Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

LS 
Werkstatt der Castrucci 
Tätig 1596-1622? 
Möglicherweise in der Werkstatt von Ottavio Miseroni (tätig 1588-1624) fertiggestellt 
SCHATULLE 
Böhmen (Prag), fertiggestellt ca. 1620-1623 
Pietra dura, Marmor, Granat, vergoldete Bronze und Ebenholzfurnier; 55 x 88 x 48,5 cm 
Wappen (Vorderseite der Schatulle): geviert, schwarz-gold zehnmal geteilt mit Rautenkranz in 
grünem Schrägbalken (Kuenring), halbgeteilt mit goldenem und rotem Balken (Liechtenstein); rot- 
silbern gespalten (Troppau); in Gold ein schwarzer Adler mit silberner Mondsichel über Brust und 
Flügel und kleebattförmigen Enden (Schlesien); darüber der Fürstenhut in der Form eines runden, 
mit Hermelin besetzten Huts. 
Monogramm (Vorderseite der Schatulle): Zwei ineinander verschlungene Cs unter einer Krone 
(Fürst Karl I. von Liechtenstein, 1569-1627) 
Liechtenstein Inv. Nr. 599 
Die vierundzwanzig Pietra-dura Platten, mit denen diese Schatulle verziert ist, weisen eine 
architektonische Gliederung auf, die an einen anderen Typus einer Schatulle erinnert. Die 
Einlegearbeiten jener Truhe bestehen aus Bergkristall und Pietra dura und sollen gegen Ende des 
sechzehnten Jahrhunderts in Venedig hergestellt worden sein. Ein Exemplar befindet sich 
gegenwärtig in der Basilica di Santa Barbara in Mantua (siehe Cocks 1981, S. 207-208, Nr. 213). 
Eine weitere Schatulle, ehemals in der Sammlung von Lord Hastor of Hever, taucht im Sotheby 
Parke-Bernet & Co. Katalog, Z7he Hever Castle Collection (Bd. 2, 6. Mai 1983, S. 70-71, Los 287), 
auf. 
Der Deckel der Liechtensteiner Schatulle ist mit einem Scharnier versehen, so daß die Truhe von 
oben geöffnet werden kann. Das Schlüsselloch des Schlosses verbirgt sich hinter einer 
Federvorrichtung im vergoldeten Rahmen unter der Tafel mit dem Wappen. Der Deckel und die 
Seiten der Schatulle sind ähnlich wie die Vorderseite dekoriert. Auf allen vierundzwanzig Pietra-dura 
Tafeln von unterschiedlicher Größe und Form sind Landschaften oder Ansichten von Städten 
dargestellt, einige davon lassen mit ihren Gondeln und Kanälen Erinnerungen an Venedig wach 
werden. Die oberste und unterste Tafel in der Mitte des vorderen Teils enthalten das Wappen 
beziehungsweise das Monogramm von Fürst Karl I. Die mittlere Tafel des Deckels, auf der ein mit 
einer Schleife zusammengebundener Strauß aus Rosen, Nelken, Magnolien und Jasmin auf einem 
schwarzen Marmoruntergrund abgebildet ist, stammt wahrscheinlich aus Florenz. Pietra-dura Pfeiler 
und kleinere Teile aus verschiedenfarbigen Mineralien und Steinen, die die unregelmäßigen Abstände 
zwischen den einzelnen Tafeln mit ihren granatbesetzten, vergoldeten Bronzerahmen füllen, lassen 
die Oberfläche der Schatulle sehr wertvoll erscheinen, ein Eindruck, der sonst eher vom Inhalt der 
Schmuckschatullen als von ihrer Außenseite vermittelt wird. Die Rückseite der Truhe ist strenger. 
Sie wiederholt das architektonische Muster der Vorderseite, jedoch in Ebenholz. Herausziehbare 
Tragegriffe aus vergoldeter Bronze sind unten an beiden Seiten angebracht. Ursprünglich stand die 
Schatulle auf vier vergoldeten, runden Bronzefüßen. 
Florenz wird als Zentrum der Produktion des Pietra dura (commesso di pietre dure) oder Florentiner 
Mosaiks, wie es auf den Bildplatten dieser Schatulle zu sehen ist, betrachtet. Es handelt sich hierbei 
um eine Technik, die größere Ähnlichkeit zu der Holzeinlegearbeit oder Intarsia als den traditionellen 
Mosaiken, die aus unzähligen kleinen Stein- oder Glaswürfeln bestehen, aufweist. Das Florentiner 
Mosaik benutzt größere, unregelmäßig geformte Steine, die geschliffen und poliert werden, damit 
Farbe und Form der Steine - Marmor, versteinertes Holz und Pietra dura wie Jaspis, Achat, 
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