Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

TOD DES ADONIS 
Öl auf Leinwand; 176 x 210 cm 
Liechtenstein Inv. Nr. 6 
Ohne auf die Warnungen von Venus, keine Keiler zu jagen, zu achten, verfolgt Adonis eines dieser 
Tiere und wird von ihm angegriffen. Es "schlägt in die Weichen ihm tief seine ganzen Hauer und 
streckt ihn zu Tode verletzt auf den gelblichen Sand hin" (Ovid, Metamorphosen 10.715-10.716). In 
seinem Brief vom 12. November 1692 erwähnte Franceschini "in der Ferne Schäfer, die fliehen." Als 
er das Bild malte, entschied er sich jedoch für einen fliehenden Putto, den er über das fertiggestellte 
Laubwerk malte. Dies ist möglicherweise das am wenigsten gelungene Gemälde der Reihe, denn die 
Kombination von brutaler Gewalt und einer Betonung der Tiere benachteiligt Franceschini in 
zweifacher Hinsicht. Es handelt sich hier um die vierte Episode, die als Gemälde über einer Tür 
angebracht werden sollte. 
Keith Christiansen 
VENUS SALBT DEN TOTEN ADONIS 
ÖI auf Leinwand, 176 x 210 cm 
Liechtenstein Inv. Nr. 8 
Zum Zeichen ihrer Trauer über den Tod Adonis' besprengt Venus "mit duftendem Nectar das 
[Adonis'] Blut. Sobald es von diesem getroffen, schäumte es auf so, wie aus dem gelblichen Schlamm 
sich die lichten Blasen heben. Nicht mehr verging als die Frist einer vollen Stunde, da wuchs aus dem 
Blut an Farbe ihm gleich eine Blume ... Doch kurz nur freust du dich ihrer: locker haftend und allzu 
leicht zum Fallen geneigt, wird bald von dem Wind, der den Namen ihr gibt [Anemone], verweht ihre 
Blüte" (Ovid, Metamorphosen 10.731-10.739). Bereits 1692 hatte sich Franceschini die einzelnen 
Merkmale dieser Episode, der sechsten und letzten der Reihe, zurechtgelegt: "Das kleine, sechste 
[Bild wird] die Verwandlung Adonis in Anemonen [zum Inhalt haben], und Venus wird Ambrosia 
über den toten Jüngling schütten und ihn in Blumen verwandeln, die einige Nymphen oder Grazien 
pflücken werden, um ihre Brust und ihr Haar zu schmücken." 
In seiner Studie verweist Miller auf eine Zeichnung für die Gestalt des Adonis im Gabinetto dei 
Disegnie e Stampe in Genua, in der die Pose des Jünglings spiegelverkehrt dargestellt ist. Es enthält 
zudem eine weitere Gestalt, die nicht in der endgültigen Komposition erscheint. 
Bei diesem Bild handelt es sich um eines der schönsten des Zyklus. Franceschini scheint hier die 
poetische Grundlage der Metamorphosen am besten erfaßt zu haben. Es ist nicht die Tragödie oder 
das Drama im Leben des Individuums, sondern die schmerzliche Verwandlung - oder Aufnahme - 
dieses Lebens in den ewigen Zyklus der Jahreszeiten. Die Saite an Cupidos Bogen ist nicht befestigt, 
und die Betonung liegt auf dem Gesichtsausdruck der entzückten Nymphen (augenscheinlich 
dieselben Nymphen, die bei Adonis' Geburt zugegen waren). 
Keith Christiansen 
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