Volltext: Peter Kaiser

sprechende Möglichkeiten fehlten und der Eintritt in fürstliche Dienste 
kaum möglich war. Es gab in Liechtenstein keine höheren Schulen, die 
Bedarf an hochqualifizierten Lehrern hatten. Ausbildung, Erfahrung und 
— da im Ausland tätig — politische Unabhängigkeit ermöglichten es ihm 
andererseits, dass er 1848 für kurze Zeit eine politische Führungsrolle in 
Liechtenstein übernehmen konnte. Wäre Kaiser in fürstlichen Diensten 
gestanden, wäre ihm die Übernahme einer solchen Funktion unmöglich 
gewesen. Die materielle Abhängigkeit und die berufliche Bindung im 
Ausland wiederum liessen bei der zwingenden Wahl zwischen Beruf und 
Politik keinen anderen Schluss zu, als den Verzicht auf öffentliches politi- 
sches Engagement im Fürstentum Liechtenstein, zumal ihm der Beruf des 
Pädagogen höher stand als die Politik. 
Dennoch tritt, wie auch Dieter Langewiesche aufgezeigt hat,?? Peter Kai- 
ser als Politiker aus den Quellen nur «recht schemenhaft» hervor. Aktiv 
tátig wurde er nur in aussergewóhnlichen Situationen 1840 und 1848, aber 
auch dann nur auf den Wunsch seiner Landsleute hin. Dass er jedoch ein 
politischer Kopf war, hatte er schon in seinen Studentenjahren demon- 
striert, als er mit befreundeten Burschenschaftern in kleinem Zirkel die 
Tagespolitik diskutierte und sich mit ihnen für den Kampf für eine bessere 
Zukunft verbrüderte. Die studentischen Pläne, von Langewiesche als 
«Kult der starken Worte» bezeichnet, hatten wenig praktische und öffentli- 
che Auswirkungen, sie zogen vielmehr das Auge der Staatsgewalt auf sich. 
Schon während der Freiburger Studentenzeit, als er bei Karl von Rotteck 
studierte, dem renommiertesten unter den liberalen Katholiken Deutsch- 
lands, zeigen sich beim jungen Kaiser verschiedene Komponenten des 
Denkens und Empfindens. Die Spätaufklärung prägte ihn in wesentlichen 
Punkten, wie etwa im Kirchenverständnis. Als Vertreter des Frühliberalis- 
Gedenkstätte Peter Kaisers in sei- 
ner Heimatgemeinde Mauren. Die 
Büste wurde von Georg Malin ge- 
schaffen und 1955 von Fürstin Gina 
(+ 1989) enthüllt. 
Würdigung 
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