Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

David Teniers der Jüngere 
Flandern, 1610-1690 
KAUF EINES PFERDES 
Öl auf Kupfer; 25 x 34,7 cm 
Signiert (unten links): DAVID TENIERS F 
Datiert (auf Zeichnung über Kamin): A 1645 
Liechtenstein Inv. Nr. 553 
In diesem eigentümlichen, persönlichen Bild stellt sich Teniers, die vornehm gekleidete Figur im 
Vordergrund, als Käufer mit gutem Geschmack dar, der fachmännisch ein hübsches, grau-geflecktes 
Pony begutachtet. Das Pferd ist gebürstet und beschlagen, die lange Mähne locker und der Schwanz 
geflochten, aber weder dies noch die Empfehlungen des Knechts scheinen den Künstler zu 
interessieren, entscheidend ist für ihn nur die Gesamtform des Tieres. Der Junge hinter Teniers, sein 
Sohn David III, wird wahrscheinlich der zukünftige stolze Besitzer des Ponys sein. Etwas anderes 
wäre auch kaum geeignet für einen jungen Mann mit solch feinen Kleidern und einem so 
erfolgreichen Vater. 
Die Geschichte von Teniers gesellschaftlichen Ambitionen ist bekannt. Teniers, Sohn eines Malers, 
war auch der Schwiegersohn des bekannten Künstlers Jan Brueghel d. Ä. (Rubens war bei Teniers' 
Hochzeit mit Anna Brueghel im Jahre 1637 anwesend). 1645 wurde Teniers Dekan der Malergilde in 
Antwerpen, im selben Jahr, als dieses Bild entstand. Zwei Jahre später stand er in Diensten des neuen 
Statthalters der südlichen Niederlande, Erzherzog Leopold Wilhelm, der Teniers im Jahre 1651 zu 
seinem Hofmaler machte. Während der fünfziger Jahre blieb der Maler dem Nachfolger des 
Erzherzogs, Johann von Österreich (Statthalter von 1656 bis 1659), verpflichtet und versuchte 
unermüdlich, und zum Schluß erfolgreich, in den Besitz eines Adelsbriefs zu kommen (Vlieghe 1961- 
1966, S. 123-149; Dreher 1978. S. 683). 
Diese etwas späteren Ereignisse und Teniers' Erwerb eines Landgutes (das in mehreren seiner 
Gemälde ab 1660 erscheint) stimmen mit dem überein, was der Kauf eines Pferdes über den Maler 
aussagt. Es handelt sich hierbei um ein exzentrisches Pferdeporträt, eine aristokratische Kunstform, 
die in eine Szene aus dem alltäglichen Leben eingebettet ist. Obwohl das Porträt zu einem anderen 
Themenbereich gehört, so kann man es doch mit Rembrandts Selbstporträt aus dem Jahre 1640 
(National Gallery, London) vergleichen, auf dem sich der Künstler auf eine weniger prosaische Art 
als Gentleman und vermögenden Mann darstellt. Teniers' wenige Werke auf Kupfer waren 
wahrscheinlich nicht für die Öffentlichkeit, sondern eher als private Andenken gedacht. Als Porträt 
von Vater und Sohn betrachtet. entwickelt das Bild einen ganz besonderen Reiz. 
Die Wahl von Kupfer als Untergrund und die Sorgfalt, die der Maler auf die Komposition verwendet 
hat, sind ein Zeichen dafür, daß das Bild eine besondere Bedeutung hatte. Die Szene spielt in einem 
Stall oder einer Soldatenunterkunft, was es ihm erlaubte, die pittoresken Teile der Rüstung im 
Vordergrund und die Silhouetten der Soldaten am Feuer einzufügen. Der räumliche Effekt des 
Ganzen ist eines Brouwers würdig, an den eine Zeichnung eines Bauern über dem Kaminsims 
erinnert. 
Im Jahre 1805 befand sich das Gemälde in den Fürstlichen Sammlungen. 
Walter Liedtke 
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