Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

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Hyacinthe Rigaud 
Frankreich, 1659-1743 
PORTRÄT DES PRINZEN JOSEPH WENZEL VON LIECHTENSTEIN IN 
GROSSER GALA DES ORDENS VOM GOLDENEN VLIES 
Öl auf Leinwand; 82 x 65 cm 
Eingraviert (auf der Rückseite): Peint a Paris par Hyacinthe Rigaud/Chevalier de l'ordre de S. 
Michel en 1740 
Liechtenstein Inv. Nr. 670 
Joseph Wenzel von Liechtenstein war einer der vornehmsten Fürsten in der Geschichte des Hauses. 
Zunächst als Soldat, dann als Staatsmann, Kunstkenner und -sammler hatte er es zu hohem Ansehen 
in den drei Bereichen gebracht, in denen sich die Mitglieder seiner Familie stets ausgezeichnet hatten. 
Er ist hier im Alter von vierundvierzig Jahren dargestellt, auf einem der Höhepunkte seiner Karriere. 
Von 1737 bis 1741 diente er dem römischen Kaiser Karl VI. als kaiserlicher Botschafter am 
französischen Hof, ein Amt, in das er den ganzen Reichtum und das Prestige seiner Familie zu Ehren 
des Hauses Habsburg einbrachte. Am 21. und 23. Dezember 1738 fand seine enfree solennelle in 
Paris und Versailles statt, die zeremonielle Ankunft, die Anlaß für den Auftrag der Goldenen Kutsche 
gewesen war. Joseph Wenzels Aufgabe war es, den Wiener Frieden von 1738 zu schließen und die 
Pragmatische Sanktion, die die österreichische weibliche Erbfolge ermöglichte, zu sichern, damit 
Maria Theresia, die Tochter Karls VI., die dieser 1713 als seine Nachfolgerin bestimmt hatte, den 
Thron besteigen konnte. Am 29. Dezember schlug Karl VI. Joseph Wenzel nach dessen Erfolg in 
dieser Angelegenheit für den Orden des Goldenen Vlieses vor, in den der Fürst am 15. Februar 1740, 
acht Monate vor dem Tod des Kaisers, aufgenommen wurde. 
Gegründet im Jahre 1430 von Philipp dem Guten, Herzog von Burgund, gehört die Toison d’Or zu 
den ältesten und vornehmsten Ritterorden. Karl VI. war der erste Großmeister des Habsburger 
Zweiges des Ordens, den er 1713 nach Ende des Spanischen Erbfolgekrieges ins Leben gerufen 
hatte, nachdem die spanische Krone den Bourbonen zugefallen war. Joseph Wenzel war weder der 
erste noch der letzte Fürst von Liechtenstein, dem die Ehre einer Aufnahme in den Orden des 
Goldenen Vlieses widerfuhr. Karl von Liechtenstein, der 1608 der erste Fürst des Hauses 
Liechtenstein wurde, wurde 1622 in den Orden berufen, und bis-heute sind ihm etwa 25 Mitglieder 
seiner Familie gefolgt. 
Es ist nicht im geringsten verwunderlich, daß Joseph Wenzel, ein großer Förderer der Kunst, diese 
Ehre zum Anlaß nahm, ein Porträt in Auftrag zu geben. Seine Wahl des Künstlers, obwohl 
konservativ, erstaunt ebensowenig. In Paris nahm der Fürst die Gelegenheit wahr, den berühmtesten 
Porträtmaler der Stadt zu engagieren: Hyacinthe Rigau y Ros, bekannt als Hyacinthe Rigaud. Die 
Karriere des einundachtzigjährigen Porträtmalers hatte 1688, mehr als ein halbes Jahrhundert zuvor, 
mit einem Porträt des Bruders von Ludwig XIV. begonnen. Sein berühmtes Bild des Königs aus dem 
Jahre 1701 (Louvre, Paris) wurde zum Musterbeispiel der französischen Porträtmalerei des Barock. 
Die Ereignisse, die zur Aufnahme Joseph Wenzels in den Orden des Goldenen Vlieses geführt hatten, 
erwähnte Rigaud in einem Eintrag zu einem Porträt des Fürsten, das dieser im selben Jahr als das 
vorliegende Gemälde in Auftrag gegeben hatte. Auf diesem Bild trägt Joseph Wenzel das Abzeichen 
des Ordens an einem purpurroten Band um den Hals. Obwohl dieses Gemälde ein meisterhaftes 
Beispiel von Rigauds Porträtmalerei darstellt, mußte Joseph Wenzel davon überzeugt gewesen sein, 
daß es allein noch nicht ausreichte, um die Ehre der Auszeichnung in ihrer ganzen Pracht bildlich 
darzustellen und gab daher das kleinere Bild zusätzlich in Auftrag. Der Fürst kannte sicherlich das 
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