Volltext: Peter Kaiser

  
  
  
  
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Die Schweiz 
che konzentriert. Man helfe sich gegenseitig auch beim Studium, kurz: 
«unser Verkehr ist geistig, das Vaterland das höchste». Die Lage sei aller- 
dings unsicher, man könne nicht mehr «von der Leber weg» schreiben. 
Aber man werde bei den Grundsätzen bleiben, und wenn nötig eine 
Opposition bilden, weil das Recht siegen müsse. Ausserdem wüssten sie 
dank viel Übung die Klingen auch zu führen! 
In der Schweiz habe er tüchtige Männer kennengelernt. Bei Heinrich 
Zschokke sei er gewesen, dem damals führenden aargauischen Kulturpo- 
litiker, auch bei Ignaz Paul Vital Troxler, dem «Promotor der schweizeri- 
schen Regenerationsbewegung»'? und seit 1831 radikalen Aussenseiter 
in der Aargauer Politik. Kaiser hat wahrscheinlich — angesichts seines 
Bekanntenkreises nicht weiter verwunderlich — in Hofwil oder Aarau vor- 
gesprochen oder ist dorthin empfohlen worden, da die von ihm genann- 
ten Personen damals alle an der Aargauer Kantonsschule oder in der Nàhe 
tätig waren. 
Der Stellenantritt Kaisers als Lehrer im Institut Fellenbergs in Hofwil bei 
Bern scheint schon früh festgestanden zu sein. Franz Müller schrieb 
jedenfalls schon am 14. Mai an Bader,'?? dass Kaiser, «unser lieber Kaiser», 
Freiburg Richtung Hofwil verlasse, wo er als Lehrer im Institut Fellenbergs 
einen schónen Wirkungskreis erhalte. Man verliere Kaiser, der Freiburg 
noch im gleichen Monat verliess, «seines Umganges wegen sehr 
ungern».!** Die Burschenschafter verabschiedeten den Kommilitonen mit 
einem grossen und feierlichen Ehrengeleit bis weit südlich der Stadt. 
Ob Peter Kaiser seine juristischen und sprachlich-historischen Studien in 
Freiburg abgeschlossen hat, wissen wir nicht, weil dafür Belege, offizielle 
Dokumente, Diplome oder von ihm selbst stammende Hinweise auf 
einen Studienabschluss fehlen.!”° Es ist eher unwahrscheinlich, da ein 
122. I.P. V. TROXLER: Politische Schriften in 
Auswahl. Eingel. u. kommentiert von Adolf 
_ GÄUER: Kaiser, S. 27 f. — Müller führt aus, dass 
sie seit-«Sand/s Heldenthat» in Freiburg so 
  
ROHR. Bd. 1. Bern 1898, S. 69 f. — Urteile Kai- 
sers über Troxler und Zschokke in den Quellen 
wie vorige Anmerkung. — Zu Troxler vgl. Emil 
SPIESS: I. P. V. Troxler. Der Philosoph und Vor- 
kámpfer des Schweizerischen Bundesstaats. 
Bern 1967. — Zu Zschokke siehe auch MÜNCH: 
Erinnerungen, Bd. 1, S. 411 ff. — Ernst MÜNCH: 
Heinrich Zschokke, geschildert nach seinen 
vorzüglichsten Lebensmomenten und seinen 
Schriften. Haag 1831: S. 143 ff. zum Lehrverein. 
— Zur Regeneration vgl. neben den einschlági- 
gen Handbüchern zur Schweizer Geschichte 
auch das zeitgenóssische Werk von Peter FED- 
DERSEN: Geschichte der Schweizerischen 
Regeneration von 1830 bis 1848. — Zürich, 
1867. 
123. BayHStA MA 1051 und ebda. MA 7717/ 
1, f. 36—38. — Auszug des Schreibens bei ALL- 
behandelt würden, «als wären unsere Hände 
mit Kotzebue’schem Blut besudelt». Man sei 
jedoch «bereit, wenn’s Noth thut, als Opfer zu 
fallen»! 
124. Im Archiv der Stadt Freiburg befinden 
sich keinerlei Hinweise auf Kaiser. — Frdl. Mit- 
teilung der Stadtarchivinspektorin Hefele. 
125. WENTZCKE: Freiburger Burschen- 
schaft, S. 58 f. 
126. Über den Studienbetrieb, Reglemente, 
Prüfungsvorschriften u.a. vgl. MAYER: Die 
Universität Freiburg im Breisgau. IN: Aleman- 
nia 21 (1892), S. 42 ff. u.ó.
	        

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