Volltext: Die Armee, die es nicht geben durfte

  
letzten Mal einen Mann aus unseren Reihen verloren. Am späten Abend 
des 2. Mai begann der Aufstieg von Nofels Richtung Schellenberg. 
Franzosen, die bei Feldkirch lagerten, hatten uns bemerkt und feuerten 
uns zwei Mörserschüsse nach... Wir waren äußerst gut bewaffnet. Gar 
komisch muß es auf den Zöllner gewirkt haben, als ich den Inhalt mei- 
ner Taschen und meines Rucksacks vor ihm ausbreitete: eine Maschi- 
nenpistole, vier Handgranaten, eine große Menge Munition, einige 
Stücke Wäsche, Eßwaren aber überhaupt keine. So gegen halb drei Uhr 
nachts hatte ich mit meinen Leuten die Grenze überschritten. Wir waren 
die letzten des langen Zuges. Es war uns wirklich nicht schwer gefallen, 
uns von den Waffen zu trennen. Wir fühlten uns in Sicherheit, hatten das 
Gefühl, die schweren Tage endlich hinter uns zu haben. Einige Offizie- 
re blieben in der „Wirthschaft zum Löwen” in Hinterschellenberg. Der 
größte Teil der Truppe marschierte weiter bis zur Schule. Dort fand ich 
Platz in einem Kellerraum. Da es in dieser Nacht sehr stark geschneit 
hatte, waren wir alle naß bis auf die Haut. Ich fror und fühlte mich sehr 
unwohl. Ich hatte starkes Fieber. Am anderen Tag wurden uns sämtliche 
Papiere, sofern wir sie nicht schon vorher vernichtet hatten, von den 
Schweizer Zollbeamten abgenommen. Viele Leute kamen, um uns zu 
begrüßen. Ein Pfadfinder brachte mit seiner Handorgel etwas Stimmung 
in unsere Reihen. Am 5. Mai geleiteten uns zwei liechtensteinische Poli- 
zisten nach Ruggell, wo wir in einer Baracke, der Schule oder dem 
Gemeindehaus, einquartiert wurden. Mein Bett bestand aus zwei Bret- 
tern, welche auf zwei Böcke gelegt waren. Als Kopfkissen diente mein 
Rucksack.” 
 
	        

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