Volltext: Peter Kaiser

  
  
Philipp Nabholz 
    
Márz/April getragen gewesen war von «der begeisterten Vorstellung von 
der Grósse der Pestalozzischen Sache und dessen, was die Anstalt sei und 
leisten kónnte». 
Gegenüber seinem Tübinger Freund Christian Friedrich Wurm!? betonte 
Kaiser,'$* dass er trotz aller negativer Erfahrungen nie vergessen werde, 
«was ich von dem Alten gelernt, und wie ich in mir selbst bin gestärkt wor- 
den». Pestalozzi habe «eine ganze pädagogische Welt in Bewegung gesetzt 
durch die Kraft seines Gemüts und seiner Wahrheit». Iferten sei ein «Jeru- 
salem», wohin alle Pádagogen und Lehrer und Schulmeister wallfahren 
müssten. Die Idee habe ihn «oft tief ergriffen und ich fühlte, dass ich dafür 
alles hätte lassen und verlassen können». 
Einen erneuten nachweisbaren Kontakt zwischen Niederer und Kaiser 
gab es erst zwanzig Jahre später. Niederer ersuchte Kaiser, für ein 
geplantes biographisches Porträt des verstorbenen Philipp Jakob Nabholz 
— ein katholischer Priester, ehemaliger Schüler und Lehrer bei Pestalozzi, 
Direktor des Aargauer Lehrerseminars — im «Interesse der Menschheit» 
eine Skizze über dessen religiöse und politische Ansichten zu verfassen.!®® 
Diesem sei Kaiser seinerzeit in Aarau näher gestanden als irgend jemand, 
den Niederer kenne. 
Tatsächlich war Kaiser zu Beginn seiner Tätigkeit in Aarau 1827 mit dem 
damaligen Direktor des Lehrerseminars, Philipp Jakob Nabholz, bekannt 
geworden. Sie wurden bald so vertraut, dass bis zu Nabholz’ Abreise von 
Aarau 1834 «fast kein Tag verging», an dem sie einander nicht sahen und 
sprachen.!*/ Kaiser kam Niederers Bitte nach und schickte ihm eine «Cha- 
rakteristik» seines Freundes, die Niederer «aus der Seele geschrieben» 
war. !% Dieser ist jedoch wenig spáter im Dezember 1843 in Genf verstor- 
ben, sodass die Biographie nicht mehr erscheinen konnte. Kaiser schildert 
  
183. Olga ESSIG: Christian Friedrich Wurm 
als Schüler und Verteidiger Pestalozzis. IN: 
Pestalozzianum 32 (1935), S. 281—283. — Olga 
ESSIG: Unbekannte Briefe zum Lehrerstreit in 
Yverdon. IN: Pestalozzianum 32 (1935), S. 465— 
466, 931—936. — Zu Kaiser und Wurm vgl. auch 
SCHÓNEBAUM: Pestalozzi. Ernte und Aus- 
klang, S. 275 f. - GERMANN-MÜLLER: P. Kai- 
ser, S. 82. 
184. Kaiser an Wurm, Aarau, 7. Oktober 
1823; Staats- und Universitätsbibliothek Ham- 
burg Carl von Ossietzky, Nachlass Ch. Fr. 
Wurm 23.7, 31. 
185. Niederer an Kaiser, Genf, 26. Januar 
1843 und Niederer an Kaiser, Genf, 24. März 
1843; Zentralbibliothek Zürich: Ms. Pestalozzi 
600.36. 
186. Über Nabholz vgl. SCHÖNEBAUM: 
Pestalozzi. Ernte und Ausklang, S. 254 ff. — 
GERMANN-MÜLLER: P. Kaiser, S. 87. 
— .187. Staatsarchiv Graubünden, Signatur B 
2072.6: Briefkonzept Kaisers an Johannes Nie- 
derer, Chur, 8. Dezember 1843. 
188. Staatsarchiv Graubünden, Signatur B 
2072.6, Zettel III Suppl.: «Philipp Nabholz. Ein 
Beitrag zu seinem Nekrolog» (von Johannes 
Niederer). Mehrseitiges Briefkonzept Kaisers 
anJohannes Niederer, Chur, 8. Dezember 1843, 
das umfangreiche Ausführungen Kaisers zur 
Biographie Nabholz’ enthält. 
189. Staatsarchiv Graubünden, Signatur B 
2072.6: Briefkonzept Kaisers an Johannes Nie- 
derer, Chur, 8. Dezember 1843. In der acht Sei- 
ten umfassenden Charakteristik Nabholz’ 
beschreibt ihn Kaiser als einen ausserordentli- 
chen Menschen. Der Kanton Aargau ernannte 
Philipp Nabholz zum Chorherr von Zurzach. 
Die Einbürgerung scheiterte wegen der politi- 
schen Verhältnisse nach der Julirevolution 
1830, die «eine so bedenckliche Aufregung (...)
	        

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