Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

Venus nun doch nicht allzu verhüllt dargestellt würde. Diese beiden Vorkommnisse zeigen, daß 
Franceschini den Wünschen des Fürsten allmählich mehr Verständnis entgegenbrachte. Sie waren 
aber auch von grundlegender Bedeutung bezüglich des Charakters und, was den Diana-Zyklus 
betrifft, sogar der Wahl der Themen für die geplanten Bilder. 
Am 24. September 1692 antwortete Franceschini auf das Angebot des Fürsten. Er schlug den Preis 
für die einzelnen Bilder vor und bat um Zusendung der zugrundegelegten Meßschnur, um jeden 
Fehler bei der Vermessung auszuschließen. Der Fürst seinerseits bat um Zeichnungen oder 
Beschreibungen der Szenen, damit er die Preise, die ihm Franceschini genannt hatte, beurteilen 
könnte. Er brachte auch die Angelegenheit zur Sprache, daß Franceschini häufig seinen Assistenten 
Luigi Quaini (1643-1717) für sich arbeiten ließ und äußerte die Hoffnung, daß die in Auftrag 
gegebene Arbeit vollständig von Franceschini ausgeführt werden würde, da "der betreffende Quaini 
zwei Ovale für uns gemalt hat, die unseren Erwartungen nicht entsprochen haben" (Brief vom 26. 
Oktober 1692). Die Bemerkung beweist, wie gut informiert und anspruchsvoll der Fürst war. Am 12. 
November 1692 schickte Franceschini dem Fürsten eine Beschreibung für die beiden Zyklen. Obwohl 
er behauptete, nicht genügend Zeit für die verlangten Skizzen der Gemälde gehabt zu haben, so ist 
doch deutlich zu erkennen, daß er sich jede Komposition gründlich überlegt hatte. Franceschini hatte 
zwei Geschichten Ovids ausgewählt, "die beide Ereignisse enthalten, die sich für die Aufteilung in 
große und kleine Bilder und die Decken der beiden Räume eignen könnten." Für das erste Zimmer 
schlug er die Geschichte von Phaeton, für das zweite den Mythos des Adonis vor. Er beabsichtigte, 
beide Zyklen in ihrer narrativen Sequenz zu behandeln, so daß der Betrachter, nachdem er das 
Zimmer betreten hatte, "links beginnend die Geschichte in der Reihenfolge dargestellt sehen wird, in 
der sie Ovid beschrieben hat. Die großen Bilder werden vielleicht zehn Figuren enthalten, die 
kleineren genauso viele oder auch ein paar weniger. Ich möchte mich jedoch nicht auf eine genaue 
Zahl festlegen, sondern mir den Raum lassen, der nötig ist, dem Werk seine volle Ausdrucksstärke zu 
verleihen." 
Die Aufgabe, die sich Franceschini gestellt hatte, war nicht leicht. In jeder Geschichte mußte er vier 
Episoden finden, die sich dazu eigneten, in einem großen, vertikalen Bild verarbeitet zu werden und 
fünf bzw. zwei Episoden, die nur wenige Figuren enthalten sollten, die in einem einheitlichen 
Maßstab in einem Rahmen, der ungefähr zwei Drittel der Breite und nur etwas mehr als ein Drittel 
der Höhe des größeren Gemäldes hatte, dargestellt werden konnten. Außerdem mußten sich die 
Episoden an die Erzählfolge halten und waren zusätzlich durch die Größe des ihnen zugedachten 
Platzes eingeschränkt. Im zweiten Zimmer sollten drei große Bilder angebracht werden, gefolgt von 
einem Bild über einer Tür, einer großen Leinwand und einem weiteren Bild über einer Tür. Die 
Themen, die Franceschini vorschlug, waren die Geburt des Adonis, Venus, die sich in Adonis verliebt 
(Franceschini beabsichtigte, die Szene mit den Drei Grazien und Putten auszufüllen), Venus und 
Adonis auf der Jagd, der Tod des Adonis (Kat. Nr. 3), Venus entdeckt den toten Adonis (Venus 
sollte aus ihrem Wagen steigend dargestellt werden), Venus salbt Adonis' Körper (Kat. Nr. 4), 
sowie, an der Decke, Mars und Diana. (Auf der Grundlage einer Skizze im Louvre und einer 
quadrierten Zeichnung derselben Komposition im Art Institute in Chicago kam Miller zu dem 
Schluß, daß die endgültige Version des Deckenbildes Mars und Diana zeige, wie sie der Bestrafung 
Cupidos zusehen. Das Bild ist verschollen.) Die Komponenten dieses Zyklus blieben unverändert. 
Liest man Franceschinis Beschreibung, so sieht man ihn bei der Geschichte des Phaeton mit noch 
größeren Problemen konfrontiert, und es überrascht nicht, daß er schließlich ein anderes Thema 
wählte. Die fünfte Leinwand beispielsweise - eines der Bilder über einer Tür - sollte Phaeton in 
Apollos Pferdewagen zeigen, gekrönt von Apollo und neben ihm Aurora. Auf diese Leinwand sollte 
eine weitere folgen, auf der Phaeton himmelwärtsstrebend die Kontrolle über den Wagen verliert, 
unter ihm Schäfer und Nymphen. Man kann sich schwer vorstellen, wie Franceschini für alle 
Protagonisten, sei es in den kleinen oder großen Gemälden, denselben Maßstab hätte beibehalten 
können. Und doch ließ er diese Idee erst 1697 fallen (s.u.). 
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