Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

Bernardo Bellotto 
Venetien, 1720-1780 
DAS LIECHTENSTEINER GARTENPALAIS IN WIEN VOM BELVEDERE AUS 
GESEHEN 
Öl auf Leinwand; 100 x 150 cm 
Liechtenstein Inv. Nr. 889 
Garten und Palais in Rossau außerhalb Wiens, von Fischer von Erlach im Jahre 1687 für Fürst 
Johann Adam Andreas entworfen, sind hier in einer Ansicht von der geschwungenen Terrasse des 
Belvedere aus dargestellt. Rechts ist eine aristokratische Gestalt zu sehen, wahrscheinlich Fürst 
Joseph Wenzel (siehe Fritsche 1936, S. 64), der, als dieses Bild entstand, 64 Jahre alt gewesen sein 
dürfte. Neben ihm steht ein schwarzer Diener mit einem Turban. Die beiden Spaniels, von denen 
einer Männchen macht, scheinen vom Fürsten mit einer Nascherei belohnt zu werden. Links des 
Fürsten ist eine der beiden symmetrisch angeordneten, gewundenen Treppen zu sehen. Die zwei 
Sandsteinstatuen am Kopf der Treppe wurden vom Venetier Giovanni Giuliani zwischen 1705 und 
1709 für den Garten entworfen. Hinter der Treppe erstreckt sich die Grande Allee, von Urnen und 
Statuen flankiert; die Parterres zu beiden Seiten werden von Zierhecken mit ihrem kunstvollen 
Formenschnitt geschmückt. Unter den Statuen sind einige Kopien aus der Antike zu erkennen, so die 
Venus Medici gleich links hinter dem Fürsten. Wie einige der Urnen sind auch die Statuen nach der 
Vorlage von Massimiliano Soldani aus Florenz modelliert. Das Palais im Hintergrund wurde 
zwischen 1691 und 1704 nach einem Entwurf des Luccheser Architekten und Perspektivenmalers 
Domenico Martinelli erbaut (die beiden von Franceschini mit dem Adonis- und Diana-Zyklus 
dekorierten Räume, befinden sich im rechten Flügel). Hinter dem Palais sind einige Bauwerke der 
Stadt Wien zu erkennen: links des Palastes die Servitenkirche, der Turm von Sankt Maria am 
Gestade, der gotische Turm des Stephansdoms, die Fassade der Jesuitenkirche am Hof und dahinter 
die Kuppel der Peterskirche; rechts der Turm der Schwarzspanierkirche und der Strudelhof, die Villa 
Peter von Strudels (siehe Menz 1965, S. 66, Nr. 53). 
Bellotto kam im Dezember 1758 oder Januar 1759 nach Wien, nach einem Jahrzehnt in Diensten 
Augustus III. in Dresden. Er blieb nur zwei Jahre, aber während dieser Zeit entstanden dreizehn 
Gemälde für die Kaiserin Maria Theresia, eines für ihren Kanzler Graf Kaunitz und die beiden hier 
ausgestellten Bilder für Fürst Joseph Wenzel. In Dresden hatte Bellotto Ansichten von der Stadt, 
ihrer Plätze und von Augustus’ bevorzugtem Vergnügungspavillon sowie der Galerie, dem Zwinger, 
gemalt. Maria Theresia hatte seine Dienste für ähnliche Zwecke in Anspruch genommen. Zu den 
Arbeiten, die er für die Kaiserin ausführte, gehörten ein Panorama der Stadt, Ansichten einiger der 
Plätze der Stadt und eine Reihe von Bildern ihrer Schlösser, davon zwei Gemälde von Schloß 
Schönbrunn. Bellottos Ansichten von Wien unterscheiden sich jedoch von denen seiner Dresdner 
Zeit. Sie wirken vertrauter und ungezwungener, was jedoch auch darin begründet liegt, daß die Stadt 
anders angelegt ist (siehe Kozakiewicz 1972, Bd. 1, S. 116-117). Dies wird vor allem an den beiden 
Liechtensteiner Gemälden deutlich. Es ist bezeichnend für Fürst Joseph Wenzel, daß er sein 
Gartenpalais anstelle seiner Stadtresidenz malen ließ, und er zog die Garten- und Seitenansicht der 
formelleren Frontansicht zur Stadt hin vor. Bellotto fing diesen Eindruck der Ungezwungenheit ein - 
das Palais als Ort der aristokratischen Freizeitgestaltung -, indem er in jedem Bild eine auffallend 
asymmetrische Komposition schuf, in der der Palast nur als Hintergrund für zwanglose Aktivitäten - 
einen Spaziergang durch den Park, eine kurze Unterhaltung auf der Terrasse oder die Genehmigung 
einer kleinen Erfrischung -, fungiert. Bei dem hier gezeigten Gemälde ist es Bellotto sogar gelungen, 
die formale Anlage des Gartens mit seiner strengen Symmetrie zu entschärfen, in dem er ihn von 
einer Seitentreppe des Belvedere aus malt. Der Blick des Betrachters wird über eine Nebenallee 
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