Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

Abschied von der Armee und widmete sich nachfolgend den privaten Angelegenheiten seines Hauses. 
Nach der endgültigen Niederlage Napoleons kam es auf dem Wiener Kongreß von 1814/15 zur 
territorialen Neuordnung Europas. Mit Gründung des Deutschen Bundes war für Liechtenstein die aus 
den Tagen des nunmehr aufgelösten Rheinbundes stammende Bestätigung als souveräner Staat 
verbunden, d. h. die völkerrechtliche Gleichstellung mit anderen im Deutschen Bund 
zusammengeschlossenen Staaten wie z. B. Österreich oder Preußen. Sie alle waren mit Sitz und Stimme 
in der Frankfurter Nationalversammlung vertreten. 
Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges war es dem Hause Liechtenstein gelungen, seinen politischen und 
wirtschaftlichen Status durch klugen und weitsichtiges Handeln stetig zu verbessern, oder doch 
wenigstens zu wahren. Mit der neuerlichen Grenzregelung in Europa durch den Versailler Vertrag von 
1919 und der damit verbundenen Entstehung der Republiken Österreich und Tschechoslowakei kam es 
jedoch erstmals zu umfangreichen Verlusten an Grundbesitz. Das bislang zu Niederösterreich gehörende 
Gebiet von Feldsberg, ein jahrhundertealter Stammsitz der Fürsten von Liechtenstein, wurde der 
Tschechoslowakei zugesprochen. Zugleich ging dort im Zuge einer Bodenreform auch 
liechtensteinische Territorium in Böhmen und Mähren verloren. 
Einen tiefgreifenden und zukunftsbestimmenden Einschnitt in die Geschichte des Hauses sowie des 
Landes Liechtenstein hatte der Wechsel der Residenz des Fürsten Franz Josef II. von Wien nach Vaduz 
im Jahre 1938 zur Folge. Unmittelbar nach dem Anschluß Österreichs an das nationalsozialistische 
Deutsche Reich bekundete der Fürst mit diesem Schritt die strikte Neutralität Liechtensteins. Erstmals 
beherbergte damit dieses Land, seit es den Namen Liechtenstein trug, den Wohnsitz des Fürstenhauses 
in seinen zwar eng umrissenen, doch auch während des Krieges unverletzt gebliebenen Grenzen. Nach 
1945 galt die Hauptsorge des Fürsten der Sicherung des durch die Kriegsereignisse gefährdeten 
Familiengutes, sowie der Entwicklung des Landes Liechtenstein. Mit dem ältesten Sohn Fürst Franz 
Josefs, dem Erbprinzen Hans Adam, vollzog sich, nach einer Periode der Konsolidierung, schließlich ein 
erneuter wirtschaftlicher und politischer Aufschwung des Hauses und des Landes Liechtenstein. Noch 
vor dem Tode seines Vaters übernimmt er als Stellvertreter die Regierungsnachfolge. Seit 1989 amtiert 
Hans Adam II. als Regierender Fürst von Liechtenstein. 
Der Residenzwechsel von Wien nach Vaduz hatte auch die Übersiedlung der weltweit berühmten 
Kunstsammlungen des Fürsten von Liechtenstein zur Folge. Trotz wechselvoller Geschichte eignet 
ihnen eine wesentliche Konstante - der private Status, welcher zugleich als kulturelles Zeugnis der 
politischen Souveränität des Hauses Liechtenstein zu werten ist. Ihre Anfänge liegen freilich im 
Dunkeln, zumindest, sofern nicht der Maßstab bewußter und zielstrebiger Sammeltätigkeit angelegt 
wird. Manches Familienmitglied mag schon die eine oder andere Kostbarkeit erworben und vererbt 
haben, bevor mit Karl I. von Liechtenstein erstmals in der Geschichte des Hauses eine Persönlichkeit 
hervortrat, welche ein profiliertes, nun auch der verliehenen Fürstenwürde angemessenes Interesse an 
Kunst zum Ausdruck brachte. 
Als sichtbaren Symbol seines gesellschaftliches Ranges ließ Karl, nach Belehnung, bezw. Schenkung der 
Herzogtümer Troppau (1614) und Jägerndorf (1623), einen Herzogshut anfertigen, dem die Kronen des 
Erzherzogs von Österreich sowie des Kaisers Rudolf II. als Vorbild dienten. In einer Gouache auf 
Pergament aus dem Jahre 1756, der Zeit Fürst Joseph Wenzels, ist diese, unterdessen verloren 
gegangene Krone in ihrer kostbaren Gestalt, zusammen mit anderen Juwelen des Hauses, bildnerisch 
festgehalten. Karl besaß eine ausgeprägte Vorliebe für Gegenstände und Geräte aus Gold, Silber und 
Edelsteinen. Durch ihn kam es zur Ausbildung einer eigenen Silberkammer, die 1623 von der 
"Guardaroba" getrennt und eigenständig inventarisiert wurde. Die "Guardaroba" selbst umfaßte, wie aus 
Inventaren hervorgeht, Teppiche, Tapisserien, Möbel, Gold- und Silbergeräte, Gemälde und zahlreiche 
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