Volltext: Peter Kaiser

  
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Pestalozzi 
im legitimistisch-restaurativen Sinne agitierende Karl Ludwig von Hal- 
ler!® beklagte heftig, dass es an der Bündner Kantonsschule «von schlech- 
ten Professoren, Vagabunden und Flüchtlingen» wimmle.'^' Zweifellos 
haben jedoch gerade solche Lehrer einen offenen Geist in die Schule 
gebracht, der über die Schüler Eingang in das politische und geistige 
Leben des Kantons fand. 
Ein letztes Mal in Kontakt mit Fellenberg trat Kaiser 1843, als er den acht- 
jáhrigen Christian Bundi aus Sagens, «gesund, gut geartet und voll Lern- 
begierde», an den Hofwiler Pádagogen empfahl. Das Bündner Oberland, 
die Heimat des Knaben, sei bezüglich des «Schulwesens noch zurück», 
und der Schüler, bei Fellenberg gebildet, konnte «für seine Gegend spáter 
etwas thun zur Hebung der Volksschule». Christian Bundi habe gute Anla- 
gen, auch seien «die romanischen Oberlánder im allgemeinen gute und 
bildsame Kópfe».? Auch wenn aus Graubünden verschiedene Knaben 
die Schulen Fellenbergs besuchten,'®® so gilt Peter Kaiser doch als der 
«bedeutendste Lehrer und Erzieher aus Graubünden, der in Fellenbergs 
Anstalten gewirkt hat» und als «Verbreiter Fellenbergschen Gedanken- 
gutes» in diesem Kanton.'** 
Mit dem Abgang aus Hofwil und der Aufnahme der Erziehertätigkeit 
beim alten Pestalozzi in Yverdon gelangte Kaiser in anders geartete Ver- 
hältnisse.!® Während sich Hofwil damals unter der starken Führung Fel- 
lenbergs in einem blühenden Zustand befand, steckte das Institut des alt 
gewordenen Johann Heinrich Pestalozzi in einer unüberwindlichen Krise. 
Kaiser wurde wider Willen in die damit verbundenen Streitigkeiten hin- 
eingezogen. Aus diesem Grund blieb er nur während rund eines Jahres in 
Yverdon. Sein Aufenthalt bei Pestalozzis begann laut Geschäftsbuch am 
28. April 1822 und endete am 26. August 1823.1 Gemass dem «Registre 
  
160. Zu Karl Ludwig von Haller vgl. Hand- 
buch der Schweizer Geschichte, Bd. 2, S. 899 
(Lit.). — Heribert RAAB: FE. A. von Olry und Karl 
Ludwig von Haller. Ein Beitrag zur Geschichte 
der Restauration. IN: Zeitschrift für Schweizeri- 
sche Kirchengeschichte 62 (1968), S. 333—360. 
161. Zit. nach METZ: Geschichte Graubün- 
dens, Bd. I, S. 330, mit einschlàgiger Literatur. 
162. Burgerbibliothek Bern, FA Fellenberg, 
Korrespondenz Ph. E. von Fellenberg, Brief 
Kaisers an Fellenberg, dat. Chur, 12. Februar 
1843. 
163. Chresta: Das landwirtschaftliche Bil- 
dungswesen, S. 27 ff. 
164. Chresta: Das landwirtschaftliche Bil- 
dungswesen, S. 41—45. 
165. Heinrich WALTHER: Pestalozzi im 
Alter. Krisen, Klárung und Vollendung. Ratin- 
gen, 1958. — Zum jungen Pestalozzi siehe neu- 
erdings Peter STADLER: Pestalozzi. Geschicht- 
-liche Biographie. Von der alten Ordnung zur 
Revolution (1746—1797). Zürich 1988. — Zu 
Peter Kaiser und Pestalozzi nun GERMANN- 
MÜLLER: P. Kaisers pádagogische Wirksam- 
keit im Geiste Pestalozzis. IN: GEIGER: P. Kai- 
ser, S. 75 ff. 
166. ALLGAUER: Kaiser, S. 32. — SCHÓNE- 
BAUM: Pestalozzi. Ernte und Ausklang, S. 275.
	        

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