Volltext: Die Armee, die es nicht geben durfte

    
    
nierten: 
29. 11. 1945, Landtagssaal Vaduz: Major Federoff und die russischen 
Internierten, anwesend ferner Polizist Gantner und die Dolmetscher 
zivian und von Falz-Fein: Chamjarew: ,,Ich bin seit 1939 in der Roten 
Armee und seit 1941 Kriegsgefangener.» 
Federoff: ,Wollen Sie hierbleiben?" 
C: „Ja. Ich besitze keine Familie in Sowjetrussland, ausser meinem Bru- 
der, der in der Roten Armee dient. 
F: „Also Ihr Entschluss ist endgültig?” 
C: „Jawohl, ich werde auf keinen Fall zurückkehren.” 
Federoff an Jaroff: „Haben Sie einen Bruder?” 
J: „Nein.” 
F: „Wie ist Ihr militärischer Rang?” 
J: „Kapitän. Ich bin von Krasnodar und besitze keine Familie. Mein 
Vater ist seit 1923 tot. Meine Geschwister auch. Ich will auf keinen Fall 
nach Hause, weil Sie uns unsere Rückkehr nicht sichern können. Ich 
weiss gut genug, daß die rückkehrenden Sowjetinternierten in Finnland 
zu Hause erwartet hat.” 
Jaroff erzählt Major Federoff Einzelheiten über diesen Fall. Der Major, 
sehr nervös, fragt: 
„Und Sie glauben diesen Schwindel?” 
J: „Natürlich!” 
Ähnlich äussern sich Wassili Alexejeff, Pavel Bodubni, Alexander Tul- 
jakoff, Alexej Tscherkassoff, Andrej Kulenko, Nikolaus Timoschenko 
(„Ich will nicht sprechen, und wenn ich spreche, werde ich nur lügen, 
ich will endgültig herbleiben, da ich in Russland nie ein Leben gehabt 
habe und auch nie haben werde."). Viele berichten, die Sowjets hátten 
ihre Väter nach Sibirien verschleppt. Verhört werden auch Nikita 
Patalacha und ein gewisser Ostopenko („Bin Kriegsgefangener seit 
1941, war aber nie in der Roten Armee.“ „Wieso?” „Sage ich nicht, es 
ist auch nicht mein richtiger Name, den brauchen Sie auch nicht zu wis- 
sen. Meine Heimat ist auch nicht Sowjetrussland, ich habe in Rumäni- 
en gelebt und studiert."), Etliche weigern sich, mit dem Major zu spre- 
chen. Die Stimmung ist angespannt, der Major wird wütend, weil einer 
88
	        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.