Volltext: Sammlungen des Fürsten von Liechtenstein

8] 
Pieter de Bloot 
Niederlande, 1601-1658 
CHRISTUS BEI MARIA UND MARTHA 
Öl auf Holz; 46,5 x 66 cm 
Signiert (auf Papier auf Ablage rechts): P. de Bloot | 1637 
Liechtenstein Inv. Nr. 663 
Die Geschichte von Christus im Hause von Maria und Martha (Lukas 10:38-42), mit seinem 
Vergleich zwischen geistigen und weltlichen Dingen, war im siebzehnten Jahrhundert ein beliebtes 
Thema der Maler, und wahrscheinlich auch der Prediger, in den Niederlanden. Auf diesem Bild hat 
Martha die Küche verlassen (die lebendigen Hühner deuten auf Arbeit hin, die noch zu erledigen ist) 
und beschwert sich bei Christus, daß ihre Schwester ihr nicht hilft. Er ermahnt Martha, daß sie sich 
zu sehr mit der Hausarbeit beschäftige - diese Ansicht über niederländische Hausfrauen wurde auch 
von ausländischen Reisenden vertreten - und erklärt, daß Maria sich tiefgehenderen Aufgaben 
zugewandt habe, die ihr nicht vorenthalten werden sollten. 
Für zeitgenössische Autoren, allen voran Jacob Cats, hatten häuslicher Fleiß und Sauberkeit 
denselben Stellenwert wie Gottesfürchtigkeit. Eine entgegengesetzte Eigenschaft - Nachlässigkeit - 
schrieben niederländische Künstler den Küchenmägden zu, die es zuließen, daß die Katzen Fisch 
oder Fleisch stahlen (das Motiv erscheint häufig in den Werken von Nicolaes Maes und Jan Steen). 
De Bloots ikonographische Abweichung - die Katze im Vordergrund - ist naiv, wie auch seine 
Darstellung eines alten Zimmers, das trotz des antiken Schreibtisches und eines Bildes von Moses’ 
Gesetzestafeln an der Wand wie ein bäuerliches Interieur des siebzehnten Jahrhunderts von Teniers 
anmutet. 
De Bloot gehörte zu der Gruppe von Künstlern in Rotterdam, die das Interieur von Scheunen und 
bescheidenen Häusern malten. Häufig fügten sie dort größere Stilleben ein (Heppner 1946). Das 
talentierteste Mitglied dieser Gruppe, Herman Saftleven, befand sich offensichtlich Anfang des 
dritten Jahrzehnts des siebzehnten Jahrhunderts in Antwerpen und kannte höchstwahrscheinlich 
Teniers (Klinge 1976). Bilder von Hermans Bruder Cornelis, von Hendrick Sorgh, einem Kollegen 
der Saftlevens, und von ihrem Anhänger Francois Ryckhals aus Middelburg scheinen ebenfalls von 
Teniers' frühen Gemälden bäuerlicher Interieurs beeinflußt zu sein. De Bloots Komposition richtet 
sich nach einem Schema, das Teniers wiederholt anwandte: der L-förmige Raum, die Anordnung des 
Stillebens, das als Repoussoir dient, die Figuren hinten im Raum sowie der Nachdruck auf den 
Details, der Beschaffenheit der einzelnen Elemente und den Lichteffekten im Stilleben - das alles 
erinnert stark an Teniers. Andererseits wendet de Bloot seine Farben im Gegensatz zu Teniers viel 
lokaler an und erreicht dadurch weniger intensive Licht- und Stimmungseffekte. Die kühne Palette 
dieses Bildes verstärkt den Eindruck, daß de Bloots Obst-und-Gemüse-Stilleben von flämischen 
"Küchen-" oder "Markt"-Bildern, wie jenen von Frans Snyders, inspiriert wurden. Diese wiederum 
lehnen sich an die großen Stilleben von Pieter Aertsen und Joachim Beukelaer an, die beide biblische 
Themen, einschließlich des hier dargestellten, im Hintergrund ihrer Bilder verarbeiteten. 
Von diesem Gemälde mag ein gewisser Reiz ausgehen, es ist aber noch aus einem anderen Grund 
interessant, und zwar als Dokument der dauerhaften Beziehungen zwischen niederländischen und 
flämischen Künstlern nach dem Ende des zwölfjährigen Waffenstillstandes (1609-1621) und vor dem 
Frieden von 1648 (siehe Duverger 1968). In seiner Ausführung ist dieses Bild eines der großartigsten 
des Künstlers. Ein anderes Werk de Bloots, signiert und datiert 1641, das ebenfalls dieses Thema 
107
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.