Volltext: Bestandeskatalog

  
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Jean Hélion (1904-1987) 
  
Le journal, 1943 
Feder in Tusche und Aquarell über Bleistift 
28 x 18,9 cm 
Bez. o. r. (Feder in Tusche): Hélion 43 
LSK 91.10 
Als Jean Hélion 1943 dieses Blatt aquarellierte, hatte er sich erst 
seit wenigen Jahren der figurativen Malerei genähert. Seine An- 
fänge liegen in der abstrakt-konkreten Malerei. Bekannt wird 
sein Name im Zusammenhang mit der Künstlergruppe «Ab- 
straction-Création». Als einer der wenigen Franzosen gehôrt 
Hélion zum Pariser Kreis konstruktivistischer Künstler, der sich 
vorwiegend aus Ausländern zusammensetzt. Nahe steht er in 
dieser Zeit Theo van Doesburg, später auch Mondrian. Hans Arp 
gehôrt zu seinen Freunden. Mit van Doesburg hatte er 1930 die 
Zeitschrift Art concret gegründet, die aber bereits nach der er- 
sten Nummer wieder aufgegeben wurde. 1937 nimmt er an der 
von Georg Schmidt veranstalteten Ausstellung «Konstruktivi- 
sten» in der Kunsthalle Basel teil, bei der er mit Jean Gorin zu- 
sammen der einzige Franzose ist.' In den dreissiger Jahren, in 
denen der Einfluss der De-Stijl-Gruppe in seinem Werk deutlich 
zu erkennen ist, beginnt er langsam einen weniger programma- 
tischen Stil zu entwickeln. Die strengen Formen brechen auf, 
werden runder, körperlicher und weisen surrealistische Züge 
auf. In der von Wolfgang Paalen herausgegebenen Zeitschrift 
DYN erscheint im 6. Heft von 1944 der Beitrag Modern painters 
world von Robert Motherwell, der auch eine Reproduktion von 
Helion enthält. Daneben sind Maler seiner Generation wie 
Pollock, Calder, Matta und Henry Moore vertreten. Motherwell 
178 
erwähnt ihn also mit Künstlern, die sich an der Peripherie sur- 
realistischer Tendenzen bewegen. Helion findet Anfang der vier- 
ziger Jahre zur Figuration. Aus dem Maler konkreter Komposi- 
tionen wird ein figurativer Künstler, freilich mit einem grossen 
Mass an Abstraktion, die er durch einen flächenhaften Stil er- 
reicht. Die Formen sind stark in ihren Silhouetten betont, so dass 
die Flächen als kompositorisches Element hervortreten. 
Helion sucht jedoch die Realität, wie er mehrmals äussert: «Je 
voulais la [die Realität] saisir par le cceur, par son trou.»? Und an 
anderer Stelle heisst es: «Les songes ont tous pour objet le 
réel» Er greift banale Sujets auf, Stadtmenschen werden sein 
eigentliches Thema. Auch die Figur auf dem vorliegenden Blatt 
mit dem modischen Hut kommt aus diesem Motivkreis. Seine 
Malerei lebe vom «Argot der Strasse», schrieb David Sylvestre.* 
Stilistisch steht Hélion in der Vereinfachung der gegenstándli- 
chen Formen dem Comic strip náher als der Malerei. In man- 
chem kónnte man ihn einen Vorláufer der Pop Art nennen. Seine 
Wandlung ist in der Tat eindrucksvoll. Der Krieg mag dazu bei- 
getragen haben, dass Hélion sich vom idealistischen Konzept 
der konkreten Kunst abwandte, welche die Welt durch Ordnung 
und Optimismus verbessern wollte, um der Wirklichkeit seiner 
Zeit zu entsprechen. Doch hat ihn die Erfahrung im Umgang mit 
der konkreten Kunst zu einer Figuration geführt, die stets die 
üsthetischen Memente der Malerei berücksichtigte. E.B. 
! Rotzler, Willy: Konstruktivistische Konzepte. Zürich, 1977, S. 127. 
? Abadie, Daniel: Hélion et la force des choses. Bruxelles, 1975, S. 15. 
3 Ebd., S. 117. 
* Sylvestre, David: Jean Hélion. Paris, 1951, S. 167. 
  
 
	        

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