Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

Wiedergabe von Schatten und Licht die Hauptsache bleibt». Die kurz zuvor entstandenen 
sizilianischen Ansichten setzen diese Forderung in die Tat um: scharf und überplastisch 
registrierte Forrnen verbinden sich zu einem Bild von Klarheit und Prägnanz erst unter 
der | ausleuchtenden Kraft des Sonnenlichtes. Sonnendurchleuchtet erscheint die 
sizilianische Landschaft als der eigentliche Stylobat des Tempels; durch das Sonnenlicht 
greifbar staffeln sich die Kronen des Olivenhaines bis hinauf zum Tempel. In der 
durchsichtigen Luft wird das poröse Gestein des Bauwerks gleichsam de Landschaft als 
seinem Urgrund zurückgegeben. Waldmüller gelangte mit seiner Faszination für das 
südliche Licht und die südliche Natur zu dem, was König Ludwig I. von Bayern in einem 
Distichon aus Wehmut über den Niedergang des Griechentums gedichtet hatte: «Still ist 
es in dir nun, Akrogentinon, es wirket Kunst nicht und Wissenschaft mehr, bloss noch 
Natur in dir.» 
Reinhold Baumstark 
LITERATUR: A. Roessler u. G. Pisko, Ferdinand Georg Waldmüller, Wien 1907, Taf. 176; Kat. 1931, 
Nr. 2080; Kat. Ausst. 1950, Nr. 323; B. Grimschitz, Ferdinand Georg Waldmüller, Salzburg 1957, S. 
51, Nr. 664. 
DER CONCORDIA-TEMPEL BEI AGRIGENT 
Holz 31,6 x 39,7 cm Bez. Waldmüller 1849 Liechtenstein Inv. Nr. 2077 Erw. 1890 durch 
Fürst Johannes II. 
Seit 1825 hatte Waldmüller fast alljährlich den Sommer in Italien verbrachten 1841 war 
erstmalig Sizilien bereist worden, das Ferienziel auch der nächstfolgenden Jahre. In seiner 
Selbstbiographie von 1847 schreibt Waldmüller: «Ich wiederholte, um meine 
Erfahrungen zu vermehren, die Reisen nach Italien, und dehnte sie auch nach Sicilien aus, 
WO ich ein paar Jahre hintereinander meine Ferienzeit in eifrigen Studien verlebte.») 
Diese Reisen «waren von grossem, wichtigem Einfluss auf meine künstlerische 
Wirksamkeit». Das letzte erhaltene Zeugnis dieses Studiums von Landschaft und Licht 
Italiens bietet die Ansicht des Concordia-Tempels von Agrigent auf Sizilien aus dem 
Jahre 1849. Wie zuvor schon den Juno Lacinia-Tempel hat Waldmüller den etwas später, 
um 425 vor Christus in nahezu gleicher Grösse errichteten Zwillingsbau gegen Süden zu 
festgehalten. Die weitgehend erhaltene Architektur, Inbegriff des dorischen 
Tempelbaues, findet sich eingebettet in die Überschaulandschaft von Himmel und Meer, 
von kargen Hügeln und mediterranem Pflanzenwuchs. Gerade der Vergleich mit Leo von 
Klenzes (1784-1864) Ansicht des gegen Agrigent genommenen Concordia-Tempels von 
1857 lässt deutlich werden, dass Waldmüllers italienische Studien als Feuerproben einer 
fortschrittlichen Landschaftskunst zu werten sind. Das grossartige Wiener Spätwerk des 
Malers trägt unverkennbar den Keim der in Italien empfangenen Lichtinspiration in sich. 
Reinhold Baumstark 
LITERATUR: A. Roessler u. G. Pisko, Ferdinand Georg Waldmüller, Wien 1907, Taf. 210; Kat. 1931, 
Nr. 2077: B. Grimschitz, Ferdinand Georg Waldmüller, Salzburg 1957, Nr. 725; M. Buchsbaum, 
Ferdinand Georg Waldmüller 1793 - 1865, Salzburg 1976, S. 35 
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