Volltext: Die Armee, die es nicht geben durfte

   
  
ral Holmston geschlafen hatte, bereits der General der nachrückenden 
französischen Truppen! 
Ganz besonders bezeichnend für die Mischung aus Erleichterung, Ent- 
spannung und Nervosität ist vielleicht auch diese Schilderung: Der 
Schellenberger Albert Lampert:,,Die sind schon dagewesen, bis ich's 
gemerkt habe. In ihren Reihen herrschte eine solche Disziplin, dab man 
sich gar nicht bedroht fühlte. Einige sind dann in die Stube hereinge- 
kommen. Viele waren lustig und haben gesungen, einer hat sie sogar 
begleitet auf einer Handorgel. Einzelne habe ich weinen gesehen". 
„Mein Schnaps hat ihnen auf alle Fälle geschmeckt.” 
Etwas Erheiterndes hat ein Teil der Erinnerungen des Schellenbergers 
Alois Hassler, der nach einem längeren Schwatz nach einer langen 
Gemeinderatssitzung, in der es um geeignete Maßnahmen, wie sie die 
Regierung erlassen hatte, gegangen war, den Truppenaufmarsch an der 
Grenze beobachten kann. Den aus dem Haus tretenden Grenzwachtpo- 
stenchef fragt er: ,, Was habt ihr da?" Dieser antwortet: Schwaben", mit 
diesem landlàufigen Sammelbegriff für alle Deutschen macht er dem 
Fragenden klar, daß es sich um Wehrmachtssoldaten handele. Hassler 
weiter: „Ich dachte, das sind kuriose Schwaben, denn sie redeten mir 
unverständlich!”. Auf einen Schlag ist die liechtensteinische Wohnbe- 
völkerung, wenn man so will, nun um etwa 500 Personen angewachsen. 
Damals hatte Liechtenstein auf seinen 15700,0 ha Gesamtfliche eine 
Bevölkerungszahl von 12141 Menschen, weit weniger als die Hälfte der 
Einwohnerzahl zum Zeitpunkt des Erscheinens dieses Buches. Das 
spielte insofern eine Rolle, wie sich nachher zeigen sollte, als diese an 
sich wenigen Menschen, von denen.ja nur ein kleiner Teil ein Einkom- 
men hatte (nämlich nur der Großteil arbeitsfähiger Männer), mithalfen, 
die fremden Truppen mit Nahrung zu versorgen. Aus Augenzeugenbe- 
richten geht auch dies eindrücklich genug hervor. 
Mit dem gelungenen Übertritt der Russen nach Liechtenstein ist, wie 
der zum Armeestab gehörende Oberstleutnant Kaschirin schreibt, „der 
Übergang über die politische Teufelsbrücke” geglückt und „die Kader 
der Armee gerettet”. Und weiter: „Wir haben den ganzen Krieg hin- 
durch unmittelbar an der Front gegen die UdSSR gekämpft... Wir haben 
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