Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

Die frühen Pläne zeigen ein dreistöckiges Gebäude (oder corps de logis), flankiert von zwei 
Seitenflügeln. Diese Lösung erinnert eher an das französische Pavillionsystem der Palastarchitektur 
als an die damalige italienische Praxis. Es war die Art von Entwurf, die Karl Eusebius in seiner 
Abhandlung verworfen hatte, da er den kompakteren “Palatio in quadro” (Fleischer 1910, S. 183) 
vorzog. Entsprechend seiner Vorliebe für eine große, zusammengehörende, blockähnliche 
Konstruktion hatte Martinelli eine Anzahl von Merkmalen der beiden berühmtesten römischen 
Paläste der Zeit, Berninis Palazzo Chigi-Odescalchi und Palazzo Barberini, eingefügt. Von ersterem 
stammt das Motiv einer monumentalen Folge von Pfeilern, die auf dem Fundament des ersten 
Stockes errichtet wurden, von letzterem übernahm er die vorspringenden Stuckrahmen der Fenster 
unter dem Dach, womit der Fassade eher der Charakter eines Stadt- als eines Gartenschlosses 
verliehen wurde, und setzte somit die der Stadt zugewandte Front des Palais in scharfen Kontrast zur 
weniger formellen Gartenseite, mit ihren zwei Flügeln zu beiden Seiten eines Vorhofs. Die 
Änderungen im Entwurf und die Wahl eines anderen Architekten sind wahrscheinlich auf Johann 
Adams Bestehen auf einem italienischem Modell zurückzuführen: Seine neue Stadtresidenz, die 
ebenfalls von Martinelli entworfen worden war, stützte sich noch stärker auf Berninis Palazzo Chigi- 
Odescalchi. Als der Fürst 1694 schließlich beschloß, ein Schloß im böhmischen Landskron bauen zu 
lassen, trat er an Martinellis Meister Carlo Fontana heran und gab diesem ausdrückliche 
Anweisungen, der fertige Entwurf müsse “alla Romana” sein. 
Nicht nur Johann Adams Architekt war Italiener, auch sein erster Bildhauer, der Venezianer 
Giovanni Giuliani, sein Stukkator, der Norditaliener Santino Bussi, und sogar sein Steinmetz 
Giuseppe Antonio Riva kamen aus Italien, obwohl Riva von der lokalen Wiener Gilde zur Seite 
geschoben wurde. Giovanni Giuliani und Santino Bussi, wie Domenico Egidio Rossi, wurden im 
Grunde zu “Ex-Patrioten” (Giuliani wurde in der Zisterzienser Abtei Heiligenkreuz bei Baden, wo er 
angestellt war, beigesetzt). Durch die gemeinsamen Bemühungen dieser Männer bekam das 
Gartenpalais sein herrlich strahlendes, vergoldetes Interieur und eine Reihe von Stuckrahmen für die 
Gemälde, die in die Decken verschiedener Räume eingesetzt wurden. 
Es sollte demnach nicht überraschen, daß der Fürst der nordeuropäischen Tradition der 
Wandteppiche den Rücken kehrte und statt dessen Gemälde, die die Rahmen über den Türen und 
zwischen den Fenstern füllen sollten, und illusionistische Freskomalereien für die Decken der großen 
Räume des Palastes in Auftrag gab. Im Jahre 1692, als die Bauarbeiten noch kaum begonnen hatten, 
schrieb der Fürst dem führenden Exponenten des Bologneser Klassizismus, Marcantonio 
Franceschini, er wolle “in einem seiner Gebäude die Wände mit Gemälden anstelle von 
Wandteppichen schmücken” und gab zu diesem Zweck zwei Serien von Bildern in Auftrag, 
insgesamt sechsunddreißig Werke, die alle eine Geschichte aus-Ovid zum Thema haben sollten. 
Damit wandte er sich gegen den Geschmack seines Vaters, der Wandteppiche als gleichwertige 
Alternative zu Gemälden betrachtet hatte (Fleischer 1910, S. 201). Diese wurden in einem der 
Räume zum Garten hin angebracht. Wieder kümmerte sich der Fürst um jedes kleinste Detail. Die 
Bilder, so wurde Franceschini mitgeteilt, sollten 1,2 Meter über dem Fußboden aufgehängt werden, 
damit darunter Platz für Möbel bliebe. Außerdem verlangte Johann Adam von Franceschini eine 
detaillierte Beschreibung seiner Kompositionen. Später wurde Franceschini darum gebeten, für 
weitere Räume Bilder für die Decke zu malen und im Jahre 1704, als der Bau des Gartenpalais 
abgeschlossen war, betraute ihn der Fürst mit einer Aufgabe, die dem Interieur den Charakter einer 
echten italienischen Residenz verleihen sollte. Franceschini wurde zusammen mit einem 
Perspektivenspezialisten nach Wien eingeladen, um weitere Räume mit Freskomalereien zu 
dekorieren. Erst als der Bologneser Künstler das Angebot des Fürsten abgelehnt hatte, wandte sich 
dieser mit seinem Auftrag an den österreichischen Maler Johann Michael Rottmayr. Rottmayr hatte 
dreizehn Jahre lang in Venedig gelebt und gerade eine Freskomalerei im Großen Vestibül des 
kaiserlichen Schlosses Schönbrunn fertiggestellt. Johann Adam hatte die großflächige Decke der 
Halle des Gartenpalais für eine Freskodekoration des bekanntesten italienischen Meisters der 
Perspektive, Padre Andrea Pozzo, vorgesehen. Padre Pozzo war nach Fertigstellung der Decke des 
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