Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

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Massimiliano Soldani 
Toskana, 1656-1740 
ACHT BÜSTEN NACH DER ANTIKE 
Florenz, 1695 
Im Jahre 1680 unternahm der junge Fürst Johann Adam Andreas seine große Reise durch Holland, 
England, Frankreich und Italien. Bei seinem Aufenthalt in Florenz hatte er die Skulpturen 
Michelangelos in der Medici-Kapelle gesehen, die ihn dermaßen beeindruckt hatten, daß er, vierzehn 
Jahre später, als er Soldani um Bronzen für die Dekoration seiner Paläste bat, als erstes Bronzen 
nach den Köpfen der “Tageszeiten” verlangte. 
Soldani, der dieses Thema in seinem ersten Brief am 11. Dezember 1694 an den Fürsten erwähnt, 
erklärt, daß sich Michelangelos Köpfe wegen ihrer geneigten Haltung nicht für unabhängige Büsten 
eigneten. Er schlug statt dessen vor, eine Reihe von Bronzebüsten nach den besten antiken 
Marmorbüsten römischer Kaiser, Philosophen und Damen, die sich in der Galerie des Großherzogs in 
den Uffizien befanden, anzufertigen. Diese sollten auf kleine Sockel aus farbigem Marmor gesetzt 
werden, worauf eine kleine Bronzekartusche mit dem Namen des Themas angebracht werden sollte. 
Solche Bronzebüsten würden sich, so fügte er hinzu, als “cose nobilissime, e da galleria” (Lankheit 
1962, Dok. 635) erweisen. 
Soldanis Vorschlag wurde angenommen. Im November 1695 waren die acht Büsten fertig und 
Soldani schickte sie nach Wien (Lankheit 1962, Dok. 649). In einem Brief, den er dem Fürsten kurz 
nach Fertigstellung der Büsten geschrieben hatte, erzählte Soldani ihm stolz von der Sorgfalt, die er 
auf die Ziselierung und Fertigstellung verwendet habe, und daß er auch weder Zeit noch Ausgaben 
gescheut habe, um sie den Originalen so ähnlich wie möglich zu gestalten (Lankheit 1962, Dok. 
650). Uns jedoch erscheinen sie wie elegante Variationen, von dem ausgezeichneten dekorativen 
Geschmack zeugend, der für Soldanis persönlichen Stil so charakteristisch war. 
Olga Raggio 
BÜSTE DES CICERO N 
Bronze mit rotgoldener Lackpatina; Höhe, einschließlich Sockel, 59,5 cm 
Inschrift: M. T. CICERO 
Liechtenstein Inv. Nr. 554 
Die Büste wurde nach einer aus dem ersten Jahrhundert v. Chr. stammenden römischen 
Marmorbüste in den Uffizien gegossen. Es handelt sich dabei um eines der bekanntesten klassischen 
Porträts. Seit dem fünfzehnten Jahrhundert geht man davon aus, daß sie Cicero darstellt (Mansuelli 
1961, Bd. 2, S. 46, Nr. 34, Abb.). Die Züge der liechtensteinischen Büste sind eine exakte Replik des 
marmornen Originals und könnten von Soldani als Prototyp für den Entwurf des kleinen Formats für 
die ganze Serie verwendet worden sein. Sowohl Cicero als auch Seneca wurden von Soldani als 
Pendants zu den Büsten von Faustina der Älteren und Faustina der Jüngeren gewählt. 
Olga Raggio 
LITERATUR: Kat. 1767, S. 85, Nr. 96; Kat. 1780, S. 266, Nr. 110; Tietze-Conrat 1918, S. 53-54, 89, Abb. 38. 
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