Volltext: Bestandeskatalog

  
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Fritz Wotruba (1907-1975) 
  
Schreitender, 1950—1952 
Bronze 
157 X 54 X 70 cm 
Bez. hinten an der Plinthe (grav.): 
F. VWOTRUBA/EA/T/III 
LSK 86.05 
Fritz Wotruba fand früh die bewundernde Anerkennung der 
Dichter, die ihm in Wien und wührend des Schweizer Exils na- 
hestanden. Vor allem war es Elias Canetti, der in seiner Auto- 
biographie die Begegnung mit Wotruba schilderte und dessen 
bildhauerische Arbeit mit den Worten zu ergründen suchte: «Ich 
war mit der landldufigen Meinung hingegangen, dass es ihm um 
die DAUER des Steins zu tun wire, dass nichts, was er damit 
mache, sich auflösen und vergehen könne. Als ich den PROZESS 
vor Augen hatte, jene unerklärliche Aktion, verstand ich, dass es 
um die HÄRTE des Steins ging und um nichts anderes. Er musste 
sich damit herumschlagen.»' 
Canetti ist auch die aufschlussreiche Beschreibung des Schrei- 
tenden (1950—1952) zu verdanken, die in seiner 1955 erschiene- 
nen Künstlermonographie abgedruckt ist.” Sie betrifft allerdings 
die Ausführung der beinahe lebensgrossen Figur in Stein, einem 
in der frühen Nachkriegszeit selten benutzten Material, zu dem 
sich Fritz Wotruba anfangs fast ausschliesslich bekannt hat. 
Der Schreitende in Stein, schrieb der Dichter, «lebt aus einer 
Freiheit, die dem Stein selten gegeben ist.»? Dieser Beobachtung 
fügt der Bildhauer 1965 mahnend hinzu, dass nur derjenige 
am Stein arbeiten dürfe, «der die Kraft aufbringt, die ráumlichen 
Grenzen, die ihm gesetzt sind, in seine Formvorstellung ein- 
zubeziehen.»* 
Ein Bronzeguss nach dem Stein-Original dürfte bereits anfangs 
der sechziger Jahre hergestellt worden sein.” Die Notwendigkeit 
dazu betonte Wotruba im Februar 1960 für seine erste Einzel- 
ausstellung in New York: «My unreserved devotion to stone as 
original material for the sculptor does not mean that I disregard 
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other forms of sculpture. I would not like to eliminate bronze be- 
cause a world without bronze would seem empty to me. But 
bronze is a man-made material. A good stone sculpture will not 
lose its quality if a bronze is made of it later on. Very often I find 
a sculpture — done first in stone — fascinating and surprisingly 
new in its impact when I see it in bronze.» 
Dieser Aspekt wurde von Willem Sandberg ausgeweitet in einer 
poetischen Wotruba-Hommage: 
stein ist sein material 
doch was er zu sagen hat 
gehórt der welt 
braucht vervielfáltigung 
bronze.’ 
Wotrubas Schreitender ist ungeachtet des vom Werktitel ange- 
führten Bewegungsmotivs eine statische, ja architektonisierte 
Figur.® Die gespreizten Beine und die zusätzliche seitliche Stütze 
wirken wie stabilisierende Verstrebungen. Der rechte Arm, eng 
an den Rumpf gepresst, und der linke wie ein Kragstein hervor- 
ragend, betonen das Pfeilerhafte der starren Figur. Es leuchtet 
ein, dass Fritz Wotruba so gut wie nie von Raumproblemen der 
Bildhauerkunst des 20. Jahrhunderts sprach, sondern auf dem 
Block und dem Kubus als den Grundformen, die sein Frühwerk 
bestimmen, beharrt hat.— ET 
Canetti, Elias: Das Augenspiel. Lebensgeschichte 1931-1937. Teil 2. 
Miinchen/Wien, 1985, S. 107. 
2 Canetti, Elias: Fritz Wotruba. Wien, 1955. 
Ebd., S. 57, zu Abb. S. 38. 
Wotruba, Fritz: Das Material. In: Breicha, Otto (Hrsg.): Um Wotruba. Schriften 
zum Werk. Wien, 1967, S. 163. 
Fritz Wotruba. Ausst.-Kat. Museum des 20. Jahrhunderts, Wien, 1963, Nr.11. 
Wotruba, Fritz: Introduction. In: Fritz Wotruba. Sculpture. First One-Man Show in 
New York. Ausst.-Kat. Fine Arts Associates. Hrsg. Otto M. Gerson. New York, 
1960, o. S. 
? Sandberg, Willem: Kunst ist sichtbar machen. In: Breicha, wie Anm. 4, S. 136ff. 
* Fritz Wotruba. Retrospektive. Ausst.-Kat. Kunsthaus Zug. St.Gallen, 1992, S. 63 
(dort bez. als Konglomeratstein u. betitelt Männliche Figur, ausschreitend, 1950-52). 
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