-Museum in Braunschweig aus dem Jahre 1544. Im darauffolgenden Jahr soll der 
französische König Franz I. (1497-1547) bei Courteys eine Reihe von kolossalen emaillierten Reliefs 
für das Chäteau de Madrid im Bois de Boulogne in Paris in Auftrag gegeben haben. Diese wurden 
jedoch erst 1559 fertiggestellt. Neun davon, mit den Göttern Jupiter, Saturn, Mars, Merkur und 
Apollo, dem Halbgott Herkules und der Personifizierung der Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und 
Klugheit, jeweils fast anderthalb Meter hoch und in vier separaten Teilen hergestellt (was trotzdem, 
wie beim Liechtensteiner Zyklus des Trojanischen Krieges, in diesem schwer zu verarbeitenden 
Medium eine technische Herausforderung darstellte), kamen in die Sammlung des Musee de Cluny in 
Paris, nachdem sie vermutlich während der Französischen Revolution aus dem Chäteau de Madrid 
entfernt worden waren. Courteys malte auch die sechzehn emaillierten Plaketten nach Stichen 
Albrecht Dürers, die zu einem Altarbild der Kapelle des Chäteau d’Ecouen, das sich heute im Louvre 
befindet, gehören. Sein letztes bekanntes Werk ist eine kreuzförmige Zusammensetzung fünf 
emaillierter Plaketten in der Walters Art Gallery, deren Entstehungsdatum von Verdier auf 1581 
geschätzt wird (1967, S. 282-285, Nr. 154-158). 
Keine der sieben Platten im Liechtensteiner Zyklus des Trojanischen Krieges ist datiert. Es ist 
ebenfalls nicht bekannt, wer die Arbeit in Auftrag gegeben hatte. Jacob von Falke (1882, Bd. 3,5. 
168) behauptet, daß Fürst Joseph Wenzel (1696-1772) als kaiserlicher Gesandter in Frankreich sie 
während seines Aufenthalts in Paris zwischen 1737 und 1741 erwarb. Papieretiketten auf der 
Rückseite von fünf der Emails, die offensichtlich im achtzehnten Jahrhundert angebracht wurden, 
weisen sie in französischer Sprache als Eigentum von “Prince Joseph Wenceslau de Lichtenstein” 
aus. 
Die Emailplaketten wurden im achtzehnten Jahrhundert nicht in der Liechtensteiner Galerie 
ausgestellt. Ein Aquarell des österreichischen Malers Rudolf von Alt (1812-1905) aus dem Jahre 
1852 - in der Fürstlichen Sammlung in Vaduz - zeigt jedoch mehrere der Emails, eingearbeitet in die 
Seiten der Fensternischen eines Raumes in Schloß Seebenstein in der Nähe von Wien. In einer aus 
derselben Zeit stammenden Beschreibung des sich in liechtensteinischem Besitz befindlichen 
Schlosses werden alle sieben Emails in einem als Vorzimmer der Schatzkammer bezeichneten Raum 
erwähnt. 
Die Rückseite der Plakette ist mit durchsichtigem Gegenemail überzogen. 
Clare Vincent 
LITERATUR: Leber 1856, Bd. 1, S. 174; Falke 1882, Bd. 3, S. 168; Kat. 1931, S. XVI; Luzern 1948, S. 68, Nr. 281; 
Wilhelm 1976, S. 121. 
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