Volltext: Bestandeskatalog

  
von fiirstlicher Residenz und Burgmuseum.® Man stellte 
in den Schlossräumen Möbel und Waffen aus. Schon vor 
dem Ersten Weltkrieg waren auf Schloss Vaduz etwa 
3000 Waffen zu sehen.^ Der Museumsbetrieb wurde auch 
nach der definitiven Wohnsitznahme des Fürsten auf 
Schloss Vaduz im Jahre 1938 noch bis in die fünfziger 
Jahre aufrechterhalten.’ 
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Liechten- 
stein vom ärmlichen Agrarstaat zu einem dicht industria- 
lisierten Gebiet mit einem ausgebauten Dienstleistungs- 
sektor. Die materielle Besserstellung der Bevölkerung 
förderte das Interesse an Kunst und Kultur. Die Verfeine- 
rung des Lebensstils war nur eine Folge davon. Es ent- 
spricht einem allgemeinen Bedürfnis der Gesellschaft, 
wirtschaftliche Prosperität mit einem kulturellen Über- 
bau zu versehen.“ Darüber hinaus kann im Kleinstaat 
Kulturpolitik einen geradezu fundamentalen staatspoliti- 
schen Stellenwert erhalten. Man hat in den letzten Jahr- 
zehnten immer wieder versucht, dieser Einsicht in Liech- 
tenstein zum Durchbruch zu verhelfen — mit unterschied- 
lichem Erfolg. Am deutlichsten ist der Ausbau des Klein- 
staates Liechtenstein in der Aussenpolitik ablesbar. Stufe 
um Stufe gewann das Fürstentum internationale Aner- 
kennung, unterstützt von nachbarlichem Wohlwollen.’ 
Kontinuierlich, aber schleppender und weniger spekta- 
kulár als in der Aussenpolitik und der Wirtschaft verhal- 
fen kulturpolitische Vorkehrungen Liechtenstein zu mehr 
Identität und Reputation. 
Im kulturellen Leben Liechtensteins nimmt der Histori- 
sche Verein eine besondere Stellung ein. Aus der Ein- 
sicht, dass ohne seine Geschichte die Existenz dieses 
Kleinstaates überhaupt nicht erklárbar ist, bemüht sich 
der Verein seit bald einem Jahrhundert, die Landes- 
geschichte in all ihren Fácherungen den Einwohnern 
nahezubringen." Im Jahre 1961 wurde die Liechtensteini- 
sche Landesbibliothek gegründet," 1963 die Liechten- 
steinische Musikschule eröffnet.” Aus dem «Kabarett 
Kaktus», welches im Frühjahr 1964 den Spielbetrieb auf- 
genommen hatte, entwickelte sich das «Theater am 
Kirchplatz». Seit Oktober 1972 steht den Theaterfreun- 
  
den damit ein Bijou eines modernen Kleintheaters zur 
Verfügung." In Vaduz und Balzers hatten schon seit Jahr- 
zehnten Operettenbühnen saisonal mit grossem Erfolg 
Freunden der leichten Muse populäre Aufführungen an- 
geboten." Das Liechtensteinische Landesmuseum ist ein 
der Staatlichen Kunstsammlung verwandtes Unterneh- 
men. Das Schicksal des Instituts widerspiegelt das Ver- 
héltnis der Gesellschaft zu ihrer Vergangenheit. Seit mehr 
als einem Jahrhundert war das Landesmuseum in der 
öffentlichen Meinung im Gespräch. Nachdem die liechten- 
steinische Armee 1868 aufgelöst worden war, versuchte 
Landesverweser Friedrich Stellwag von Carion um 1892, 
die ehemaligen Kasernenräume des liechtensteinischen 
Kontingents auf Schloss Vaduz als Museum umzugestal- 
ten.^ Nach dem frühen Tod des Landesverwesers sorgte 
der 1901 gegründete Historische Verein dafür, dass das 
kulturelle Erbe des Landes betreut und, soweit móglich, 
gesammelt wurde. In Appellen an die Vereinsmitglieder 
und durch Statutenrevisionen suchte der Vorstand den 
kulturellen Aufgaben, sozusagen in patriotischer Pflicht, 
nachzukommen.‘ Als vorübergehende Unterkunft für die 
Sammlung diente nach 1905 das Parterre des Regie- 
rungsgebäudes. Nach Irrfahrten gelangte das Sammelgut 
1954 in das oberste Stockwerk der Landesbank, und 
1972 fand die Eröffnung des Landesmuseums in einem 
renovierten Gebäude aus dem 15. Jahrhundert vis-ä-vis der 
Liechtensteinischen Landesbank statt. Während zwanzig 
Jahren galt das Landesmuseum als Muster eines Klein- 
museums. Aber anstelle der Zwanzigjahrfeier war die 
Evakuierung notwendig: Aushub- und Fundationsarbei- 
ten beim Neubau der Landesbank verursachten eine Sen- 
kung des Grundwasserspiegels und damit des Terrains. 
Der alte Bau drohte einzustürzen — er wurde geráumt." 
Die Aktivitáten einer kleinen, verantwortungsbewussten 
Gruppe von Leuten in Vaduz kam nach dem Zweiten 
Weltkrieg dem Aufgabenbereich der spáteren Staatlichen 
Kunstsammlung nahe. Im Jahre 1952 gründeten Prinz 
Constantin von Liechtenstein, Kabinettsdirektor Gustav 
Wilhelm und Kommerzienrat Guido Feger ein Initiativ- 
komitee «Kunstausstellungen in Liechtenstein». Sie 
 
	        

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